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Perspektive Lokalradio?

Foto: Steffen Schellhorn/imago
Karl der Käfer würde Bürgerradio hören

In Thüringen gehen die Uhren anders und zuweilen nach wie vor. Anderswo auf der Welt schlägt dem Radio angeblich das letzte Stündlein, aber im Bundesländlein, in dem außer einem erigierten Geschichtslehrer keine Prominenten wohnen, wird der lokale Rundfunk eingeführt. Der kommerzielle lokale Rundfunk, um genau zu sein, sechs werbefreie Bürgerradios gibt es schon.

Das Landeskabinett hat Ende Juni den Entwurf eines neuen Mediengesetzes in den Landtag abgeschickt. Mit diesem soll unter anderem eine Rechtsgrundlage für kommerzielle Lokalradios geschaffen werden, um, so erläuterte die Erfurter Staatskanzlei auf Anfrage von junge Welt, »die Medienvielfalt im Freistaat und insbesondere die lokale Berichterstattung zu stärken«. Anlass dafür ist die Hauptstoßrichtung des neuen Gesetzes: Den Betreibern der beiden großen privaten landesweiten Sender Antenne Thüringen und Landeswelle Thüringen soll eine Fusion ermöglicht werden. Und um Vielfaltsverlust bei den Großen auszugleichen, gehen private Lokale an den Start – so ungefähr die Idee.

Offen ist, wann und wo es los- und ob die Rechnung aufgeht. Antenne und Landeswelle wollen eng kooperieren, weil ihnen die Einnahmen wegbrechen; Fazzbook und Co. drängen sie aus dem Werbemarkt. Die neuen Lokalsender andererseits werden nur leben, wenn auch sie den beiden Großen einen Teil der Werbeerlöse wegnehmen. Und der Fördergelder? Die Bürgerradios in Erfurt, Jena und anderswo müssen neue Mitesser bei der Aufteilung des kleinen Funkförderkuchens befürchten. Aber sie sind nicht weg vom Fenster, die Staatskanzlei betonte gegenüber jW: »Die Unterstützung der Thüringer Bürgerradios steht grundsätzlich nicht zur Disposition. An ihrer Förderung soll festgehalten werden.«

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Dreimal wagnert es in dieser Woche. Von den Bayreuther Festspielen wird am Dienstag »Die Walküre« übertragen, am Donnerstag der »Siegfried« und am Samstag die »Götterdämmerung« (jeweils 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3, zeitversetzt).

Sonst im Radio: »Las Kellys – Die Kämpfe von Spaniens Hotelputzfrauen«, ein Feature von Barbara Eisenmann (DLF Kultur 2025, Di., 19.15 Uhr, DLF; Fr., 15.05 Uhr, SWR Kultur). In den »Radiogeschichten« liest Christoph Radakovits aus »Popóm«, dem neuen Roman von Johanna Sebauer (Mi., 11.05 Uhr, Ö 1). Radiokolumnenpraktikant Gustav mit der Hupe empfiehlt die nächste Ausgabe von »Zwei Stimmen im Fummel« beim Freien Hamburger Radio, Didine van der Platenvlotbrug und Blessless Mahoney empfangen zur »Eheschließung von Tiefkultur und Hochfrequenz« (Mi., 20 Uhr, FSK). Bei SRF 2 Kultur steht »Baboom!!!« auf dem Stundenplan, eine kleine Musikgeschichte der Atombombe (SRF 2017, Fr., 20 Uhr).

Bei WDR 5 »hosten« zwei »Hosts« den Fünfteiler »Strafnachlass für Nazischläger«, den Julius Wußmann und Dinah Rothenberg gebaut haben (WDR 2026, Sa., 13.30 Uhr, So., 18.30 Uhr). Zum Lachen gehen wir in den Keller, in dem Severin Groebner im vorigen Herbst sein Programm »Ich bin das Volk!« aufgeführt hat; seitdem ist er mit dem Österreichischen Kabarettpreis gezeichnet (Sa., 19.05 Uhr, Ö 1). Meike Rötzer hat für die ARD »Die Odyssee« in acht Folgen neu interpretiert, sie »befragt das Epos: Welche Spielräume haben Frauen in der von Männern dominierten antiken Ordnung?« (BR, MDR, RBB 2026, So., 14.05 Uhr, Bayern 2)

Happyend im Hörspiel »Ein Käfer im Ameisenhaufen« von Arkadi und Boris Strugazki; der Genosse Kammerer rettet die Menschheit einer besseren Welt (BR, HR 1986, So., 15.05 Uhr, Bayern 2). Noch kein Happyend in Sicht im »Sockenpuppenzoo« (1/4); es geht in dieser Podcastserie um den Abwehrkampf einer Handvoll Wikipedia-Autoren gegen das Einsickern von Nazilügen in die Artikel der Onlineenzyklopädie (SWR 2025, So., 18.04 Uhr, NDR Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.07.2026, Seite 14, Feuilleton

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