Trump leckt sich die Finger
Stichwahl in Kolumbien
Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien ist für die Rechte ein Punktsieg mit regionaler Strahlkraft: Noch am Sonntag gratulierten zahlreiche Staatschefs dem Hardliner Abelardo de la Espriella, darunter Javier Milei aus Argentinien, Daniel Noboa aus Ecuador und Giorgia Meloni aus Italien. US-Präsident Donald Trump rief den selbsternannten Tiger gar persönlich an. Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado komplettierte die Liste des Grauens.
Dabei steht das Endergebnis der Präsidentschaftswahl noch gar nicht fest. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, wäre ein Patt zwischen de la Espriella und dem Linkskandidaten Iván Cepeda angesichts des geringen Abstands technisch noch möglich. Wie schnell und energisch sich zentrale Vertreter der Ultrarechten auf die Seite des wahrscheinlichen Wahlsiegers gestellt haben, zeigt die Bedeutung des Votums. Kolumbien ist immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Ein Einrücken in den Block rechtsregierter Staaten hätte Folgen für die gesamte Region.
Kolumbien bestätigt eine Tendenz. 2025 gewannen rechte Kräfte mit Chile, Bolivien und Honduras wichtige Länder von der Linken zurück. Im Oktober soll bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien das nächste regionale Schwergewicht folgen. Für die progressive Achse in der Region wäre das ein heftiger Schlag. Souveräne Politik wäre wohl nur noch marginal möglich. Trump leckt sich die Finger.
Auch eine andere Tendenz bestätigte der Sonntag: Die Einmischung Washingtons in Wahlprozesse in Lateinamerika hat Erfolg. Nicht nur sprach sich der US-Präsident wiederholt für de la Espriella und gegen den »linksradikalen Marxisten« Cepeda aus. Selbst vor politischer Verfolgung von Cepeda-Wahlkämpfern in den USA schreckte Washington nicht zurück.
Am Sonntag schrieb US-Außenminister Marco Rubio auf X, an de la Espriella gerichtet, die Trump-Regierung freue sich darauf, »eng mit Ihrer künftigen Regierung zusammenzuarbeiten«. Wie die »Zusammenarbeit« aussehen dürfte, haben nicht nur die Jahre des »Plan Colombia« unter Expräsident Álvaro Uribe gezeigt. Es geht um nicht weniger als Unterordnung unter die geostrategischen Interessen Washingtons in der Region. Ein Präsident de la Espriella, der für seine US-Staatsbürgerschaft den USA Loyalität schwor, dürfte dabei dienlich sein.
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