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06.05.2026
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Matriphage des Tages: DHL
Was haben Kronos und die Revolution gemein? Sie fressen ihre Kinder. Wie auch Thyestes, wie Walder Frey, die aber unfreiwillig. Kinder hingegen fressen ihren Eltern zwar die Haare vom Kopf, doch als Matriphagen treten sie eher selten in Erscheinung. Man zehrt nicht vom Fleisch, das einem das Fleisch ins Haus schafft. Außer in der Natur, wo es ein paar Insekten und Spinnen so halten. Keine Ehre im Leib, diese Kerfen. Und in der Wirtschaft, die ja ohnehin eher der Natur ähnelt als der Zivilisation. Wenngleich die Beziehung im jüngsten Fall nicht leiblicher Natur ist. Vor 25 Jahren hatte die Deutsche Post den Paketdienst DHL adoptiert. Nun wird sie von der Adoptivtochter geschluckt. Der Name verschwindet im Nichts – wie all die nie angekommenen Pakete.
Das Post-Postzeitalter ist angebrochen, das Abendmahl nur letztes Kapitel eines Jahrzehnte währenden Niedergangs. Im Zeitalter der Kutschen hatte es Wochen gedauert, bis eine Sendung eintraf, für die heute ein Tag benötigt würde, wenn der Betrieb denn funktioniert. Wenn. In den Neunzigern wurde die Post schrittweise privatisiert, in den Zweitausendern verschwanden die Filialen, ersetzt mittlerweile von schlecht geschulten Späti-betreibern, die wenigstens ebenso unfreundlich sind wie die Postangestellten früher. Jene Zeit, da man wusste, was passiert, wenn der Postmann zweimal klingelt, wird passé sein. Der DHL-Mann klingelt nicht mal einmal, er gibt alle Pakete beim Nachbarn ab.
Der Postbote soll erhalten bleiben, die Post als Unterabteilung der DHL sich noch etwas um Briefe und Marken kümmern. Solange es noch Menschen gibt zumindest, die einen kennen, der einen kannte, der sich noch an die Zeit erinnern konnte, da das Wort »Post« jedem geläufig war. Das Post-Postzeitalter wird eine Herausforderung. Für uns, für Postman Pat, für die Hunde im Vorgarten.
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