Schauplatz Irak
Von Wiebke Diehl
Der Islamische Widerstand im Irak intensiviert seine Angriffe auf Israel und US-Stützpunkte in Jordanien, Kuwait sowie im Land selbst. Die vorwiegend schiitischen Gruppen, die in einem Bündnis gegen die Besatzung Iraks kämpfen, sind auch als Volksmobilisierungskräfte bekannt. Am Donnerstag nahmen sie einen US-amerikanischen Militärstützpunkt in der Nähe des internationalen Flughafens Bagdad und am Samstag die US-amerikanische Botschaft, die sich in der stark befestigten »Grünen Zone« befindet, ins Visier.
Die USA und Israel haben seit dem ersten Tag des Iran-Kriegs auch die Volksmobilisierungskräfte angegriffen – insbesondere auf ihren Basen in Dschurf Al-Nasr im Süden Bagdads sowie in der Nähe der südlichen Städte Nasirija und Basra. Etwa 15 Kämpfer sowie ein irakischer Soldat kamen bislang ums Leben. Schon vor Beginn des Angriffskriegs gegen Iran war bekanntgeworden, dass Tel Aviv und Washington großangelegte Attacken auf die Achse des Widerstands planten. Die Volksmobilisierungskräfte waren maßgeblich am Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) beteiligt und wurden schon vor Jahren in die Armee integriert. Diese hatte im Jahr 2014 auf traurige Weise bewiesen, dass sie dem IS nicht gewachsen ist. Damals flohen die irakischen Soldaten in Scharen und überließen den Dschihadisten das Feld. An ihrer Statt nahmen die Volksmobilisierungskräfte den Kampf auf.
Als Reaktion auf die Strategie der USA und Israel schlagen sie nun gemeinsam mit der iranischen Luftwaffe besonders in Erbil in der Autonomen Region Kurdistan zurück. Am Freitag forderte die US-Botschaft ihre Staatsbürger auf, dortige Hotels zu verlassen. Bereits am 4. und 5. März hatten die Saraya Awliya Al-Dam, eine unter dem Dach des Islamischen Widerstands im Irak agierende Gruppe, Angriffe auf Hotels in Erbil für sich beansprucht. Dort seien US-Soldaten einer Drohnenstaffel untergebracht gewesen. Ebenfalls am Mittwoch habe man Drohnenangriffe auf die US-amerikanische Präsenz am Flughafen Erbil durchgeführt. Am Freitag wurde die Produktion auf einem von der US-Firma HKN Energy betriebenen Ölfeld im Nordirak nach Angaben irakisch-kurdischer Behörden in Folge eines Angriffs eingestellt. Die Volksmobilisierungskräfte haben zudem erklärt, eine US-amerikanische MQ-9-Drohne abgeschossen zu haben und drohten auch europäischen Truppen im Irak, sollten sie sich in den Konflikt einschalten. In Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, ist die Bundeswehr an einer multinationalen Militärbasis beteiligt.
Zeitgleich griffen die iranischen Revolutionsgarden in den vergangenen Tagen kurdisch-iranische Gruppen im Nordirak an. Hauptziele sowohl Irans als auch der Volksmobilisierungskräfte sind allerdings der Luftwaffenstützpunkt Harir und das US-amerikanische Konsulat in Erbil. In der kurdischen Region konzentrieren sich die im Land verbliebenen US-Truppen. Im Januar hat Washington, das auf dem Höhepunkt etwa 170.000 Soldaten und 135.000 Söldner im Irak stationiert hatte, seine Präsenz stark reduziert und die offiziell letzten etwa 2.000 Soldaten nach Erbil verlegt. Im Februar übergab die US-Armee zudem fast alle ihre großen Stützpunkte in Syrien den radikalen HTS-Milizen des selbsternannten Übergangspräsidenten Abu Mohammed Al-Dscholani (Ahmad Al-Scharaa), während diese die Kurden des Landes bekriegten und Hunderte IS-Kämpfer freiließen. Zugleich verlegten die USA etwa 5.700 IS-Gefangene aus Syrien in den Irak, wo sie gegen die schiitischen Widerstandsgruppen sowie gegen Iran eingesetzt werden könnten.
Die iranisch- und irakisch-kurdischen Gruppen sind Berichten zufolge von Washington und Tel Aviv aufgefordert worden, als Bodentruppen im Iran zu intervenieren. Wie Al-Dschasira berichtete, hat der Generalsekretär der iranisch-kurdischen Khabat-Organisation am Sonnabend mitgeteilt, es sei »sehr wahrscheinlich«, dass man eine grenzüberschreitende Bodenoperation im Iran durchführen werde – ein Unterfangen, das die irakische Regierung wie auch die kurdisch-irakische Regionalregierung explizit abgelehnt haben. Nach Angaben von Axios vom Sonnabend sagte Amir Karimi, Kovorsitzender der iranisch-kurdischen PJAK, bewaffnete Mitglieder seiner Gruppe befänden sich bereits im Iran, warteten für einen bewaffneten Aufstand aber auf Unterstützung der USA.
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