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Nach Art von Kolonialherren

Neue US-Drohungen gegen Kuba

Foto: REUTERS/Claudia Daut
Klares Zeichen: Hunderttausende versammelten sich am 1. Mai allein in Havanna, um gegen den US-Imperialismus zu demonstrieren

Auf den wachsenden Realitätsverlust von Donald Trump ist Verlass. Während in Havanna eine halbe Million Menschen gegen die Blockade und Drohungen der Trump-Regierung protestierte, schwadronierte der US-Machthaber vor einer handverlesenen elitären Clique wohlhabender Gäste beim »Forum Club of the Palm Beaches« abermals über eine militärische Einnahme der Insel. »Auf dem Rückweg aus Iran könnten wir die ›USS Abraham Lincoln‹ – den größten Flugzeugträger der Welt – dorthin schicken und fast sofort die Kontrolle über Kuba übernehmen. Er wird 100 Meter vor der Küste Position beziehen, und die Leute werden sagen: ›Vielen Dank. Wir geben auf‹«, erklärte Trump am 1. Mai in Florida. Westliche Medien, denen Trumps wirre Reden mittlerweile offenbar peinlich sind, taten die vom Jubel rechter Contras begleitete Aussage als »Scherz« ab.

Kein Scherz ist jedoch die am selben Tag angeordnete Verschärfung von Zwangsmaßnahmen, mit denen Trumps Regime das widerspenstige Kuba zur Kapitulation zwingen will. Parallel zur Rede des US-Präsidenten nahm Washington tragende Säulen der kubanischen Wirtschaft wie Energie, Verteidigung, Bergbau und Finanzen ins Visier. Jeder in diesen Bereichen tätigen Person und jedem Unternehmen, das mit Havanna kooperiert, wird die vollständige Sperrung von Vermögenswerten in den USA angedroht. Außenminister Marco Rubio begründete das Paket mit dem unbelegten Vorwurf, Kuba unterstütze Aktivitäten gegnerischer Geheimdienste auf US-Territorium.

Doch Rubio und Trump gehe es nicht um die Sicherheit der USA, sondern um die Interessen einer kleinen wohlhabenden Gruppe, die von einer Rache- und Kolonialherrenmentalität getrieben sei, so Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel. Er appellierte an die Weltgemeinschaft, sich dieser »beispiellosen« Androhung einer militärischen Aggression entgegenzustellen.

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro reagierte umgehend. Jede militärische Aggression gegen Kuba wäre eine gegen ganz Lateinamerika. »Die Kubaner sind die einzigen Eigentümer ihres Landes«, erklärte er. Während auch in mehreren europäischen Ländern am 1. Mai Demonstrationen gegen die Blockade stattfanden, schweigen die Regierungen wie gewohnt. Das offenbart – wie beim Völkermord in Gaza und zu Trumps Angriffskrieg gegen den Iran – auch gegenüber Kuba, was EU-Regierungen unter westlichen Werten verstehen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2026, Seite 1, Ansichten

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