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02.06.2026
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Zweikampf in Kolumbien
Ultrarechter kommt bei Präsidentschaftswahl überraschend auf den ersten Platz, Linkskandidat Cepeda enttäuscht. Entscheidung fällt in drei Wochen
Ernüchterung bei der kolumbianischen Linken: Die erhoffte absolute Mehrheit in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ist ausgeblieben – und das deutlich. Gerade einmal etwas mehr als 40 Prozent der Stimmen konnte der Kandidat des regierenden Pacto Histórico, Iván Cepeda, am Sonntag (Ortszeit) auf sich vereinen. Damit kam er nicht einmal auf den ersten Platz, der an den Ultrarechten Abelardo de la Espriella ging. Für den Anwalt, der sich selbst »der Tiger« nennt, stimmten fast 43 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Insgesamt waren rund 41 Millionen Kolumbianer zur Wahl aufgerufen, mit 57,8 Prozent beteiligten sich aber wie schon bei der Parlamentswahl im März nur etwas mehr als die Hälfte an der Abstimmung.
Nun entscheidet sich am 21. Juni in einer Stichwahl, wer den progressiven Staatschef Gustavo Petro im Präsidentenamt beerben wird. Stand jetzt, ist der Ausgang völlig offen. De la Espriella erhielt am Sonntag rund 700.000 Stimmen mehr als Cepeda. Allerdings riefen noch am Wahlabend die unterlegene Rechtskandidatin Paloma Valencia und ihr Chef, Expräsident Álvaro Uribe, zu seiner Wahl auf. Nur de la Espriella könne verhindern, dass Kolumbien »an die Kommunisten oder die Neokommunisten« gehe, phantasierte Valencia, die mit rund 1,6 Millionen Stimmen ein ernüchterndes Ergebnis holte. Die rund eine Million Wähler von Sergio Fajardo, der auf dem vierten Platz landete, werden wahrscheinlich mehrheitlich für Cepeda stimmen.
Die Situation in den drei Wochen bis zur Stichwahl dürfte angespannt bleiben. Nachdem er während des bisherigen Wahlkampfs oft eher zurückhaltend aufgetreten war, schaltete Cepeda noch am Sonntag abend in den Angriffsmodus. Bei der zentralen Wahlveranstaltung des Pacto Histórico in einem Hotel im Zentrum der Hauptstadt Bogotá zeigte er sich optimistisch und erklärte: »Wir werden in der zweiten Runde gewinnen, daran gibt es keinerlei Zweifel.« Seinen Kontrahenten attackierte er scharf. So warf er de la Espriella vor, als »Anwalt von Drogenhändlern und Betrügern« zu Reichtum gekommen zu sein. Der Ultrarechte vertrete einen »mafiösen Faschismus«, wolle das Land in längst vergangene Zeiten zurückführen und sei »misogyn und homophob«.
Der große Gewinner der ersten Runde, der die Wahl zur »wichtigsten in der Geschichte des Landes« erklärt hatte, betonte in der Karibikmetropole Barranquilla, er sei »bereit für die entscheidende Schlacht«. »Wir werden die Feinde Kolumbiens bestrafen. Heute hat das Volk gesprochen. Zum ersten Mal in der politischen Geschichte hat ein unabhängiger Mann, der sich nicht einschüchtern lässt und über den nötigen Charakter verfügt, die erste Wahlrunde gewonnen und sich damit den Sieg gesichert«, erklärte de la Espriella vor Hunderten Anhängern. Zugleich warnte er Cepeda und den amtierenden Staatschef Petro davor, das Ergebnis nicht anzuerkennen, da sich sonst »das Volk erheben und euch bestrafen« werde. Die USA forderte er auf, »diese Stichwahl genau zu beobachten – ich werde an der Spitze dieser Schlacht stehen. Ich werde da sein, um unsere Demokratie zu verteidigen, und mich notfalls für Kolumbien opfern.«
Zuvor hatte Petro Zweifel am vorläufigen Ergebnis geäußert. Auf X schrieb er, die zuständige Auszählungssoftware stimme nicht mit dem offiziellen Wählerregister überein. Aus dem Grund werde er das offizielle Endergebnis abwarten. Auch Cepeda verwies am Sonntag abend auf Unregelmäßigkeiten am Wahltag und mutmaßlichen Stimmkauf in mehreren Wahllokalen. Die Wahlprüfungsausschüsse forderte er auf, »ihre Arbeit zu tun«, um »bis auf die letzte Stimme« vollständige Klarheit über das Endergebnis zu haben.
Zudem prangerte Cepeda an, dass sich »Regierungen aus dem Ausland« in den Wahlprozess eingemischt hatten. Erst am Freitag hatte der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa nach einem Gespräch mit de la Espriella verkündet, die Strafzölle gegen kolumbianische Importe ab dem 1. Juni abzuschaffen – als wäre der extrem rechte Kandidat bereits Präsident. Die beiden hätten sich außerdem »auf die Auslieferung ecuadorianischer Straftäter, die sich auf kolumbianischem Gebiet befinden, geeinigt«, verkündete Noboa. Cepeda bezeichnete das Manöver am Sonntag als »nichts anderes als eine plumpe, offene und unverhohlene Einmischung in unseren Wahlprozess«. Es ist zu befürchten, dass derartige Einflussnahmen in der Zeit bis zur Stichwahl noch zunehmen werden.
Während de la Espriella für eine enge Kooperation mit der US-Regierung unter Donald Trump und mit Israel plädiert, spricht sich Cepeda für eine »von Dialog und Respekt geprägte Beziehung zu den USA« aus. Petro hatte sich immer wieder deutlich gegen den imperialistischen Kurs Washingtons in der Region ausgesprochen und Israels Genozid in Gaza angeprangert. Noch am Sonntag gratulierten neben Noboa der argentinische Rechtsaußenpräsident Javier Milei und der Chef der faschistischen Vox-Partei aus Spanien, Santiago Abascal, dem Sieger der ersten Runde.
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