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Siedhoff, Zechlin, Straube

Foto: IMAGO
Wäre kommenden Sonnabend 100 geworden: Schauspieler Joost Siedhoff

Er sei ein »Bauhaus-Sprössling aus Weimar«, sagte Joost Siedhoff mit Recht, denn bei seiner Geburt arbeiteten beide Eltern am Bauhaus. Werner Siedhoff trat im dortigen innovativen Theater auf, Mutter Alma Buscher war Innenarchitektin, mit deren Bauhaus-Spielzeug auch der kleine Joost Jürgen (wie er damals noch hieß) viel anzufangen wusste. In seinem langen Leben ist er weit herumgekommen. Als Schauspieler tourte er nicht nur durch Europa, sondern auch durch Südamerika, Kanada und Australien. Ein Angelpunkt blieb für ihn viele Jahre Frankfurt am Main. Hier spielte er mit 23 Jahren beim HR die Rolle, in der er dank vieler Wiederholungen im Gedächtnis geblieben ist: Sohn Willy der langlebigen Funkfamilie Hesselbach. Nach dem Radio war er der Willy in drei Kinofilmen von und mit Wolf Schmidt und schließlich noch 1960/61 in den ersten elf Folgen der TV-Fassung »Die Firma Hesselbach«, ehe er auf eigenen Wunsch herausgeschrieben wurde. Der unermüdliche Künstler hat in internationalen Spielfilmen und populären Serien wie »Großstadtrevier« oder »Hubert und Staller« mitgewirkt und bis zuletzt an das Werk seiner Mutter erinnert. Er starb einen Tag nach seinem 96. Geburtstag und wäre kommenden Sonnabend 100 geworden.

Bereits am Montag wurde an den 100. Geburtstag einer großen Musikerin erinnert. Ruth Zechlin, als Ruth Oschatz bei Freiberg geboren und in Leipzig aufgewachsen, spielte Klavier und begann mit sieben Jahren zu komponieren. Sie wurde anerkannte Organistin und Cembalistin, kam 1950 nach Berlin, wo sie als Musikdozentin auch mit Hanns Eisler zusammenarbeitete und eine Ehe mit dem Pianisten Dieter Zechlin schloss, dessen Namen sie behielt. In ihren rund 300 Kompositionen, darunter Chorwerke und Kammermusik, kämpfte sie stets für die moderne Musik, zählte Strawinsky und Schönberg zu ihren Vorbildern. Unter ihren zahlreichen Schülern fanden sich Georg Katzer, Peter Jarchow und Ralf Hoyer. Zechlin, Mitglied der Akademie der Künste, starb mit 81 Jahren in München.

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Er ist das Urbild von Edgar Wibeau, dem ungebärdigen 17jährigen, der nach seinem Platz im Leben sucht und sich in eine Kindergärtnerin verliebt. Ulrich Plenzdorf hatte die Geschichte von den »Neuen Leiden des jungen W.« für einen Film aufgeschrieben, aber zuerst kam sie auf die Theaterbühne in Halle. In der Uraufführung 1972 gab Reinhard Straube dem Edgar überzeugend Gesicht und Gestalt, obwohl er damals schon 25 war. Halle blieb die künstlerische Heimat des Chemnitzers, zuerst im Landestheater, dann am Neuen Theater, nicht zu vergessen das Fernsehtheater Moritzburg, das den Komödianten in Stücken von Goldoni, O’Casey oder Labiche republikweit bekannt machte. Bis vor wenigen Jahren ist Straube, der am Dienstag 80 wurde, erfolgreich mit dem Soloprogramm »Der fröhliche Hypochonder« aufgetreten und hat mehrfach bei »Tatort« und »Polizeiruf 110« mitgewirkt. Trotzdem bleibt er ein ewig junger Edgar Wibeau.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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