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Büttner in Bredouille
Anschlag auf Antisemitismusbeauftragten wohl von Freunden verübt. Nacht im »Romantikhotel«
Die Spur der heißen Luft nach einem vermeintlichen Brandanschlag auf den Gartenschuppen des Brandenburger Antisemitismusbeauftragten sollte zunächst auf die Palästinabewegung deuten, führte dann aber ins engste Umfeld von Büttner selbst. Wie der Tagesspiegel Ende April herausfand, ermittelt die Polizei gegen zwei junge Männer, Daniel R. und Lucas S., Freunde und Geschäftspartner Büttners. Neue Enthüllungen des Blatts folgten am Donnerstag abend: Der 52jährige Büttner soll kurz vor dem angeblichen Anschlag eine Nacht im »Romantikhotel« mit den beiden 25jährigen verbracht haben.
Ein Rückblick auf die mutmaßliche Inszenierung: In der Nacht zum 4. Januar brannte der Schuppen auf Büttners Grundstück bei Templin in der Uckermark. Auf der Haustür: ein rotes »Hamas-Dreieck«. Zuvor war bei seinem Büro ein Brief mit Morddrohungen eingegangen – wie sich nun herausstellte, wohl verschickt von Lucas S. Presse und Politik vermuteten damals hingegen eine Attacke von »Israel-Feinden«. Büttner via X gleichentags: »Dieser Angriff stellt eine massive Eskalation dar.« Er richte sich gegen ihn persönlich, sei »Ausdruck von Hass und Einschüchterung« und so weiter.
Nur erscheinen die Geschehnisse inzwischen in anderem Licht. Die Chronologie war demnach folgende: Mitte Dezember 2025 fand sich Büttner mit den beiden Mittzwanzigern in einem »Romantikhotel« im Südharz ein, wie er dem Tagesspiegel bestätigte. Ein gemeinsames Zimmer, aber »mit zwei getrennten Schlafräumen«, versteht sich. Eine Liebesbeziehung? Büttner werde gegen jeden vorgehen, der das behaupte. Anlass sei eine Gesellschafterversammlung gewesen, obwohl die im Handelsregister als »Unternehmensberatung« gelistete Firma – 51 Prozent der Anteile gehören Büttner, je 24,5 Prozent den beiden anderen – inzwischen eine »tote Hülle« sei, so Büttner.
Den Ermittlungen zufolge wurden in den folgenden Wochen die Utensilien für den Brandanschlag gekauft und der Drohbrief geschrieben. Zweieinhalb Wochen später brannte es. Weitere vier Wochen darauf, am 8. Februar, traf man sich zu einem gemeinsamen Opernbesuch in Leipzig, wieder inklusive Hotelnacht. Übernachtungen haben wohl Tradition in dieser Runde: Der Tagesspiegel berichtet, dass R. und S. während der Coronajahre auch mal bei dem Politiker in Templin gezeltet hätten. Kennengelernt habe dieser die beiden 2019 als 18jährige, als er für die Linkspartei Staatssekretär im brandenburgischen Sozialministerium war.
Nicht nur das verbindet die Drei. Eine Gedenk- und Bildungsinitiative der beiden jungen Männer namens »PEBS«, die sich laut Website unter anderem den »wachsenden antisemitischen Tendenzen in unserer Gesellschaft« verschreibt, verweist auf ihren »Schirmherrn«, Andreas Büttner. In diese Position sei er ohne sein Wissen gekommen, behauptete der Antisemitismusbeauftragte. Trotz ihrer regelmäßigen Treffen hätten die beiden im Impressum vermerkten 25jährigen seine Bitte um Entfernung von der Homepage ignoriert.
Geraune gibt es auch rund um eine etwaige Nachfolge des derzeitigen Antisemitismusbeauftragten auf Bundesebene, Felix Klein, der zum Sommer 2026 sein Amt aufgibt. Bei einem Treffen Anfang März soll Lucas S. mit Blick auf den Posten »Wäre geil für dich« zu Büttner gesagt haben. »Mach mal was, dann kannst du mich ins Gespräch bringen«, habe der Landesbeauftragte selbst in einer gemeinsamen Whats-App-Gruppe geschrieben, wie der Tagesspiegel ohne genaue Zeitangabe darlegt. Das sei ein Scherz gewesen, erklärte Büttner der Zeitung. All das sei ohnehin »kein Anlass für einen Rücktritt«, befand er.
