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Cosimas Rache

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Zum Wohlfühlen: Das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth

Vor 150 Jahren wurde in Bayreuth Franz Jacob Wagner geboren, ohne den die deutsche Filmmusik umgeschrieben werden müsste. Wagner galt in seiner Jugend als großes Basketballtalent und gewann mit den Edmonton Oilers dreimal den Super Bowl. Zurück in Deutschland gründete er das Rüstungsunternehmen Rheingold, das seit der Inflation von 1923 nur noch Rheinmetall genannt wird. Unter Hitler war Wagner sehr populär, er komponierte die Soundtracks für die Propagandafilme »Der Feuerzangenpole«, »Der Röhm-Punsch« und »Der Untergang«. In der Nachkriegszeit erlebte er einen Karriereknick. Er emigrierte ein zweites Mal in die USA, wo er unter dem Künstlernamen Porter Wagoner die Countryszene aufmischte und nach einem traumatisierenden Erlebnis im Heuschober meiner Tante in Kentucky eine Geschlechtsumwandlung vornehmen ließ.

Er führte seitdem ein Doppelleben, in den USA als Dolly Parton, in der Bundesrepublik als Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner. Letzterer ist voriges Jahr 149jährig in Berlin verstorben, während Dolly Parton neulich in Nashville ein neues Album aufgenommen hat. Zu ihrem 150. Geburtstag werden heuer in Bayreuth erstmals seit 2025 die Wagner-Festspiele aufgeführt, die wie jedes Mal ausführlich in dieser Radiokolumne angekündigt werden, obwohl es dafür keinen vernünftigen Grund gibt. Da muss eine Liszt dahinterstecken!

Die Jubiläumsfeierlichkeiten beginnen mit einer Zeitreise in die wurmstichige Vergangenheit des Grünen Übels, → »Wagners Fach–Werk–Haus. 150 Jahre Bayreuth« von Holger Noltze (Di., 22.05 Uhr, DLF). → »Kinder, macht Neues! Neues!« überschreibt Volker Mertens seinen Beitrag über »Rienzi«, die gröbste Führeroper aller Zeiten, die am Sonntag erstmals überhaupt bei den Festspielen aufgeführt wird (Fr., 22.30 Uhr, DLF Kultur). → »Gibt’s eigentlich noch Wagnerianer?« fragt Friedemann Beyer im »Bayerischen Feuilleton« (Sa., 8.05 Uhr, So., 12.05 Uhr, Bayern 2), während Frank Hallbach in seiner Wagner-Huldigung im »WDR 3-Kulturfeature« verzückt die Dimensionen verknäuelt: → »Zum Raum wird hier die Zeit« (BR 2026, Sa., 12.04 Uhr).

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→ »Die Bayreuther Festspiele« selbst gehen am Samstag los, zum Auftakt dürfen sich die vollgedieselten, schwitzenden Bonzen in der Säulensauna an einem Festakt ergötzen – »Wo ist eigentlich der Steimle, wenn man ihn mal braucht?« –, dazu gibt es das Vorspiel aus »Die Meistersinger von Nürnberg« und den Einzug der Gäste aus »Tannhäuser« (Sa., 20 Uhr, DLF Kultur, 20.03 Uhr, ARD-Kulturradios, zeitversetzt). Am Sonntag kriegt der Hitler endlich seinen → »Rienzi« (15.55 Uhr, DLF Kultur, 15.57, ARD-Kulturradios, live), und am Montag öffnet sich betroffen der Vorhang für → »Das Rheingold« (20.04 Uhr, ARD-Kulturradios, zeitversetzt).

Sonst läuft an den nächsten sieben Tagen im Radio: das Feature → »Unter Spaniens Himmeln« von Klaus Ihlau über die berührende, späte Rückkehr ehemaliger Interbrigadisten (RBB 2006, Di., 20.04 Uhr, MDR Kultur). In der »Lesezeit« ist Kinga Tóth mit → »OstblockMädl« zu hören, dem Text, mit dem die Ungarin in Klagenfurt im Juni den Kelag-Preis gewonnen hat (Mi., 20.30 Uhr, DLF). Auf NDR Kultur beginnt die sechsteilige Serie → »Udo. Ein Leben an der Grenze« mit der ersten Folge, in der Jung-Lindenberg mit der minderjährigen Großmutter von Keith Richards durchbrennt (Sa., 17.05 Uhr). Schließlich wären da noch der Krimi → »Sherlock Holmes in Rio« (1/3) nach dem gleichnamigen Roman von Jô Soares (SWR 2026, Ursendung, Sa., 19.04 Uhr, SWR Kultur), das Hörspiel → »Get deutsch or die tryin’« von Necati Öziri (WDR 2018, Sa., 19.03 Uhr, WDR 3) und die → »Tape­recordings eines metaphysischen Ingenieurs«, ein Hörstück, für das Kai Grehn eine Partitur aus Texten von Fernando Pessoa vertont hat (BR 2020, So., 15.05 Uhr, Bayern 2).

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 14, Feuilleton

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