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Religionsstreit des Tages: Washington vs. Vatikan

Foto: Truth Social
Der Heiland – oder der Antichrist? Donald Trumps bescheidenes Selbstbildnis vom Sonntag

Trumps Vize J. D. Vance ist zwar zum Katholizismus übergetreten. Aber in einer Sache scheint er typischer Protestant geblieben zu sein: in der Auffassung, dass die Kirche sich aus der Politik rauszuhalten habe. »Ich bin der Meinung, dass es in manchen Fällen das Beste für den Vatikan wäre, sich auf moralische Fragen zu beschränken«, sagte Vance am Montag abend auf Fox News. Es sollte dem US-Präsidenten überlassen bleiben, »die US-Politik zu bestimmen«, fügte er hinzu. Zuvor hatte Papst Leo XIV. am Sonnabend im Petersdom die »sinnlose und unmenschliche Gewalt« im Nahen Osten verurteilt und unmissverständlich gefordert: »Genug des Krieges!«

Das veranlasste Donald Trump am Sonntag auf »Truth Social« zu einer bizarren Tirade gegen den Pontifex maximus. Der sei schwach gegenüber dem Verbrechen, schwach gegenüber einem Land, das die USA nuklear bedrohe usw. – man kann es sich denken. Als ob das nicht reichte, schob Trump wenig später noch ein per Computerprogramm erzeugtes Bild von sich nach, das er aber rasch wieder aus dem Netz nahm: Es zeigte ihn als Jesusfigur, die per Handauflegen Kranke heilt. Am Himmel darüber sind nicht etwa Friedenstauben zu sehen, sondern das US-Wappentier, der Weißkopfseeadler, sowie mehrere US-Kampfjets und Soldaten.

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Der offizielle Stellvertreter Christi auf Erden zeigte sich am Montag morgen unbeeindruckt ob der Blasphemie. Er erfüllte sich gerade einen langgehegten Wunsch und befand sich auf dem Weg nach Algerien. Dort besuchte er am Dienstag Annaba, wo einst der heilige Augustin als Bischof wirkte. Dieser gab dem Augustinerorden, dem Leo selbst angehört, den Namen. »Ich werde mich weiter lautstark gegen den Krieg aussprechen«, bekräftigte der Papst noch im Flugzeug gegenüber Reuters. »Zu viele unschuldige Menschen werden getötet. Ich denke, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2026, Seite 3, Ansichten

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  • Onlineabonnent*in Ulf G. aus H. 17. Apr. 2026 um 10:30 Uhr
    Das Selbstbildnis Trumps als Heiler (oder Heiland?) ist recht kitschig und kurios, von mir aus auch blasphemisch. Es wirkt auf mich aber auch und vor allem als eine Verherrlichung des Krieges. Krieg als Heilung. Krieg als Katharsis. Hinter dem als Wunderheiler dargestellten Trump treten ja Soldaten aus einem gleißenden Licht am Himmel hervor, einer davon verhüllt, aber mit der an die Freiheitsstatue erinnernden Strahlenkrone doch als Verheißung erkennbar. Dazu die Kampfbomber am Himmel. So wird Krieg zur Verheißung von Freiheit und als Heilung von schwerer Krankheit verkauft. Und Trump wird mit seinem Krieg – derzeit gegen den Iran – zum gütigen und wirkmächtigen Gewährer von Gesundheit und Freiheit stilisiert, während umgekehrt die vom amerikanischen Vorbild abweichenden Gesellschaftsmodelle als krank dargestellt werden. Das passt sich in den amerikanischen Exzeptionalismus ein, der ja missionarisch das amerikanische Modell exportieren möchte. Schon der Krieg 2003 gegen den Irak trug den zynischen Namen »Iraqi Freedom«. Je nach Zählung hatte er bis zu 3 Millionen Irakern das Leben gekostet. Und einzelne Stimmen in den USA forderten dennoch, den Irak für die quasi-Dienstleistung der bombensicheren Demokratisierung doch bitte bezahlen zu lassen. In den Vereinigten Staaten meint man hier und da wirklich, dass ihre Kriege etwas Gutes seien.
  • Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 14. Apr. 2026 um 21:49 Uhr
    Das Lesen der Bibel ist mit ziemlicher Sicherheit »Seiner Wahnsinnigkeit« in Washington noch nicht beschert gewesen. Allein das 5. Gebot: »Du sollst nicht töten« müsste ihm sonst zumindest zum Nachdenken anregen. Allein seine zweite Amtszeit brachte schon drei große Kriege hervor – zweimal im Iran und seine Unterstützung für den Genozid in Palästina. Und seine »christlichen« Glaubensgefährten in Europa – sie fallen vor ihm in den Staub und huldigen ihm. Die CDU sollte sich umbenennen – »Colossal Dumme Untertanen«. Trump und seine Politik mordet. Eben im Nahen Osten und in der Karibik – besonders auf Kuba – durch Embargos, die völkerrechtlich ein Verbrechen darstellen. Und dann mit Heiligenschein auf so einem Bild? Nein danke – hier appelliere ich an die deutschen und europäischen Kirchen – macht es wie Leo XIV. – verurteilt diese Politik. Was hier aus »God own Country« herüber schwappt ist nicht das Paradies – es ist die pure Hölle… Und Vance hat recht – die Kirche soll sich auf die Moral beschränken – aber das, was die US-Administration abzieht – ist das moralisch??? Nein, es ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit – und damit absolut unmoralisch…
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