Große Angst vor Italo
Rückbau von Bahnverbindungen
Privatisieren, Infrastruktur zerstören, Verbindungen einstampfen: Der mögliche Einstieg des italienischen Bahnbetreibers Italo in das deutsche Fernverkehrsnetz löst plötzlich Panik aus, etwa von der größten Gewerkschaft im Deutsche-Bahn-Konzern, der EVG. Diese stellte in einer Analyse nun fest, dass der Italo-Betrieb im Fernverkehr 16 Städte vom Intercity-Verkehr abkoppeln könnte. Das liege daran, dass die Bahn dann weniger lukrative Strecken nicht mehr »quersubventionieren« könne, wenn sie »gewinnbringende Trassen« mit Italo teilen müsse, hieß es in Bild am Sonntag, die über die EVG-Überlegungen berichtete. Wer von Hamburg nach Frankfurt am Main will, ist womöglich nicht betroffen. Aber vielleicht, wer von Jena nach Bamberg will.
Über »Rosinenpickerei« von Italo beschwerte sich also EVG-Chef Martin Burkert, dieser könne den Bahn-Konzern von den Hauptstrecken »verdrängen«, und das wiederum »zerlegt unseren Fernverkehr«. Dasselbe Bild bemühte auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der auch Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz ist. »Dem Fernverkehr muss auferlegt werden, dass die Regionen in der Fläche angebunden sind«, ließ er mitteilen. Ein frommer Wunsch, der bislang an der Realität zerplatzt ist – das schafft die Deutsche Bahn aber ganz ohne die Konkurrenz aus Italien.
Denn auf weniger lukrativen Strecken kürzt sie das Angebot bereits zusammen: Etwa der IC zwischen Karlsruhe und Leipzig, wo ab Dezember nur noch zwei anstelle von aktuell fünf Zügen in beide Richtungen fahren sollen. Betroffen sind dann vor allem Städte in Thüringen. Jena, Saalfeld, Rudolstadt – kennt das irgendwer im Westen? Nö, kann weg: Wegen der geringeren Auslastung rechne es sich einfach nicht, die Züge anzubieten, so die Begründung. Italo, du verfluchter Rosinenpicker!
Mit einem gewinnorientierten Konzern, der sein Netz zurückbaut, die Preise in die Höhe treibt und Menschen in der Fläche abhängt, ist keine bessere Verkehrsanbindung zu machen. Der Gefährder Italo ist da bloß ein Pappkamerad, der vom eigenen Kahlschlag an der öffentlichen Daseinsfürsorge ablenkt. Die gelebte Betriebspraxis bei der Deutschen Bahn ist seit nun 30 Jahren dieselbe: privatisieren, Infrastruktur zerstören, Verbindungen einstampfen.
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