-
07.05.20267 Leserbriefe
- → Ansichten
Ölblockade weggeredet
US-Außenminister zu Kubas Energiekrise
US-Außenminister Marco Rubio verhält sich wie jemand, der erwartet, wenn er nur oft genug behauptet, der Mond sei aus Käse, würde man es ihm irgendwann glauben. »Es gibt keine Ölblockade gegen Kuba an sich«, verkündete er am Dienstag. Nur vier Tage zuvor hatte er die Ausweitung von Zwangsmaßnahmen gegen Kubas Energiesektor mit dem Vorwurf begründet, Havanna dulde »Aktivitäten gegnerischer Geheimdienste« auf der Insel. Die zusätzlichen sekundären Sanktionen verschärfen eine am 29. Januar von Donald Trump unterzeichnete Exekutivverordnung, die es allen Ländern untersagt, Brennstoffe nach Kuba zu liefern. Seit dem 1. Mai wird auch jeder in diesem Bereich tätigen Person und jedem Unternehmen, das mit staatlichen Stellen in Havanna kooperiert, eine vollständige Sperrung aller Vermögenswerte in den USA angedroht.
Dennoch erklärte Rubio: »Die einzige Blockade, die es gibt, ist, dass Venezuela den Ölfluss nach Kuba unterbrochen hat.« Den USA damit zugleich das Eigentum an venezolanischem Rohöl zuschreibend, fügte er hinzu: »Ich meine, die Venezolaner haben beschlossen, dass wir Kuba kein kostenloses Öl mehr geben.« Die Verantwortung für die Energiekrise läge einzig und allein in Havanna. »Ihr Wirtschaftsmodell funktioniert nicht, und der Grund, warum sie es nicht in den Griff bekommen, ist nicht nur, dass sie Kommunisten sind – was schon schlimm genug ist –, sondern dass sie inkompetente Kommunisten sind.«
Sein Chef hatte erst am Freitag angedroht, den Flugzeugträger USS »Abraham Lincoln« 100 Yards vor Kubas Küste zu positionieren. Abgeordnete der US-Demokraten fürchten, dass der Präsident die Besetzung der Insel als zentralen Bestandteil seines Vermächtnisses anstrebt. Er könne nicht einschätzen, ob Trump »in seinem Kopf glaubt, die Wiedergeburt von Dschingis Khan, Napoleon und Alexander dem Großen zu sein«, warnte Senator Sheldon Whitehouse.
Rubio ließ sich derweil schon mal im Hauptquartier des US-Südkommandos mit dessen Kommandeur vor einer Karte Kubas fotografieren und das Bild verbreiten. Er fand, »es wäre eine gute Idee, ein Foto vor dieser Karte zu machen, da es der nächstgelegene Ort innerhalb der Zuständigkeit des Südkommandos ist«, witzelte er und drohte zugleich: »Wir haben 90 Meilen vor unserer Küste einen gescheiterten Staat, der ein freundliches Territorium für unsere Gegner ist. Das ist ein inakzeptabler Status quo, und wir werden uns damit befassen.«
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,3
-
Onlineabonnent*in Gabriel T. aus B. 7. Mai 2026 um 12:43 UhrWir haben 90 Meilen vor unserer Küste einen gescheiterten Staat, der ein freundliches Territorium für unsere Gegner ist. Das ist ein inakzeptabler Status quo, und wir werden uns damit befassen. Ich bin schon erstaunt, der Mann sagt doch ganz klar worum es dem US‑Kapital wirklich geht. Warum merkt ihr nichts? Ist eure pazifistische Weltsicht so manifest, dass sie alle Rationalität überdeckt? Auf dem Höhepunkt, noch unter Biden hat die RF‑Marine einen Freundschaftsbesuch auf der Insel veranstaltet, was dann auch sogleich dazu führte, dass die US‑Regierung die Eskalationsspirale unterbrach. Der dritte Weltkrieg, für den ja auch hier ununterbrochene Propaganda stattfindet, ist für die USA erst führbar, wenn die Risiken im Golf von Mexico beseitigt sind. Die Cubaner wiederum machen den Fehler, nicht mit dem iranischen Modell zu drohen, was Fidel schon lange getan hätte. Wenn man dem Gegner die Initiative überlässt, ist dies der erste Schritt zur Niederlage.
