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Undine geht

Foto: Werner Michel Neumeister/IMAGO
Ingeborg Bachmann (M.) 1965 auf dem Spoleto-Literaturfestival

Der Auftakt zum Bachmann-Jahr beim Österreichischen Rundfunk hat ein großes Echo ausgelöst. Gezeigt wurde das Zweipersonenstück »Auf eine letzte Zigarette mit Ingeborg Bachmann« des Wiener Aktions­künstlers Johann Nepomuk Przybyszyl, live übertragen aus dem Klagenfurter Stadttheater. Der Autor hatte die Rolle des Aschenbechers einstudiert, den Part der Bachmann auf dem Canapé sollte Hermes Phettberg übernehmen, der jedoch nicht zur Aufführung erschien, da bereits verstorben, was die Dramaturgie des Abends völlig entgleisen ließ.

Als Przybyszyl wie Buddha auf dem Fliesentisch sitzend gerade die dritte kommentarlos gerauchte Zigarette in seinem Bauchnabel ausdrückte, übergoss sich der versammelte Vorstand der Bachmann-Gesellschaft aus Protest gegen die Inszenierung mit Benzin, während Pfadfinder der Kickl-Jugend hereinstürmten und wild um sich schossen. Das Publikum applaudierte ungerührt den Darbietungen, und der Österreichische Rundfunk unterbrach die Direktübertragung erst, als verkohlte Leichen aus dem Saal getragen wurden. Um solche Bilder im weiteren Verlauf der Bachmann-Ehrungen im ORF auszuschließen, wurden diese komplett ins Radio verlegt. Dafür herausgesucht haben Ö 1 und auch die deutschen Kultursender für die nunmehr Hundertjährige lauter schöne Sachen:

»Literatur schlägt Leben«, eine »Lange Nacht« über die Autorin von Helmut Böttiger (Sa., 0.05 Uhr, DLF Kultur, 23.05 Uhr, DLF). → »Ein Geschäft mit Träumen«, Walter Davys Inszenierung ihres ersten Originalhörspiels, in dem die junge Bachmann daran erinnerte, »dass Sie nirgends Träume für Geld bekommen. Sie müssen mit Zeit bezahlen. Träume kosten Zeit.« (Rot-Weiß-Rot 1952, Sa., 14 Uhr, Ö 1) Neu aufgenommen wurden unlängst zwei Erzählungen aus dem Zyklus → »Das dreißigste Jahr«: »Jugend in einer österreichischen Stadt« und »Undine geht«, beide Texte hat Marit Beyer eingesprochen (SWR 2026, Sa., 16.04 Uhr, WDR 3). Alle sieben Geschichten aus → »Das dreißigste Jahr« nahm bald nach dem Erscheinen Oswald Döpke als Hörspielmonolog auf (RB, SDR 1961, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur). In der Reihe »Du holde Kunst« ist die → »Poetik und Poesie« von Ingeborg Bachmann Thema, zu hören sind Auszüge aus ihren Vorlesungen an der Frankfurter Uni 1959/60 und eine Auswahl ihrer Gedichte (So., 8.15 Uhr, Ö 1). Schließlich bringt HR 2 Kultur das Hörspiel → »Malina« (1/2) nach Bachmanns einzigem zu Lebzeiten veröffentlichten Roman (HR 2020, So., 14.04 Uhr).

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Sonst in dieser Woche im Radio: das Fakenewsfeature → »Regulierte Wahrheit« von Christian Jakob, zu hören beim Staatsfunk, der in den eigenen Nachrichtensendungen stets dazu sagt, was wie zu bewerten sei (DLF, ORF, SWR 2026, Di., 19.15 Uhr, DLF). Was beim → »17. Juni« 1953 Fake war und was News, versucht »Ground Zero« zu klären im Gespräch mit Bernd Gehrke, der als SED-Genosse in die Opposition ging und später als Mitglied der Vereinigten Linken (VL) versuchte, die DDR zu verteidigen (Mi., 14 Uhr, Radio Corax).

Max Goldt ist mit seinem neuen Programm → »Aber?« zu hören, mitgeschnitten am 21. März bei der lit.Cologne (Sa., 15.04 Uhr, WDR 5), Alexa Hennings sucht beim Probewohnen in ostdeutschen Schrumpfstädten → »Utopia und Lost Places« (DLF 2026, Sa., 18.05 Uhr, DLF Kultur, So., 20.05 Uhr, DLF), und die Kulturradios schalten sich am Samstag abend zusammen, um eine vielsprachige Einwandereroper zu übertragen, → »Station Paradiso« von Sara Glojnarić, aufgeführt am 10. Mai im Großen Haus in Stuttgart (20.03 Uhr, BR Klassik, NDR Kultur, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3).

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.06.2026, Seite 14, Feuilleton

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