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Svenja setzt sich durch
Kreuzfahrten sind kein Heavy Metal. Trotzdem kann man hier einiges lernen über die Szene und zwar von Anfang an. Während für gewöhnlich zehn Minuten nach dem Einchecken des ersten Gastes die Drähte des Beschwerdetelefons glühen, hat der Serviceoffizier bei der Full Metal Cruise nach vier Stunden erst einmal eine Telefonüberprüfung veranlasst. Wegen totaler Funkstille.
Metaller sind habituelle Plebejer, auch wenn sie als Gehirnchirurgen arbeiten, und das äußert sich eben nicht nur in ihrer achselzuckenden Bescheidenheit, sondern auch in ihrer Freundlichkeit gegenüber dem arbeitenden Volk. Sie nehmen die ihnen gewährte Gunst nicht selbstverständlich hin, sie lächeln zurück und fraternisieren bald mit der Housekeeping-Crew.
Die wechselseitige Wertschätzung zwischen Dienstleister und Auftraggeberin ist Teil der Metalkultur – und so ein Luxusdampfer eine astreine Gelegenheit, ihr Raum zu geben. Man sitzt nun mal in einem Boot. So wankt Metalsister Svenja nach einem langen Abend an Deck zu ihrer Kajüte zurück und trifft auf Biff, den Frontmann von Saxon, die am nächsten Tag ran müssen. Sie fasst sich ein Herz.
»Biff, alter Falter, dich schickt der Himmel.«
»So beginnen Gespräche, die in der Hölle enden«, nickt der Gandalf des Metal melancholisch.
So ganz falsch liegt er nicht. Denn Svenja lässt jetzt ihren ganzen Charme spielen. »Ach weißt du, Biff, ich bin euer größter Fan, ich liebe Saxon, aber keine Rose ohne Dornen, es ist ein Skandal, dass ihr noch nie ›Ride Like The Wind‹ gespielt habt! Morgen wäre eine tolle Gelegenheit.« Und Svenja reckt aufmüpfig das Kinn, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.
Biff holt wortreich zu einer Entschuldigung aus. Es sei ja dieser Song ein Cover von Cristopher Cross, ihr Label habe sie damals überredet, diese Grütze aufzunehmen, niemals hätten sie ihn auf die Bühne gebracht und – bei aller Liebe – es in absehbarer Zeit auch nicht vor.
»Aber es ist nun mal mein Lieblingslied«, meint Svenja bockig.
Biff will ihr das ausreden und scheitert fulminant, aber am Ende reichen sich beide freundschaftlich die Hand und wünschen sich angenehme Träume. Ein aufgeklärter Dissens wie ihn sich Habermas nicht besser hätte ausmalen können.
Der nächste Tag beginnt mit einem Landgang in Málaga, und abends ziehen Saxon auf dem Oberdeck eine souveräne Best-of-Show ab. Und dann kommt dieser Moment, dem auch nach all der Zeit ein gewisser Zauber innewohnt.
»Gestern Abend habe ich ein Mädchen getroffen«, beginnt Biff einen kleinen Exkurs, es fallen dann auch Worte wie »Herrgott noch mal« und »meinetwegen«, und als er fertig ist, wuppen sie eine ruppige, aber trotzdem einfühlsame Version von »Ride Like the Wind« über die Rampe, die Svenja garantiert nie vergessen wird. Während die Schiffsbelegschaft sich also in Málaga amüsiert hat, ist die Band in die Kombüse gegangen, um diese verflixte Schmalzstulle zu schmieren und einen einzigen Fan damit glücklich zu machen. Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen über Heavy Metal.
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Onlineabonnent*in Marian R. aus B. 2. Aug. 2026 um 00:11 UhrSchöne bunte Heavy-Metal-Welt … Hedonistische Lebensweise; Müllberge auf Festivals; betont apolitische Rebellenattitüde; Verbrüderungsorgien mit Team Blau und als Gipfel des »ehrlichen« harten Rock-’n’-Rolls_Kreuzfahrten und VIP-Logen bei Wacken – na, wenn das kein echter Sound der Straße ist. Wild und rebellisch – aber bitte nicht politisch und bloß ohne Bewusstsein, so gefällt’s auch Herrn Merz nebst Hintermännern.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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