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Eishockey

Schlag auf Schlag

Stanley-Cup-Playoffs: Avalanche und Hurricanes unbesiegt im Viertelfinale. McDavid und seine Oilers hängen am seidenen Faden

Foto: Kiyoshi Mio/Imagn Images/REUTERS
So sieht ein ungefährlich gemachter McDavid zu Gast in Anaheim aus (24.4.2026)

Eine Umfrage unter fünf bis zehn Hobbyeishockeyspielern und Profieishockeyfans im Alter von 40 bis 60 Jahren hat ergeben, dass die NHL-Teams in den Stanley-Cup-Playoffs noch mal eine Schippe drauflegen. Es ist »eine ganz neue Saison«, wie auch ein vom Autor zu Rate gezogener NHL-Youtube-Experte zum besten gab. Nach empirischer Überprüfung der Thesen ist allerdings festzustellen, dass sich die stärksten Teams der Regular Season – die Colorado Avalanche und die Carolina Hurricanes – erwartbar gegen deutlich unterlegene Gegner durchgesetzt haben und als bisher einzige im Viertelfinale stehen.

Entsprechend ging es Schlag auf Schlag in der Achtelfinalrunde. Den ersten Schlag setzte einer der wohl unbeliebtesten Spieler der Liga, der Kapitän der Ottawa Senators, Brady Tkachuk, unmittelbar nach dem ersten Bully des ersten Spiels gegen die Hurri­canes. Er ließ die Handschuhe gegen deren Kapitän Jordan Staal fallen, der allerdings den finalen Schlag des Gefechts verbuchte und Tkachuk zu Boden brachte. Welcome to the Playoffs! Vier Spiele später hieß es dann, es war ihnen eine Ehre, aber dieser Abschied ist leicht: Die Senators durften sich am Sonnabend nach der vierten Niederlage in Folge nach Cancún in die Offseason begeben. Erster Schlag, erster raus.

Ein gleichermaßen vorhersehbares wie jähes Ende bereitete die Avalanche ihren Kontrahenten der Los Angeles Kings am Sonntag, ebenfalls 4:0 in der Serie. Ein unerwünschtes Ergebnis im allerletzten Spiel von Kings-Kapitän Anže Kopitar, der nach 20 Jahren in der Profiliga seine Handschuhe an den Nagel hängt – kein leichter Abschied. Als »bittersüß« bezeichnete der 38jährige Slowene sein Karriereende, der mit seinem Team 2012 und 2014 den Stanley Cup holte und als Topscorer in die Geschichte des Vereins (1.316 Punkte, 452 Tore und 864 Vorlagen in 1.521 Spielen) eingehen wird.

Ein weiteres Schlaglicht des Turniers ist auf Connor McDavid gerichtet, denn die Uhr tickt für den wohl besten Eishockeyspieler der Welt. Fast schon Routine war es für ihn, sich auch dieses Jahr die sechste Art Ross Trophy für die meisten Punkte in der Regular Season zu sichern (138). Ebenfalls routinemäßig haben es seine Edmonton Oilers in den vergangenen zwei Jahren ins Stanley-Cup-Finale geschafft, nur um zweimal gegen die Florida Panthers zu verlieren. McJesus fehlt der Cup. 2025 hat der inzwischen 29jährige nur einen Zweijahresvertrag mit dem Verein unterschrieben. Und der läuft nach der Saison 2027/28 aus. Das könnte die Deadline für einen Oilers-McDavid-Finalsieg sein.

Ein Schlag ins Gesicht der Fans ist allerdings das, was die Oilers bisher aufs Eis gebracht haben. McDavid startete die ersten beiden Spiele gegen die Anaheim Ducks mit null Punkten, und ohne ihn ist das Team eigentlich nutzlos. Das belegen jedenfalls die Zahlen: Laut Sportsnet hat die Mannschaft in dieser Saison jedes Spiel verloren, in dem ihr Kapitän keinen Punkt gemacht hat. Zum Glück war das nur 14mal der Fall. Den Fluch konnten die Oilers mit einem 4:3-Sieg in Spiel eins der Playoffs zwar brechen, die nächsten drei Spiele verloren sie trotzdem allesamt – auch mit McDavid-Punkten ab Match drei. Lebenszeichen kamen von dem aus Deutschland stammenden Topstürmer Leon Draisaitl, der verletzungsbedingt erst zum ersten Spiel gegen die Ducks aufs Eis zurückgekehrt war und sich prompt auf Platz zwei der Playoffs-Scorerliste geschossen und gepasst hat. Der ebenfalls deutsche Nachwuchsstürmer Jo­shua Samanski erzielte seinen ersten NHL-Treffer. Mit fünfzehn Toren in vier Spielen hat das Team Stand Dienstag die zweitmeisten Scheiben der Achtelfinals ins Netz bugsiert.

Hilft wenig, wenn man frei nach dem Motto »Verteidigung ist optional« spielt und die gegnerischen Ducks zeitgleich 20 Kisten machen (Platz eins). Im Resultat liegen die Oilers 1:3 hinten in der Serie. Der von Ducks-Verteidiger John Carlson im vierten Aufeinandertreffen am Sonntag mit 165,31 Kilometern pro Stunde abgefeuerte, bisher härteste Schlagschuss der Playoffs führte zwar zu keinem Gegentor, dafür aber die womöglich kontroverseste Schiedsrichterentscheidung der Achtelfinals. Ein Schuss von Ryan Poehling trudelte in der Overtime unter Edmonton-Goalie Tristan Jarry hindurch, kein Schiri ist in Sichtweite. Ist der Puck über der Torlinie? Der Videobeweis soll den Sachverhalt aufklären. Doch auch da ist kein freier Blickwinkel zu ergattern. Letztendlich schufen die Unparteiischen folgenden Fakt: Das Ding ist drin. Nach Ansicht des schreibenden Hobbyeishockeyspielers und Profieishockeyfans eine Fehlentscheidung, die McDavid und seinen Oilers das Turnier kosten könnte. Im nächsten Spiel in der Nacht zum Mittwoch MESZ könnten die Ducks ihnen den letzten Schlag versetzen.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.04.2026, Seite 16, Sport

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