Wachsam bleiben
Zukunft der VW-Werke
Die Volkswagen-Belegschaft sollte wachsam bleiben. Die Fabrikkosten im Konzern habe man im vergangenen Jahr »um durchschnittlich 20 Prozent verbessern« können, frohlockte VW-Boss Oliver Blume in Bild am Sonntag. Werke wolle man nicht mehr schließen, es gebe »intelligentere Lösungen«. Ist das Aus des Audi-Werks in Brüssel 2025 etwa schon mit eingepreist? Blume sagt es nicht, stellt aber fest, man verdiene trotz »beliebter Produkte« einfach »zu wenig Geld«, müsse also weiter »alle Kostenarten« reduzieren. Man wolle »den Absatz pro Modell steigern«, »straffe« dafür »konsequent unser Produkt-Portfolio«, erklärte er dem Springer-Boulevard.
Und dort will man wissen, dass die Kernmarkengruppe, die neben VW auch Seat und Cupra sowie Škoda umfasst, ganze Modellreihen aufgeben will. Auch Audi und Porsche sollen demnach die Kürzung ganzer Fabrikate erwägen, heißt es. Bild nennt die Cupra-Reihe Raval, im Frühjahr für das Werk in Martorell bei Barcelona angekündigt; die genannten VW-Modelle Jetta und Taos kommen aus Werken in Mexiko, ebenfalls genannt wird Porsches Cayenne-Reihe. Die könne man mit allen drei Antriebsarten aus dem slowakischen Bratislava gegen Lohnverzicht wieder nach Leipzig holen, hieß es kürzlich. Stellen streichen, die Produktpalette rasieren, und die Werke gegeneinander ausspielen?
Einen Spaltkeil in die internationale Konzernbelegschaft treibt das auf jeden Fall, stellt die Interessen der Beschäftigten scheinbar gegeneinander, macht es leichter, den Druck zu erhöhen. Bislang hatte Blumes Kürzungskurs 35.000 Stellen vernichten sollen, nach neuesten Berichten sollen es bis zu 120.000 sein. Sehen so also die »intelligenteren Lösungen« aus?
Weiterhin könnten auch Waffenproduzenten bei Blume auf der Matte stehen. Katar hatte am Freitag die Tür zugeschlagen, als Großaktionär gegen das Vorhaben votiert, im Werk Osnabrück künftig mit dem Rüstungskonzern Rafael Teile für Israels »Iron Dome«-Raketensystem zu bauen. Pläne, welche die IG-Metall-Führung zum Unmut vieler Beschäftigter still geduldet hatte. Blume hatte sich mit Blick auf die historische Expertise des größten deutschen Autokonzerns in diesem Feld bereits offen gezeigt. Doch die Rüstung als Rettungsanker dürfte sich eher als Betonschuh erweisen, mit weitreichenden Folgen, auch über die Grenzen des Konzerns hinaus. Es gilt also, wachsam zu bleiben.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
