Zum Inhalt der Seite
Iran

Personalwechsel in Teheran

Bedeutendstes Gremium der Islamischen Republik erhält neue Führung

Foto: Sobhan Farajvan/IMAGO/Pacific Press Agency
Lange dabei und zukünftig Leiter des Nationalen Sicherheitsrates: Mohsen Rezaei bei Feierlichkeiten in Teheran

Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat (SNSC) hat einen neuen Chef: Der in westlichen Medien mal als »Hardliner« und mal als »gemäßigter Konservativer« eingestufte Mohsen Rezaei wurde zum Sekretär des bedeutendsten Gremiums ernannt, wie die Pressestelle des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian am Sonntag abend mitteilte. Von 1981 bis 1997 war er Oberkommandierender der sogenannten Revolutionsgarde. Der jetzt 71jährige ist Nachfolger von Mohammad Baqer Zolqadr, der das Amt am 24. März angetreten hatte, nachdem sein Vorgänger Ali Laridschani bei einem israelischen Luftangriff getötet worden war.

Die Mitteilungen über den Personalwechsel enthalten keine Begründung für die Umbesetzung. Vermutlich mit dem Ziel, den Schritt gegen unerwünschte Interpretationen abzusichern, hat »Revolutionsführer« Modschtaba Khamenei sich bei Zolqadr für dessen »unermüdliche Anstrengungen« bedankt und ihn mit einem Hinweis auf seine »wertvollen Erfahrungen« zu seinem politischen Berater ernannt.

Mit der Neubesetzung der Leitung des SNSC scheint der konservative Kleriker Mohammed Bagher Kharrazi recht zu behalten: Er hatte am Montag vor einer Woche ein Video verbreitet, in dem genau dieser Wechsel vorausgesagt wurde. Zugleich hatte er dort behauptet, dass Präsident Peseschkian mehrmals mit Rücktritt gedroht habe. Jetzt habe Khamenei angekündigt, dessen nächste Rücktrittserklärung zu akzeptieren. Diese Darstellung war von beiden Seiten dementiert worden.

Anzeige

Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten zwischen Peseschkian und dem »Revolutionsführer«, der am 8. März nach der Tötung seines Vaters Ali Khamenei durch Israel zu dessen Nachfolger gewählt worden war, kursieren schon länger. Vielleicht um diese zu entkräften, berichteten iranische Medien am Sonntag, die beiden seien zu einem Gespräch zusammengekommen, bei dem es um die Lebensbedingungen der Bevölkerung, wirtschaftliche und Währungsprobleme, den Außenhandel und die militärische Lage gegangen sei.

Es wäre das erste Treffen der beiden seit der Amtsübernahme von Khamenei gewesen. Ebenfalls am Sonntag veröffentlichte die iranische Nachrichtenagentur Mehr ein Video, in dem dieser etwa zehn Sekunden lang während eines Gesprächs mit mehreren Männern zu sehen ist. Vorausgegangen waren seit Freitag aus Israel stammende Gerüchte, dass sich der Gesundheitszustand Khameneis stark verschlechtert habe.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 11.08.2026, Seite 7, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!