Eine Täuschung betreibt Büttner seit Jahren. 2015 versuchte er, sich mittels eines Eintritts in die Linkspartei als links darzustellen. Der Etikettenschwindel des einstigen Polizisten sowie früheren FDP- und CDU-Mitglieds dauerte über zehn Jahre an. Unter Bedauern des Parteivorsitzenden Jan van Aken verließ Büttner im März 2026 die Partei, der er Antisemitismus vorwirft. Im Januar hatten van Aken und Koparteichefin Ines Schwerdtner in der Parteizeitung Links bewegt noch ihre Unterstützung Büttners angesichts des vermeintlichen Anschlags kundgetan. Auf Anfrage von junge Welt wollte sich die Partei am Freitag nicht zu den neuen Erkenntnissen über das Exparteimitglied äußern.
Eine zu seinem Profil passende Position belegt Büttner inzwischen im »Expertenrat« des »Zera Institute«. Der Ende 2024 registrierte Verein ist einer der Hauptprofiteure der CDU-Fördergeldaffäre in Berlin. Am Ende findet eben alles seinen Platz.
Anmerkung der Redaktion:
Das LG Hamburg hat uns auf Andreas Büttners Veranlassung per einstweiliger Verfügung untersagt, in Bezug auf Büttner »den Verdacht zu verbreiten und/oder verbreiten zu lassen, der Antragsteller habe von dem Brandanschlag auf seinem Grundstück in der Nacht zum 4. Januar 2026 einschließlich der Anbringung eines roten «Hamas-Dreiecks» an der Haustür vorab Kenntnis gehabt, und die Täter durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln bei der Tatausführung unterstützt.« Das LG verlangt, Büttners Sicht der Dinge darzustellen: Büttner sagt, dass Anlass für die Reise zu dem Romantik-Hotel im Harz eine Gesellschafterversammlung einer 2023 gegründeten gemeinsamen Firma war, die als Zweck im Handelsregister »Unternehmensberatung« angibt. Für die Gesellschafterversammlung dieser Firma, die Büttner als »tote Hülle« ohne Geschäfte beschrieb, sei er angereist. Daniel R. habe den Aufenthalt für eine Nacht gebucht und die Rechnung bezahlt. Die Drei hätten ein Zimmer genutzt, »mit zwei getrennten Schlafräumen«. Büttner habe zwei Wochen nach dem Harz-Trip Mitte Dezember 2025 Daniel R. sogar Geld geborgt. Kurz vor Jahreswechsel und wenige Tage vor dem Anschlag habe er eine Blitzüberweisung über 3.000 Euro an Daniel R. veranlasst. Daniel R. habe um 20.000 Euro gebeten und dies mit Liquiditätsproblemen seiner Firma begründet, einem Betreuungsdienst. Später habe er bemerkt, so Büttner, dass er das Geld nicht an ein Firmenkonto überwiesen habe, sondern Daniel R. privat. Trotz Nachfrage habe er es bisher nicht zurückerhalten. Büttner frage sich jeden Tag, was die beiden zu dem Anschlag getrieben haben könnte. Eine Liebesbeziehung mit Büttner, der einst – damals noch als Mitglied der FDP – einen queeren Verein in der Uckermark führte, bestehe nicht. Büttner werde gegen jeden vorgehen, der so etwas behaupte. Büttner schließe jedwede Verwicklung in den Anschlag und jede Kenntnis davon kategorisch aus: »Wir waren gut bekannt. Man kann auch Freunde sagen – je nachdem, wie man solche Dinge definiert. Gute Bekannte passt aber besser«, hat er im Tagesspiegel-Interview (29. April 2026) gesagt. Und weiter: »Es gab kein Vertrauensverhältnis im Sinne von: Ich erzähle dir alles oder wir müssen dauernd telefonieren. Man hat sich getroffen, es hat gepasst.« Erhofften sich die jungen Männer Fördergeld für ihre Projekte? Büttner schließt das selbst nicht mehr aus. Die beiden hatten ein Interesse, sagt er, ihm Aufmerksamkeit zu verschaffen, »Ruhm und Ehre« – und auf diesem Weg einen leichteren Zugang zu Fördermitteln.
Die Redaktion.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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