Gegründet 1947 Sa. / So., 03. / 4. Januar 2026, Nr. 2
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 19.11.2025, Seite 6 / Ausland
Besatzung

Libanesisches Land einverleibt

Israel errichtet Mauer und dehnt Besatzung aus. UN-Mission ignoriert und beschossen
Von Karin Leukefeld
2025-11-16T100724Z_1754861925_RC2LXHAQV7YT_RTRMADP_3_LEBANON-SEC
Israels Mauer an der »Blauen Linie«, gekennzeichnet durch den 2006 gesetzten Marker (16.11.2025)

Jarun liegt auf einem Hügel nur wenige Kilometer von der »Blauen Linie« – der von der UNO gezogenen Demarkationslinie zwischen Israel und dem Libanon – entfernt und ist von Olivenhainen und Weinbergen umgeben. Seit der vor knapp einem Jahr vereinbarten Waffenruhe wurden in dem libanesischen Ort Dutzende Häuser, Gebäude und auch eine Moschee von Israel gezielt zerstört. Die aktuell vom israelischen Militär errichtete meterhohe Mauer hindert die Bevölkerung an der Rückkehr zu ihren Feldern und Höfen. Gleichzeitig wird die illegale Besatzung im südlichen Libanon weiter ausgedehnt. Der libanesische Präsident Joseph Aoun reichte eine Beschwerde gegen das Vorgehen beim UN-Sicherheitsrat ein. Seit Oktober 2023 waren es 66 Beschwerden gegen israelische Angriffe. Ohne Erfolg.

Das Gebiet entlang der »Blauen Linie« im Südlibanon wird seit Jahrzehnten von der UN-Interimsmission UNIFIL kontrolliert, Grundlage ihres Mandats ist die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 aus dem Jahr 2006. Danach müssen sich sowohl die bewaffnete Hisbollah als auch die israelischen Streitkräfte aus dem Südlibanon zurückziehen. Die Kontrolle wird von der libanesischen Armee gemeinsam mit UNIFIL übernommen. Israel ignoriert die Resolution und hält fünf Hügel besetzt, um die eine militärische Pufferzone angelegt wurde. Täglich bombardieren Kampfjets und -drohnen Gebäude, Fahrzeuge und Felder, fast täglich werden Menschen gezielt getötet.

Am Freitag berichtete die UNIFIL-Mission erstmals über den Bau und teilte in einer Presseerklärung mit, dass man die Mauer untersucht habe und zu dem Ergebnis komme, dass sie die »Blaue Linie« überquere und damit 4.000 Quadratmeter Boden auf libanesischer Seite abtrenne. Man habe Israel darüber informiert und die Armee aufgefordert, die Mauer zu entfernen und das libanesische Territorium zu verlassen.

Tel Aviv rechtfertigte den Bau gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP als »Teil eines größeren Plans, dessen Umsetzung bereits 2022 begonnen« habe. Mit dem Krieg (2023/24) seien die Baumaßnahmen auch an der »physischen Barriere« ausgeweitet worden. Man betone, dass »die Mauer nicht die ›Blaue Linie‹ überquert«, erklärte das Militär. Die von UNIFIL ermittelten Tatsachen werden von Israel ignoriert.

Am Sonntag morgen berichtete die Mission, eine Einheit der UNIFIL-Soldaten sei von einem israelischen »Merkava«-Panzer von einem der besetzten Hügel während einer Patrouille zu Fuß beschossen worden. Die schweren Geschosse der »Merkava«-Maschinengewehre seien etwa fünf Meter von den UNIFIL-Soldaten entfernt eingeschlagen. Das UNIFIL-Hauptquartier habe Israel kontaktiert und zur Feuereinstellung aufgefordert. Die »Blauhelme« konnten schließlich das Gelände verlassen. Der Panzer zog sich in die israelische Stellung zurück. Verletzte und Tote gab es nicht. UNIFIL wies darauf hin, dass es sich um eine schwere Verletzung der UN-Sicherheitsratsresolution 1701 handele. Israel müsse sein »aggressives Verhalten und die Angriffe« stoppen.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Der vermeintliche Kampf Israels gegen den Terror richtet sich hi...
    29.10.2025

    Ringen um den Südlibanon

    Der Druck auf Beirut, die Hisbollah zu entwaffnen, steigt – vor allem aus Washington und Tel Aviv. Angriffe Israels haben trotz Waffenruhe nie aufgehört
  • Alltag vor allem im Süden des Libanon: Zerstörung nach israelisc...
    10.09.2025

    Entwaffnung ja, wenn Israel geht

    Libanon: Armee legt Plan vor, Einzelheiten unter Verschluss. Hisbollah besteht auf Einstellung israelischer Angriffe und Rückzug der Truppen
  • Bei beiden Seiten unbeliebt: »Blauhelmsoldat« spricht mit Kriegs...
    25.08.2025

    Ringen um »Blauhelme«

    Libanon: Weltsicherheitsrat stimmt über Friedenseinsatz ab. USA und Israel wollen ihn beenden

Mehr aus: Ausland