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05.06.2026
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Selbstbild in Trümmern
Kein Sitz für BRD in UN-Sicherheitsrat
Das saß: Deutschland ist zum ersten Mal überhaupt mit seiner Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat gescheitert. Und zwar krachend; es endete deutlich abgeschlagen hinter Portugal und Österreich. Niederlagen schmerzen immer. Sie schmerzen aber ganz besonders, wenn sie das eigene Selbstbild zertrümmern. Genau das war am Dienstag in New York der Fall. Das Selbstbild der deutschen Bourgeoisie ist sehr ausgeprägt. Man ist stark, ist in Europa klar die Nummer eins und hat globale Ansprüche. Man weiß in allem Bescheid, steht moralisch immer auf der richtigen Seite. Und man setzt sich, was denn sonst, in aller Welt für das Gute, das moralisch Richtige ein. Das alles tut man übrigens, schließlich ist man deutsch, sehr gründlich.
Es gibt mehrere Ursachen, die zu Deutschlands Niederlage in der UN-Generalversammlung beigetragen haben. Eine ist die beinharte Kumpanei der deutschen Bourgeoisie mit der Rechtsaußenregierung in Israel, deren Verbrechen alte Erinnerungen in ehemaligen Kolonien wecken. Eine weitere ist die groteske Weigerung der Bundesregierung, neue koloniale Verbrechen der USA als solche zu benennen – den Angriff auf Venezuela, die Verschleppung von Präsident Nicolás Maduro zum Beispiel. Alle wissen: Derlei Gewaltakte können in nächster Zeit jedes Land treffen; Berlin wird dann, um mit Merz zu sprechen, nicht rechts, nicht links gucken, sondern weit wegschauen. Drittens kommt noch das penetrante Beharren hinzu, im Ukraine-Krieg, einem europäischen Krieg, die ganze Welt zur Parteinahme für die deutsche Seite zu nötigen. Das nervte schon vor vier Jahren.
Träfe das Selbstbild der deutschen Bourgeoisie wenigstens noch zum Teil zu; wäre sie zumindest wirtschaftlich noch wirklich stark, dann hätte die Welt wohl wie bisher sich die Nase zugehalten und Deutschland für zwei Jahre in den UN-Sicherheitsrat gewählt. Die einstige Stärke aber schwindet rasant – und damit steht auch der globale Anspruch der Bundesrepublik auf bröckelnden, tönernen Füßen. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala äußerte schon vor Jahren, wer mit China verhandle, bekomme einen Flughafen; wer mit Deutschland spreche, erhalte eine Belehrung. Wenn aber Deutschlands Kraft für den Flughafen nicht mehr reicht? Nun, auf die Belehrung, die die deutsche Bourgeoisie, ihrem Selbstbild treu, noch immer stets parat hat, kann die Welt dann erleichtert verzichten.
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