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12.05.2026
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Irak sucht israelische Geheimbasis
Irakische Militärangehörige wurden bei einer Aufklärungsmission beschossen. Bislang ist unklar, ob von Israel oder von den USA
Als Israel in Kooperation mit den USA seinen Angriffskrieg gegen den Iran begann, soll es eine geheime Militärbasis in der irakischen Wüste betrieben haben, behauptete das Wall Street Journal (WSJ) am Sonnabend unter Berufung auf US-Beamte und »mit der Angelegenheit vertraute Personen«. Demnach war Washington über den Betrieb und den Bau des Stützpunkts informiert.
Der Außenposten soll sich 180 Kilometer südwestlich der irakischen Pilgerstätten Nadschaf und Karbala befunden haben. Die Wüste in der Provinz Anbar ist kaum besiedelt und kommt aufgrund ihrer Weite als Standort für verdeckte Militäraktivitäten in Frage, die kein großes Aufsehen erregen sollen. Doch in der Frühphase des Krieges bemerkten örtliche Hirten ungewöhnliche Aktivitäten. Die Präsenz von Helikoptern mitten in dem sonst so stillen Gebiet fiel auf. Als das irakische Militär Anfang März entsandt wurde, um dem nachzugehen, sei es von der israelischen Luftwaffe beschossen worden, heißt es im Bericht des WSJ. Demnach sollte Iraks Armee auf Distanz gehalten werden, um die Entdeckung des Standorts um jeden Preis zu verhindern, so eine anonyme US‑Quelle. Die Angriffe kosteten einem Soldaten das Leben und verletzten zwei weitere.
Laut der US-Zeitung fungierte der militärische Außenposten im Irak als logistischer Stützpunkt für Israels Luftwaffe und beherbergte Spezialeinheiten. Um israelische Piloten zu unterstützen, die bei ihrem Angriff auf den Iran beschossen wurden, waren auch Such- und Rettungstrupps präsent. Gleiches berichtete auch die israelische Tageszeitung Maariv am Sonntag. Die Investigativplattform Faytuks Network veröffentlichte gleichentags Satellitenaufnahmen vom März, die eine provisorische Landebahn, Flugzeuge und temporäre Bauten an dem Ort zeigen sollen.
Irakische Behörden seien nicht über die Nutzung ihres Bodens für militärische Aktivitäten informiert worden, so das WSJ. Anders hatte sich bezeichnenderweise das iranische Militär verhalten, das sich 2014 mit Bagdad absprach, um den IS auf irakischem Boden zu bekämpfen. Eine Allianz, welche die heute noch aktiven Volksmobilisierungskräfte hervorbrachte. Die im März beschossenen Soldaten gehörten jedoch zur formalen Armee und waren lediglich zur Aufklärung entsandt worden.
Als Reaktion auf die Untergrabung seiner Souveränität reichte der Irak noch im März Beschwerde bei der UNO ein. Bagdad machte ausländische Streitkräfte für den Angriff verantwortlich und belastete insbesondere die USA. Obwohl Washington Kenntnis von der Militärbasis besessen haben soll, bestritt eine nicht näher definierte US-Quelle gegenüber WSJ, an dem Vorgehen gegen die irakischen Soldaten beteiligt gewesen zu sein.
Der stellvertretende Kommandeur der irakischen Streitkräfte, Kais Al-Mohammadawi, kritisierte die eigene Aufklärungsmission vom März: »Diese leichtsinnige Operation wurde ohne Absprache und Zustimmung durchgeführt.« Bereits am Tag nach dem Beschuss seien zwei Antiterroreinheiten zum Tatort entsandt worden, um die Gegend abzusuchen. Statt von einer ganzen Basis sprach Mohammadawi davon, dass »gewisse Truppen« ohne Zustimmung vor Ort gewesen seien und Unterstützung durch die Luftwaffe erhalten hätten. Dass die USA den Irak nicht als gleichwertigen Partner behandeln, sondern das gesamte Land als einen einzigen Militärstützpunkt nutzen, ist allgemein bekannt. Auch haben sie sich über eine Resolution des irakischen Parlaments von 2020 zum Abzug der US-Truppen hinweggesetzt.
Die Kontroverse hat im Irak Empörung ausgelöst, der Sicherheits- und Verteidigungsausschuss des Parlaments kündigte an, hochrangige Sicherheitskommandeure zur Befragung vorladen zu wollen. Schon am Sonnabend verneinten hingegen irakische Funktionäre die Existenz einer israelischen Basis. Irakische Einsatzkräfte hatten die Wüste durchsucht, zitierte Baghdad Today einen Sicherheitsleutnant namens Saad Maan. Auch er dementierte: »Es gibt keine Präsenz dieser unlizenzierten Kräfte oder vergleichbarer Kräfte sowie unlizenzierter militärischer Ausrüstung in den Wüsten des Irak.« Wie ein Großteil der arabischen Länder erkennt der Irak Israel aufgrund der Nakba nicht an, weshalb irakische Offiziere es bewusst vermeiden, die Selbstbezeichnung dieses Landes zu verwenden. Offizielle Stellungnahmen der USA und Israels zu der Version, die das WSJ schildert, blieben noch aus.
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