Zum Inhalt der Seite

»Der 51. Bundesstaat«

Venezuela unter US-Fuchtel

Foto: Screenshot/truth social/@realDonaldTrump
Im Internet nimmt sich Donald Trump, was er will

Ist es nur eine Provokation, eiskaltes politisches Kalkül, ein weiterer Beleg für die Ignoranz der US-­Machthaber oder ein Anzeichen beginnender Demenz des Verfassers? Vermutlich eine Mischung aus alledem: US-Präsident Donald Trump hat auf »Truth Social« am Wochenende erneut eine Karte veröffentlicht, auf der Venezuela in den Farben der US-Flagge markiert ist. Darüber steht: »Der 51. Bundesstaat«.

Immerhin hat die KI diesmal das richtige Land hervorgehoben. Vergangene Woche hatte sich das von Marco Rubio geleitete Außenministerium auf einer internationalen Konferenz mit einer Afrikakarte blamiert, auf der alle sechs markierten Länder falsch beschriftet waren. Obwohl dort Hunderte US-Soldaten stationiert sind, wurde Nigeria als Binnenstaat in der Sahara dargestellt. Zumindest der Spott über so dokumentierte Ignoranz bleibt dem Chef des Weißen Hauses nach dem jüngsten Post erspart.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Trump Bilder über seine territorialen Ambitionen verbreitet. Im Januar teilte er ein Foto, auf dem Venezuela, Grönland und Kanada mit der US-Flagge überdeckt waren. Danach sinnierte er über eine Annexion Grönlands und über Kanada als möglichen 51. Bundesstaat. Sein Anspruch auf das südamerikanische Land ist seit dem Angriff der US-Militärs auf Caracas vom 3. Januar und der Verschleppung des Präsidentenpaares allerdings ein anderer Fall.

Anzeige

Bereits jetzt macht Venezuela immer öfter den Eindruck, eher ein US-Protektorat als ein souveräner Staat zu sein. Während Interimspräsidentin Delcy Rodríguez verdächtig oft die absolute Souveränität ihrer Regierung betont, wird sie durch US-Medien brüskiert. Das Time Magazine bezeichnete sie unlängst in einer Titelstory als »Stellvertreterin von Trump«. Auch die New York Times stellte ihre Abhängigkeit heraus und schrieb Mitte Juli, US-Außenminister Marco Rubio regiere Venezuela als »De-facto-Vizekönig« von Washington aus.

Sicher stehen Rodríguez und ihre Regierung mit dem Rücken zur Wand, die Pistolenmündungen auf sie gerichtet. Dass Taktieren und Konzedieren auf Dauer ihr politisches Überleben sichern, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Noch hält die Trump-Regierung die Galionsfigur der ultrarechten Opposition, María Corina Machado, an der kurzen Leine. Ob und wann sich das ändert, entscheiden aber allein Trump und Rubio.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 04.08.2026, Seite 1, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!