- Antworten
-
Rayan aus Unterschleißheim 7. Mai 2026 um 11:27 Uhr»… wenn er nur oft genug behauptet, der Mond sei aus Käse, würde man es ihm irgendwann glauben …« Leider erwartet er das – ziemlich exakt in der Tradition des berühmt-berüchtigten deutschen Vorzeige-Faschisten und Reichspropagandaministers Joseph Goebbels – völlig zu Recht: Durch ständige Wiederholung, selbst des größten Blödsinns, der unsinnigsten Lügen, wird der Stuss von vielen Leuten irgendwann geglaubt. Ist genau das Hauptinstrument funktionierender Hirnwäsche-Methodik. Also eigentlich kein Wunder, dass es von faschistoiden Psychos so gern eingesetzt wird. Analog zu seiner Aussage können wir es evtl. so zusammen fassen: »Der Grund für den Einsatz verblödender Rhetorik ist nicht nur, dass Rubio ein Faschist ist – was schon schlimm genug wäre, sondern dass er auch noch ein kompetenter Faschist ist.«
-
Istvan Hidy aus Stuttgart 7. Mai 2026 um 09:19 UhrZunächst einmal ist es bedauerlich zu sehen, dass Persönlichkeiten wie Marco Rubio oder auch Annalena Baerbock in solch einflussreiche Positionen gelangen. Gerade im Fall von Rubio wirkt es widersprüchlich, dass jemand mit kubanischen Wurzeln eine derart harte und teilweise von Ablehnung geprägte Haltung gegenüber andersdenkenden Kubanern einnimmt. Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Reicht es wirklich aus, sich nur auf materielles Wissen und fachliche Ausbildung zu konzentrieren? Eine umfassende Bildung sollte immer auch die persönliche Entwicklung, Empathie und menschliche Reife einschließen. Denn selbst das größte Fachwissen verliert an Wert, wenn es nicht von einem reflektierten und verantwortungsbewussten Charakter begleitet wird. Wie schon in der chinesischen Philosophie betont wird, reicht reines Wissen nicht aus. Erst durch Reflexion und Charakterbildung erhält Bildung ihren eigentlichen Wert.
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 7. Mai 2026 um 11:59 UhrLieber Istvan Hidy, woher nehmen Sie die Gewissheit, dass man im bürgerlichen Politikbetrieb empathisch und menschlich reif sein müsste? Die Durchsetzung der Interessen der Eigentümer der Produktionsmittel fordert knallharte Typen, hemdsärmeliges Handeln und die Fähigkeit, das Vorhandensein einer Wirbelsäule vorzutäuschen, auch wenn man sich noch so verbiegen muss. Da ist Charakter wenig hilfreich und Herzensbildung überflüssig. Brauchen Sie Beispiele: Ein Blick weniger ins Buch und hundert mehr ins Leben helfen ganz bestimmt.
