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08.05.2026
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Eiskalt reingegrätscht
Konflikt zwischen Washington und Riad
Es knirscht gewaltig zwischen Saudi-Arabien und den USA. Das legt jedenfalls ein Bericht des US-Senders NBC nahe. Demnach hat US-Präsident Donald Trump den Versuch, die Straße von Hormus mit militärischen Mitteln wieder zu öffnen, schon nach 36 Stunden nicht nur deshalb aufgegeben, weil ein Containerschiff der französischen Reederei CMA CGM in der Meerenge trotz aufwendiger Begleitung durch US-Kriegsschiffe und -Kampfjets von einer iranischen Rakete getroffen wurde; dies hat die Bereitschaft in der Schifffahrtsbranche kaum gesteigert, weitere Container- oder sogar Öltransporter für Trumps Experiment zur Verfügung zu stellen. Den Ausschlag für das Ende von »Project Freedom« gegeben hat jedoch, so stellt NBC es dar, etwas anderes: Saudi-Arabien hat seinen Luftraum allgemein und seine Prince Sultan Air Base südöstlich von Riad im Besonderen für die Operation geschlossen.
Dabei ging es um zweierlei: Zum einen hat Donald the Great es offenkundig einmal mehr nicht für erforderlich gehalten, die Al Saud, über die er sich zuletzt auf halbinternen Treffen abfällig geäußert hat, rechtzeitig in Kenntnis zu setzen, dass seine Kampfjets im Rahmen von »Project Freedom« durch ihren Luftraum rockern würden. Kronprinz Mohammed bin Salman, der wirkliche Machthaber in Riad, war wohl stinksauer. Dies um so mehr, als Saudi-Arabien zum anderen aktiv an den Bemühungen Pakistans beteiligt ist, den Iran-Krieg dauerhaft zu beenden. Dass Trump, selbstherrlich wie eh und je, mit seinen Operationen im Rahmen von »Project Freedom« einfach mal so den Waffenstillstand brach, das hat die saudischen Herrscher zu der Überzeugung gebracht: Es reicht. Und in der Tat: Ohne eine Nutzung des saudischen Luftraums ist die Öffnung der Straße von Hormus kaum zu leisten.
Wirklich neu ist bei alledem weder die US-Arroganz noch der Unmut in Riad über sie. Neu ist, dass die Al Saud der Trump-Administration eiskalt in eine für die USA ziemlich wichtige Militäroperation grätschen. Das zeigt: Die saudische Bereitschaft, die US-Dominanz in Mittelost umstandslos zu akzeptieren, sinkt. Es zeigt außerdem: Saudi-Arabien tendiert dazu, nicht den Weg der Vereinigten Arabischen Emirate zu gehen, die andeuten, in Zukunft noch enger als bisher mit den USA und Israel zu kooperieren. Das riecht nach Konflikt in einer Region, in der die alte US-Vorherrschaft schwindet.
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