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Russlands Schwäche

Foto: Maxim Shemetov/Pool Reuters via AP
Wenn man der deutschen Presse glaubt, ist Wladimir Putin nur »Juniorpartner« Xi Jinpings (Beijing, 20.5.2026)

Die deutschen Medien lassen sich bekanntlich keine Gelegenheit entgehen, China und Russland anzuschwärzen. Die Tatsache, dass unmittelbar nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Beijing auch Wladimir Putin der Volksrepublik seine Aufwartung gemacht hat, wird als Inszenierung chinesischer Stärke gedeutet – und als Zeichen der Schwäche Russlands. Denn es stehe schlecht um den Krieg gegen die Ukraine, so wie auch die russische Wirtschaft nur mit Mühe den Zusammenbruch aufschiebt.

»Der Besuch dient beiden Präsidenten«, hebt Johann Fuhrmann, Leiter des Auslandsbüros China der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, laut dem Münchner Merkur hervor, um sodann insbesondere auf Putin zu sprechen zu kommen. Der »brauche die Rückendeckung seines wichtigsten Partners – Bilder, die Stabilität vermitteln«. Schließlich stehe er »unter Druck, nicht nur wirtschaftlich«, so Fuhrmann. »Dass ukrainische Drohnen inzwischen Moskau erreichen können, verunsichert natürlich auch die eigene Bevölkerung.«

Um die Stärke Russlands richtig schwarzzumalen, greift der Berliner Tagesspiegel eine dpa-Meldung auf und verbreitet die Mär von einem »von Trump vermittelten dreitägigen Waffenstillstand, der es dem Kremlchef ermöglicht hatte, seine Siegesparade ungestört abzuhalten«. Soll heißen: Nur dank des Wohlwollens des wohl im Moment größten Förderers von Faschismus weltweit konnten die jüngsten Feierlichkeiten zum »Tag der Befreiung vom Faschismus« am 9. Mai in Moskau über die Bühne gehen.

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Der Deutschlandfunk sprach am Mittwoch mit Rüdiger von Fritsch, einem ehemaligen Botschafter der BRD in Moskau. Der analysiert die russische Schwäche nüchtern und hebt hervor, dass Moskau »einseitig abhängig« sei von Beijing. »Ein Drittel des russischen Außenhandels« gehe nach China, umgekehrt seien es nur drei Prozent. Dabei handele es sich bei 90 Prozent der chinesischen Güter um Industrieprodukte, bei 90 Prozent der russischen aber um bloße Rohstoffe. Besagt: Russland ist immer noch ein »Obervolta mit Atomraketen«, wie einst Bundeskanzler Helmut Schmidt es von der UdSSR sagte.

Für die FAZ war sowieso klar: Putin hat bei seinem Besuch in ­China »vor allem auf eine Zusage zu einer neuen Gaspipeline« gehofft. Die lasse aber auf sich warten, da Beijing sich nicht in »zu große Abhängigkeiten« begeben wolle. Doch angesichts des von Israel und den USA angezettelten Iran-Kriegs wendet das rechtskonservative Flaggschiff vorsichtig ein: »Unklar bleibt, ob der Irankrieg und die auch für China ausbleibenden Gaslieferungen vom Golf jetzt zu einem Umschwenken führen.« Wenn man sich da mal nicht selbst ein Bein gestellt hat. (jt)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2026, Seite 2, Ansichten

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