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Was ist von seiner Arbeit in Nicaragua geblieben?
Vor 40 Jahren haben Contras den Kommunisten Berndt Koberstein ermordet. Dort ist er unvergessen, sagt Hendrijk Guzzoni
Vor nunmehr 40 Jahren, am 28. Juli 1986, haben Contras in Nicaragua den Freiburger Internationalisten Berndt Koberstein ermordet. Wie haben Sie damals davon erfahren?
Ich bin durch die Stadt gegangen und habe an der Buchhandlung der DKP ein provisorisches Plakat gesehen: »Unser Genosse Berndt Koberstein in Nicaragua ermordet.« Berndt war mein bester Freund, ich vermisse ihn bis heute jeden Tag. Damals konnte ich die Nachricht erst nicht glauben, dann kam in der Tagesschau die Bestätigung. Unmittelbar nach dem Mord gab es Demonstrationen in Freiburg gegen die US-Finanzierung für den Terrorkrieg der Contras.
Drei Jahre zuvor war bereits der Freiburger Arzt Albrecht »Tonio« Pflaum ebenfalls im Norden Nicaraguas ermordet worden. Hat sein Tod und der von Berndt Koberstein Freiburg damals verändert?
Einen Teil von Freiburg sicherlich. Es gab eine große Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreiche Initiativen mit dem Ziel, die Arbeit von Berndt und Tonio in Nicaragua weiterzuführen. Es gibt den Verein Städtepartnerschaft Wiwilí–Freiburg, kurz Wiwilí-Verein, und seit 2015 auch eine offizielle Städtepartnerschaft Freiburgs mit der Kleinstadt Wiwilí. Diese sollte es zunächst nicht geben, weil aus Freiburger Sicht Wiwilí zu klein war. Dass es jetzt doch eine offizielle Partnerschaft gibt, hat sicher mit den vielfältigen Aktivitäten in Freiburg zu tun, so wurden beispielsweise nach dem Hurrikan Mitch 1998 Hunderttausende D-Mark von Freiburger Bürgern gesammelt.
Welche Aktivitäten gibt es zum 40. Todestag von Berndt Koberstein?
Es gab in der vergangenen Woche eine Veranstaltung des Wiwilí-Vereins und der Stadt Freiburg auf Anregung der Guzzoni-Federer-Stiftung für Zusammenleben und Solidarität. Gesprochen haben Oberbürgermeister Martin Horn und der ehemalige EU-Abgeordnete der Grünen, Wilfried Telkämper, der damals am Zustandekommen des Projekts der Wasserleitung in Nicaragua sehr aktiv beteiligt war, außerdem zwei Vertreter des Wiwilí-Vereins und ich für die Guzzoni-Federer-Stiftung. Wir konnten von der Stiftung dem Wiwilí-Verein eine Spende in Höhe von 10.000 Euro überreichen, die für Aufforstungsprogramme in Wiwilí verwendet werden soll. Die Arbeit dort läuft über die Partnerorganisation des Wiwilí-Vereines, die Asociación »Adem Wiwilí«. An diesem Dienstag wird eine kleine Gedenkfeier des Vereins auf der Wiwilibrücke an der Gedenktafel für die beiden stattfinden.
Koberstein und Pflaum hatten beide politische Gründe dafür, nach Nicaragua zu gehen, auch wenn Pflaum über die offizielle deutsche Entwicklungshilfe vor Ort war. Koberstein war Mitglied der DKP und zunächst als Mitglied der DKP-Brigade »Carlos Fonseca« in Nicaragua. Hat der Antikommunismus die Erinnerungsarbeit erschwert?
Am Anfang durchaus. Als wir direkt nach der Ermordung die Stadt Freiburg zu einer Stellungnahme aufforderten, gab es schon abwehrende Reaktionen. Aber diese Haltung ist mittlerweile aufgebrochen. Allerdings: Nach Tonio Pflaum ist in Freiburg eine Straße benannt, eine Berndt-Koberstein-Straße gibt es nicht. Vielleicht wollte man hier doch vermeiden, mit einem Straßennamen einen Kommunisten zu ehren.
Seit 2011 gibt es in Freiburg den Berndt-Koberstein-Preis für Zusammenleben und Solidarität. Was hat es damit auf sich?
Der Preis wurde 2011 zu seinem 25. Todestag der Öffentlichkeit vorgestellt. Er war bis 2023 mit 10.000 Euro und ist seit 2024 mit 15.000 Euro dotiert und wird von der Guzzoni-Federer-Stiftung einmal im Jahr Anfang Mai vergeben, das erste Mal 2012. Die Idee ist, Initiativen aus Freiburg auszuzeichnen, die im Sinne von Berndt in Freiburg wirken. In der Jury sind noch überwiegend Personen, die ihn persönlich kannten. Sicherlich ist da auch im Hinterkopf, welche Initiativen Berndt wohl am besten gefallen hätten. Preisträger waren unter anderem die Freiburger Obdachlosenzeitung Der Freie Bürger, das Linke Zentrum »¡Adelante!« und das Mietshäuser-Syndikat. In diesem Jahr zum 40. Todestag war die Ehrung noch mal stärker als in den Vorjahren an der Persönlichkeit und dem Leben von Berndt Koberstein orientiert. Ich denke, die Aktivitäten um die Preisvergabe haben dazu beigetragen, dass Berndt und sein Wirken heute in Freiburg bekannter sind als noch vor 15 Jahren.
Was hatte Koberstein in Nicaragua genau gemacht, und was ist aus der Arbeit geworden?
Berndt, von Beruf Maschinenschlosser, hatte zuletzt als Bauleiter für eine Wasserversorgung in Wiwilí gearbeitet. Diese war zum Zeitpunkt seiner Ermordung fast fertig und wurde nach seinem Tod fertiggestellt. Sie funktioniert bis heute, wurde vor ein paar Jahren saniert und versorgt 10.000 Menschen mit sauberem Wasser. Was sehr eindrucksvoll ist: Diese Wasserversorgung ist nach ihm benannt, genauso wie eine Grundschule in der größeren Stadt Matagalpa. Berndt ist also nicht nur in Freiburg, sondern vor allem in Nicaragua auch 40 Jahre nach seinem Tod nicht vergessen.
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