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Nachruf

Love Songs

Zum Tod des Singer-Songwriters Glen Hansard

Foto: ZUMA Press Wire/IMAGO
Beziehungsreiche Folksongs: Glen Hansard (21.4.1970–29.7.2026)

Mittwoch gegen 4.30 Uhr in der Frühe vermeldete die irische Polizei die Kollision einer Person mit einem Motorrad in Lucan bei Dublin. Später berichtete die Presse, dass es sich um Glen Hansard handelte, den gefeierten Singer-Songwriter. Er wurde nur 56 Jahre alt, hinterlässt Frau und dreijährigen Sohn. Bruce Springsteen erklärte: »Hier in der E Street (Belmar, New Jersey, T. G.) sind unsere Herzen gebrochen. Hansard war immer ein großer Musiker, guter Freund, großzügig und gütig.« Der irische Kulturminister Patrick O’Donovan sagte: »Wenige Künstler hatten solch einen Einfluss auf die moderne irische Kulturgeschichte. Hansard hat in jede Note Leidenschaft und Verwundbarkeit gegossen.« Bono von U2 schrieb: »Wann immer eine Münze in einen offenen Gitarrenkoffer fällt, denke ich an ihn.«

Hansards größter Erfolg kam mit dem Film »Once« (2007). In dem spielte er, angelehnt an sein eigenes Leben, einen Straßenmusiker in Dublin. Er beginnt ein Verhältnis mit einer Pianistin, gespielt von der 19jährigen Tschechin Markéta Irglová, im wahren Leben ebenfalls Musikerin. Zusammen singen sie den melancholischen Song »Falling Slowly«, von beiden geschrieben, sie erhielten einen Oscar für den »Best Original Song«. Hansard und Irglová waren zwei Jahre lang ein Paar. Der Film spielte weltweit 23 Millionen US-Dollar ein. 2012 wurde er als Musical adaptiert, das acht USA-Tony-Awards gewann – sensationell!

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Glen James Hansard wurde am 21. April 1970 in Dublin in eine Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater war Alkoholiker, er neigte zu Wutanfällen. Hansard: »Mein Vater war ruhig, verärgert, zum Schweigen gebracht. Also war mein Credo: Ich drücke alles aus, was da ist. Alles musste raus.« Als der Onkel ins Gefängnis ging, hinterließ er Hansard eine Gitarre. Den inspirierte die Musik von Bob Dylan, Leonard Cohen, Van Morrison. Mit 13 verließ er die Schule, um als Straßenmusiker in Dublin zu spielen. Mit 20 gründete Hansard die Band The Frames. Größere Beachtung erhielt er durch den Kultfilm »The Commitments« (1991) über Arbeiterjungen in Dublin, die eine zehnköpfige Soulband gründen. Klar: Hansard spielte den Gitarristen. Erst 2001 hatten The Frames mit ihrem Album »For the Birds« den Durchbruch, »Burn the Maps« ging 2004 in Irland gar auf die eins. Nach dem riesigen Erfolg des Films »Once« veröffentlichte Hansard insgesamt fünf Soloalben, darunter »Didn’t He Ramble« (2015), das für einen Grammy als »Best Folk Album« nominiert wurde. Außerdem gründete er mit Markéta Irglová das Folk-Duo The Swell Season, zusammen spielten sie vier Alben ein. Alle Jahre wieder sammelte Hansard als Straßenmusiker in Dublin Geld für Obdachlose.

2012 erklärte er der New York Times, er singe »in der Sprache des Love Songs«. Aber: »Es geht auch um die Beziehung zwischen mir und meinem Land, zu meinem Gott, zu meinen Freunden, zu mir selbst.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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