Zum Inhalt der Seite

Im eigenen Interesse

Unternehmen haben Laune

Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bei weniger Profit wird dem Blume die Krawatte wie eine Schlinge um den Hals

Und wieder: Unternehmen in Deutschland seien mit den laufenden Geschäften »etwas weniger zufrieden«, teilte das Ifo-Institut mit Verweis auf den hauseigenen Geschäftsklimaindex am Montag mit. Aber: »Die Erwartungen erlebten einen deutlichen Schub.« Das sind neue Töne, nachdem Konzernbosse und ihre Verbände unablässig geklagt haben, als stünden sie kurz vor der Pleite. Mantraartig wurde erklärt, die Löhne seien zu hoch und die Arbeitszeiten zu kurz. Dabei sollte unter den Tisch fallen, dass sie trotz aller Klagen weiterhin Gewinne gemacht haben. Was sie aber die ganze Zeit störte: Sie wollen mehr davon.

Die nun von der Regierung mit angeblichem Sachzwang umgesetzten Reformen entsprechen offenbar den Interessen der Konzerne. Es ist das Krisenmanagement einer Klasse, die angesichts verschärfter Konkurrenz von außen den Druck nach innen verstärkt und ihr Geschäftsmodell umstrukturiert. Die Maßnahmen sind der Ausdruck des Willens, den Lohnabhängigen mehr abzupressen, um Profit und Rendite wieder anzuheben. Kaum ein Tag, an dem nicht neue riesige Stellenkürzungen mitgeteilt werden, bis zu 15.000 Industriearbeitsplätze monatlich, hieß es noch kürzlich. Sie reden, als stünden sie vor dem Abgrund, obwohl sie ihre Vermögen seit Jahren weiter und weiter steigern.

Der Volkswagen-Konzern unter Leitung von Oliver Blume ist hier ein passendes Beispiel. Er kündigte Ende 2024 mit Verweis auf Sparzwänge sämtliche Einigungen mit der IG Metall auf und zwang sie in eine brutale Tarifrunde. Zuvor hatte er mehr als fünf Milliarden Euro Dividenden ausgezahlt. Blume kürzt, damit der Piëch-Clan wie gewünscht absahnen kann. Genau darum geht es, wenn nun über Produktivitätssteigerungen und Lohnstückkosten fabuliert wird, als ließen sich dadurch die Fehler des Managements korrigieren.

Anzeige

Ist beim Ifo-Institut zu lesen, »insbesondere die Einzelhändler« hätten mit Blick auf die Zukunft »etwas weniger Sorge«, dann sei daran erinnert, dass ihre Verbände gerade Tarifverhandlungen mit Verdi aufgekündigt haben. Im Großhandel sind Lohnerhöhungen für mehrere Monate ausgeschlossen und auch darüber hinaus bleibt es ausgesprochen günstig für die Konzerne. Ob im Handel, im Baugewerbe oder in der Industrie: Was die Arbeiter nicht bekommen, das landet in den Taschen der Manager und Aktionäre, gern auch in Personalunion.

Die Reformen der Bundesregierung und alle Scheußlichkeiten, die noch folgen sollen, geben den Bossen einen Schub: mehr Druck in den Betrieben durch längere Befristungen, draußen mehr Druck von den Ämtern mit Sanktionen. Es gibt eine schlechtere Gesundheitsversorgung, weniger Unterstützungsleistungen und ein für viele unerreichbares Renteneintrittsalter. Die Botschaft: Wer einen Job hat, soll froh sein, ihn zu behalten – wer keinen hat, soll bloß jeden annehmen. Beschäftigte können keinem »Zukunftspaket« dieser Leute trauen, nur ihren eigenen Interessen.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 28.07.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!