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Die Strategen

Foto: Heike Bauer/imago
Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen: Ketchup

Der Rundfunkreformkrebs frisst sich durch die ARD. Während der WDR das einzige Migrantenradio der Republik abschalten will, vergreift sich der Mitteldeutsche Rundfunk an der Klassischen Musik. Am 12. Oktober beendet er die Übertragung von MDR Klassik über DAB plus. Dabei bewirbt die Länderanstalt das Programm als »Marke« im Verbund mit Sinfonieorchester, Chören und Plattenlabel. Eine Radiomarke, die im Radioapparat bald stumm bleiben wird. Die Senderchefs werden sich etwas dabei gedacht haben, und weil sie gerade beim Denken waren, dachten sie sich auch noch eine saudumme Begründung aus für die Verbannung ins Internet: »Mit der strategischen Weiterentwicklung (!) seiner Klassikangebote stärkt der MDR die digitale Verfügbarkeit.«

Die Klassikfreunde im Sendegebiet werden den Strategen die »strategische Weiterentwicklung« am Ende danken. Auf den DAB-plus-Frequenzen, auf denen noch Orchesterhäppchen heruntergedudelt werden, ist ab Herbst BR Klassik zu hören, ein gemütliches, antik designtes Radio. Also doch alle happy? Nein. Die Kollegen beim MDR kriegen heuer eine Nullrunde. Voller Verständnis für die Finanznot der Anstalt wegen der ausgebliebenen GEZ-Erhöhung sind die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen auf ganzer Linie eingeknickt. Immerhin soll es vielleicht Entschädigungen für langjährige Mitarbeiter geben, die »strategisch weiterentwickelt« wurden. So nennt man das, wenn sie einem die Jobs wegkürzen.

Diese Woche im Radio: → »Rauschunterdrückung – Ein Aufnahmezustand«, Hörspiel von Ulrich Bassenge über eine Combo, die keinen Namen hat und nie auftritt (SRF, WDR 2019, Di., 20.05 Uhr, DLF). Die Vertreibung aus den Zentren dokumentiert das »ARD-Radiofeature« in dieser Woche in → »Schatten der City – Obdachlosigkeit und der Kampf um die Innenstadt« (SR 2026, Do., 15.04 Uhr, HR 2 Kultur, Fr., 15.05 Uhr, SWR Kultur, Sa., 13.05 Uhr, Bayern 2, 17.04 Uhr, SR Kultur, 18.05 Uhr, Bremen Zwei, So., 13.04 Uhr, WDR 5).

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Beim Hamburger Freien Radio wird mit → »Exeget, ohne Erbsenzähler zu sein« das Werk des marxistischen Ökonomen Hans-Georg Backhaus exegiert, der am 8. März verstorben ist (Querfunk Karlsruhe 2026, Fr., 8 Uhr, FSK). Sehr viel gestorben wird im nieder­österreichischen Dorfkrimi → »Volksfest« (1/2) von Rainer Nikowitz, was Suchanek, dem bekifften Ermittler, grad gar nicht passt (WDR 2016, Fr., 19.04 Uhr, WDR 3, Sa., 17.04 Uhr, WDR 5). → »Homo Empathicus« ist die Radiofassung von Rebekka Kricheldorfs Neusprechdrama von 2014, es wurde jetzt fürs Radio inszeniert von Harald Krewer (ORF 2026, Ursendung, Sa., 14 Uhr, Ö 1). → »Anatol« (1–4/6) ist eher ein Homo Monologicus, abgehört von Arthur Schnitzler und vor sechzig Jahren prominent besetzt aufgenommen (NDR 1965, Sa., 18.05 Uhr, NDR Kultur).

Live überträgt der ORF aus Villach die Oper → »Les Heures Persanes« von Charles Koechlin, aus dem zugrundeliegenden Vers Ispahan von Pierre Loti liest Petra Morzé (Sa., 19.30 Uhr, Ö 1). In »Essay und Diskurs« holen Holm Friebe und Rainer Kirberg die Flasche raus: → »Lob in Rot – The Church of Ketchup« (DLF 2025, So., 9.30 Uhr DLF). »Das Lyrische Duo« beim freien Sender in Halle (Saale) besingt am Sonntag den → »Chauvinismus« (14 Uhr, Radio Corax); Lord Helmchen und Sir Arthur The Angel bitten um die Einsendung poetischer Beiträge (daslyrischeduo@gmx.de). Schließlich – »Was?« – fällt sich → »Albertine« – »Wer?« – »Du.« – »Ich?« – »Ja.« – beim Monolog selbst ins Wort, im Hörspiel von – »Wem?« – Michel Tremblay (SR 2002, So., 17.04 Uhr, SR Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.06.2026, Seite 14, Feuilleton

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