-
Istvan Hidy aus Stuttgart 8. Mai 2026 um 11:23 UhrLieber Joachim S., ich verstehe Ihren skeptischen Blick auf den politischen Alltag durchaus. Machtpolitik, wirtschaftliche Interessen und taktisches Handeln spielen ohne Zweifel eine große Rolle. Dennoch wäre es aus meiner Sicht zu pessimistisch, daraus zu schließen, dass Charakter, Empathie und menschliche Reife in der Politik grundsätzlich bedeutungslos seien. Die Geschichte zeigt durchaus, dass es auch Politiker mit Haltung, Verantwortungsbewusstsein und menschlicher Größe gegeben hat – etwa John F. Kennedy, Willy Brandt oder Václav Havel. Sicher waren auch sie nicht fehlerfrei, doch sie verbanden politisches Handeln mit einem gewissen moralischen Anspruch und persönlicher Integrität. Deshalb halte ich Persönlichkeiten wie Marco Rubio, Annalena Baerbock oder auch Kaja Kallas eher für Beispiele einer bestimmten politischen Entwicklung – aber nicht für den alleinigen Maßstab dessen, was Politik sein muss oder sein sollte. Gerade weil Politik großen Einfluss auf das Leben vieler Menschen hat, sollte man den Anspruch an Bildung nicht nur auf Fachwissen und Karriere reduzieren. Charakterbildung, Selbstreflexion und Empathie bleiben aus meiner Sicht unverzichtbar – auch wenn die politische Realität diesem Ideal oft nicht gerecht wird. Freundliche Grüße Istvan Hidy
-
Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 8. Mai 2026 um 15:22 UhrJohn F. Kennedy, Willy Brandt oder Václav Havel »Politiker mit Haltung, Verantwortungsbewusstsein und menschlicher Größe«? Da sieht man, dass solche Einschätzungen mit der persönlichen politischen Ausrichtung des Betrachters zusammenhängen. Alle diese drei Politiker mit »Verantwortungsbewusstsein und menschlicher Größe« haben sich als Antikommunisten einen Namen gemacht. Kennedy war unter anderem verantwortlich für die Vorbereitung und Eskalation des Vietnamkriegs. Václav Havels Name ist untrennbar mit der Konterrevolution verbunden, vom »Prager Frühling« bis zur im Westen so bezeichneten und umjubelten »Samtenen Revolution« Für diese Verdienste wurde er mit Auszeichnungen förmlich zugeschüttet: »Friedenspreis des Deutschen Buchhandels«; Preis »Das politische Buch« von der Friedrich-Ebert-Stiftung; »Internationaler Karlspreis zu Aachen«. Gefühlt hundert weitere Preise hat Wikipedia aufgelistet. Was bleibt von Willy Brandt?: Radikalenerlass, Berufsverbot und die große Legende vom Friedenskanzler. Diese Legende wird von Albrecht Müller, dem Planungschef im Bundeskanzleramt unter dem Bundeskanzler Brandt, ziemlich erfolgreich weiter gepflegt. Dabei war es allein Stärke und Macht der Sowjetunion, dass Bahr und Brandt auf »Entspannung« und »Wandel durch Annäherung« machen mussten, was nichts anderes heißt als die Burg von innen sturmreif machen. Zitate von Brandt: Auf eine entsprechende Frage antwortet Google: »Willy Brandt erklärte 1949, man könne heute nicht Demokrat sein, ohne Antikommunist zu sein.«; »Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört.« (Am Tag nach dem »Fall der Berliner Mauer«)
-
-
-
-
Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 7. Mai 2026 um 05:42 UhrJa, ja der US-Außenminister Rubio als Kind von Exilkubanern … In einem gebe ich ihm sogar recht – die Kommunisten sind unfähig – unfähig die Menschenrechte nach US-Art mit Bomben und Raketen »durchzusetzen«, dafür schickt Kuba Ärzte in alle Welt. Wer sorgt sich um die Menschenrechte, um Humanität? Natürlich wollen die ehemaligen, 1959 vertriebenen, Großgrundbesitzer ihr Spielcasino und ihr Bordell aus der Zeit des Batista-Regimes zurückhaben, wollen solche Firmen wie Bacardi ihre Zuckerrohrfelder und deren Bauern wieder ausbeuten. Sie wollen das kubanische Volk in die Vergangenheit zurückbomben, in eine Zeit, in der nahezu die Hälfte der Kubaner weder Lesen noch Schreiben konnte, keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung hatte. Und dafür steht neben Trump eben auch Marco Rubio. Aber mehr als 6 Millionen Kubaner haben den Aufruf »Meine Unterschrift für das Heimatland« unterschrieben, wehren sich also bisher friedlich gegen die »Ansprüche« der US-Amerikaner. Dafür verlegt die USA eine Trägerkampfgruppe vor die Küste Kubas – ein Schiffsverband, der ungefähr so viele Soldaten an Bord seiner Schiffe hat, wie die gesamte reguläre Armee Kubas unter Waffen hat. David gegen Goliath … Der Ruf des kubanischen Volkes »Patria o Muerte – Venceremos« wird das Kriegsgeschrei der USA übertönen. Trump und Konsorten werden die nächste Niederlage einstecken. Und wir europäischen Internationalisten dürfen nicht in unserer Solidarität nachlassen!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!