Religionsstreit des Tages: Washington vs. Vatikan
Von Jörg Tiedjen
Trumps Vize J. D. Vance ist zwar zum Katholizismus übergetreten. Aber in einer Sache scheint er typischer Protestant geblieben zu sein: in der Auffassung, dass die Kirche sich aus der Politik rauszuhalten habe. »Ich bin der Meinung, dass es in manchen Fällen das Beste für den Vatikan wäre, sich auf moralische Fragen zu beschränken«, sagte Vance am Montag abend auf Fox News. Es sollte dem US-Präsidenten überlassen bleiben, »die US-Politik zu bestimmen«, fügte er hinzu. Zuvor hatte Papst Leo XIV. am Sonnabend im Petersdom die »sinnlose und unmenschliche Gewalt« im Nahen Osten verurteilt und unmissverständlich gefordert: »Genug des Krieges!«
Das veranlasste Donald Trump am Sonntag auf »Truth Social« zu einer bizarren Tirade gegen den Pontifex maximus. Der sei schwach gegenüber dem Verbrechen, schwach gegenüber einem Land, das die USA nuklear bedrohe usw. – man kann es sich denken. Als ob das nicht reichte, schob Trump wenig später noch ein per Computerprogramm erzeugtes Bild von sich nach, das er aber rasch wieder aus dem Netz nahm: Es zeigte ihn als Jesusfigur, die per Handauflegen Kranke heilt. Am Himmel darüber sind nicht etwa Friedenstauben zu sehen, sondern das US-Wappentier, der Weißkopfseeadler, sowie mehrere US-Kampfjets und Soldaten.
Der offizielle Stellvertreter Christi auf Erden zeigte sich am Montag morgen unbeeindruckt ob der Blasphemie. Er erfüllte sich gerade einen langgehegten Wunsch und befand sich auf dem Weg nach Algerien. Dort besuchte er am Dienstag Annaba, wo einst der heilige Augustin als Bischof wirkte. Dieser gab dem Augustinerorden, dem Leo selbst angehört, den Namen. »Ich werde mich weiter lautstark gegen den Krieg aussprechen«, bekräftigte der Papst noch im Flugzeug gegenüber Reuters. »Zu viele unschuldige Menschen werden getötet. Ich denke, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt.«
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