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12.05.2026
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Vorgeschmack auf mehr AfD
Brandenburg: Erster gewählter hauptamtlicher Bürgermeister der rechten Partei in Zehdenick
Die AfD sieht sich weiter auf dem Durchmarsch. Laut der neuesten Erhebung des Umfrageunternehmens INSA liegt die Rechtsaußenpartei auf Bundesebene inzwischen fünf Prozentpunkte vor CDU/CSU. In Sachsen-Anhalt, wo im September Landtagswahlen anstehen, kommt die AfD auf ganze 41 Prozent, so Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap von Anfang des Monats. Am Sonntag hat nun der AfD-Kandidat René Stadtkewitz mit 58,4 Prozent der Stimmen die Bürgermeisterwahl im brandenburgischen Zehdenick gewonnen. Damit ist er der erste direkt gewählte hauptamtliche Bürgermeister der Partei in Brandenburg. Das sei ein »Vorgeschmack auf das, was in Brandenburg noch kommen wird«, frohlockte Landeschef René Springer in einer Mitteilung am Abend.
Als »Hoffnungsträger der neuen Rechten« wurde Stadtkewitz in einem Artikel der Berliner Zeitung schon im November 2010 bezeichnet. 1965 in Ostberlin geboren, will er später den »Grenzdienst« in der DDR verweigert haben und sei deswegen vom Ministerium für Staatssicherheit drangsaliert worden, heißt es da hinleitend zur Conclusio des heute 61jährigen: »Mit 21 war ich fertig mit der DDR.« Da war dann der Weg nicht mehr weit zur Berliner CDU. Über die Liste des Kreisverbands in Pankow saß er ab 2001 rund zehn Jahre lang im Abgeordnetenhaus der Hauptstadt. Nach einem Zerwürfnis mit den Christdemokraten gründete er 2010 die kurzlebige rechte Partei Die Freiheit. 2024 legte sich Stadtkewitz das AfD-Parteibuch zu.
Die Konkurrenz bei der Wahl in Zehdenick war überschaubar. Stadtkewitz behauptete sich deutlich gegen seinen Gegenspieler von der FDP, Stephan von Hundelshausen, der dem vorläufigen Endergebnis zufolge auf nur 28,6 Prozent der Stimmen kam. Der Parteilose Wolf-Gernot Richardt erreichte 7,8 Prozent, Dennis Latzke von der Partei des Fortschritts 5,2 Prozent. Keine weiteren Kandidatinnen oder Kandidaten waren angetreten. Nur 52,8 Prozent der 11.254 Wahlberechtigten der kleinen Stadt nördlich von Berlin im Kreis Oberhavel beteiligten sich an der Wahl.
Stadtkewitz erreichte seine 3.411 Stimmen auch vor dem Hintergrund der kurzen Amtszeit seines Vorgängers. Der parteilose Alexander Kretzschmar war bei der Wahl im März 2025 noch auf 63 Prozent, Stadtkewitz nur auf 37 Prozent gekommen. Allerdings meldete sich der Wahlsieger elf Tage nach Amtsantritt krank, kehrte nicht zurück und gab die Amtsgeschäfte an seinen Stellvertreter Marco Kalmutzke ab. Er wurde abgewählt.
Stadtkewitz ist der erste Politiker in Brandenburg, der als AfD-Kandidat zum Bürgermeister gewählt wird. Einen anderen hauptamtlichen AfD-Bürgermeister gab es schon in der Stadt Jüterbog. Dort war der seit 2011 amtierende Bürgermeister Arne Raue allerdings erst 2024 in die AfD eingetreten. 2025 wurde Raue dann in den Bundestag gewählt.
Das Ergebnis vom Wochenende versteht Springer laut Mitteilung trotzdem als »unmissverständliches Signal« der Bürger von Zehdenick. »Die AfD ist längst keine Protesterscheinung mehr, sondern eine politische Kraft mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung«, beteuerte der Landesvorsitzende und prophezeite »immer mehr Bürgermeister und Landräte von der AfD« in Brandenburg.
Im Brandenburger Landkreis Barnim und in der dortigen Gemeinde Panketal konnte sich die Partei unterdessen nicht durchsetzen. Bei der Landratsstichwahl behauptete sich der Amtsinhaber Daniel Kurth (SPD) am Sonntag mit 66,1 Prozent gegen den Kontrahenten von der AfD, Matthäus Mikolaszek, der 33,9 Prozent der Stimmen erhielt – bei weniger als 50 Prozent Wahlbeteiligung. In der Gemeinde Panketal unterlag der AfD-Kandidat Steffen John gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD), der die Stichwahl mit 70,6 Prozent für sich entschied.
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