Israel zerstört Synagoge
Von Hassan Al-Askari
Es war eine Meldung, die auf den ersten Blick Unverständnis hervorrief: Im Rahmen des US-amerikanisch-israelischen Kriegs gegen Iran hat ein israelischer Luftangriff inmitten des Pessach-Fests auch die Rafinia-Synagoge getroffen. Das in der Nähe von Teherans Palästina-Platzes gelegene jüdische Gotteshaus stürzte komplett ein. Zum Zeitpunkt des Beschusses am 7. April gegen vier Uhr morgens hatte sich niemand in der Synagoge befunden, umliegende Wohngebäude wurden ebenfalls zerstört. Noch an dem Morgen selbst nahm der iranische Zivilschutz mit Baggern die Aufräumarbeiten auf. Zahlreiche iranische Juden hatten sich eingefunden, um die Schäden mit eigenen Augen zu begutachten. Am Freitag wollten führende Vertreter der Gemeinde, darunter Rabbi Junes Hamami Lalehsar, in einer Teheraner Synagoge zu Ehren der im Krieg getöteten Iraner Psalmen vortragen.
Das israelische Militär gestand das verheerende Bombardement allenfalls halb ein, wie aus einem Bericht der Times of Israel hervorgeht. Demnach bedauere die Armee die »Kollateralschäden an der Synagoge« und betone, »dass der Angriff gegen ein hochrangiges militärisches Ziel innerhalb der Streitkräfte des Regimes gerichtet war«, zitiert die rechte Onlinezeitung eine Stellungnahme. Weiter heißt es, der Angriff habe einem Kommandeur der Revolutionsgarden gegolten, der sich in dem naheliegenden Hauptquartier befunden haben soll. Ob er dabei getötet wurde, blieb unklar.
»Das zionistische Regime zeigte gegenüber dieser Gemeinde während der jüdischen Feiertage keine Gnade und hat eine unserer heiligen Synagogen angegriffen«, zitierten die iranischen IRIB News den Abgeordneten Homajun Sameh via Kurznachrichtendienst Telegram. »Leider wurde bei diesem Angriff das Gebäude vollständig zerstört, Torarollen liegen noch unter den Trümmern.« Sameh ist seit 2020 Repräsentant der jüdischen Minderheit im iranischen Parlament. Die iranische Verfassung sieht vor, dass mindestens fünf Sitze für Repräsentanten von konfessionellen Minderheiten reserviert sind: zwei für armenische Christen und jeweils einer für assyrische Christen, Juden und Zoroastrier. Es handelt sich um ein Gesetz, das schon vor der »islamischen Revolution« im Iran galt.
In derselben Nacht beschädigte ein Projektil ebenfalls die Abrischami-Synagoge in Teheran, wie die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete. Das Gebäude blieb aber intakt und weiterhin funktionsfähig. Beide Synagogen in Irans Hauptstadt waren Mitte des vergangenen Jahrhunderts erbaut worden. Vor ihrer Zerstörung bzw. Beschädigung dienten sie der jüdischen Gemeinde von Teheran als Gebetshäuser. Im Iran leben knapp 10.000 Juden – mehr als in jedem anderen Land im Nahen Osten, mit der Ausnahme Israels. Angehörige der Religionsgemeinschaft leben mehrheitlich in den Metropolen Teheran und Isfahan. Es existieren mehr als 20 Synagogen im Land. Muttersprache der jüdischen Iraner ist mehrheitlich Farsi, Hebräisch wird lediglich als Sakralsprache im Gebet und beim Verlesen der Tora genutzt. Jedoch existiert auch ein Dialekt namens Judäopersisch, welcher sich aus einem persischem Grundwortschatz und hebräischen Lehnwörtern zusammensetzt. Traditionell wurde er mit hebräischen Buchstaben geschrieben.
Die beiden Synagogen bleiben nicht die einzigen Kulturdenkmäler, welche unter US-israelischen Beschuss kamen. Das Ministerium für Kultur und Tourismus Irans verzeichnet, dass mindestens 56 historische Stätten während des Kriegs beschädigt wurden, darunter Museen, Moscheen und eine russisch-orthodoxe Kirche, aber auch Paläste und Burgen aus vorislamischer Zeit. Kulturminister Reza Salehi Amiri äußerte sich im Interview mit dem katarischen Sender Al-Dschasira Anfang des Monats erschüttert über die Zerstörungen: »Das sind bewusste und vorsätzliche Attacken auf die iranische Identität. Wir reden hier nicht einfach nur von Steinen und Mörtel, sondern von einem nationalen Vermächtnis, das repräsentiert, wer wir sind.«
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