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Aus: Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 3 / Inland
BRD und der Krieg gegen Iran

Warum muss die Nutzung der Air Base untersagt werden?

Durch den US-Stützpunkt in Ramstein ist die BRD in den Iran-Krieg involviert und leistet Beihilfe, sagt Tobias Pflüger
Interview: Gitta Düperthal
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Der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran rückt die US-Militärbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein in den Fokus. Inwieweit ist Deutschland durch sie in den Krieg involviert?

Die Ramstein Air Base spielt in diesem Krieg eine ganz zentrale Rolle. Dort landen US-Militärflugzeuge und fliegen weiter in Kriegsgebiete. Diese Relaisstation dient den USA für Drohnenangriffe im Nahen Osten und Afrika, sie leitet per Satellit Daten zur Steuerung weiter. Die USA haben mindestens 40 weitere Militärstandorte in der BRD. Beim US-Angriff auf den Iran sind die Airbase Spangdahlem sowie die Befehlszentralen EUCOM und AFRICOM in Stuttgart entscheidend. Welche Rolle andere US-Standorte, wie etwa Grafenwöhr und Ansbach, genau spielen, ist uns noch nicht eindeutig klar. Ohne diese Standorte in der BRD könnten die USA ihren Krieg nicht in der Weise führen, zumal Spanien seine Stützpunkte (und seinen Luftraum, jW) gesperrt hat. Deutschland ist beim Krieg gegen den Iran eindeutig involviert. Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig, damit illegal, Deutschland leistet Beihilfe. Werden, wie etwa im Fall der bombardierten Mädchenschule im Iran, Zivilistinnen und Zivilisten umgebracht, ist das Beihilfe zum Mord.

Dieser Krieg sei nicht »Angelegenheit der NATO«, deshalb stelle sich auch nicht die Frage, wie sich Deutschland militärisch einbringe, sagte Friedrich Merz kürzlich. Zuvor hatte der Bundeskanzler noch anders geurteilt. Wie bewerten Sie sein widersprüchliches Auftreten?

Merz hätte beim Treffen am 3. März Donald Trump direkt widersprechen und sich hinter die spanische ­Regierung stellen müssen. Akteure aus der CDU unterstützen den Krieg. Die Formulierung »Das ist nicht unser Krieg« von Boris Pistorius von der SPD ist nicht hilfreich: Wenn die Bundesregierung dieser Meinung ist, muss sie den USA die Nutzung der gesamten militärischen Infrastruktur hierzulande untersagen. Diese Forderung müssen wir als Friedensbewegung stellen.

Der iranische Botschafter in Deutschland, Madschid Nili, forderte von der Bundesregierung eine »Klarstellung« zur Nutzung der US-Luftwaffenbasis Ramstein für den Iran-Krieg.

Was das verbrecherische Regime des Irans fordert, ist nicht mein Punkt. Die Bundesregierung muss die Kriegsunterstützung beenden, das Völkerrecht muss eingehalten werden. Das Töten muss beendet werden.

Teile der deutschen Friedensbewegung rufen für Ende Juni zu Aktionstagen mit dem Motto »Stopp Air Base Ramstein« auf. Die Bewegung war lange zerstritten aufgrund des Mitmischens einer »Querfront« bei Antikriegsprotesten. Kommen die Proteste deshalb nur zögerlich in Gang – und um welches Spektrum geht es dabei, etwa Neonazis, AfDler oder ­Esoteriker?

Genau um solche Spektren geht es. Vor einigen Jahren gab es bei einigen Gruppen eine sehr ungute Öffnung dafür. Wie der jetzige Stand ist, muss geklärt werden. Dafür offene Aktionen dürfen nicht unterstützt werden. Der Grundkonsens von Friedensarbeit muss antifaschistisch sein. Der Friedensinitiative Westpfalz, die jetzt zum Ostermarsch nach Kaiserslautern sowie auch nach Büchel und Wiesbaden aufruft, ist es gelungen, ein breites linkes Bündnis zu schmieden. Wir halten uns an diese gewachsenen Strukturen der Friedensbewegung vor Ort.

Wie wollen Sie insgesamt mit dem Dilemma umgehen – etwa die Antikriegsdemos mit so deutlich linksgerichteten Inhalten verknüpfen, dass Rechte keine Lust verspüren, sich zu beteiligen?

Dies kann man mit bestimmten politischen Forderungen erreichen, etwa ein Asyl für Deserteure oder Aufnahme von Geflüchteten. Das würden Rechte niemals fordern: Sie halten nichts von internationaler Solidarität. Man kann auch, wie die Friedensinitiative Westpfalz, klar schreiben, dass Rechte beim Ostermarsch unerwünscht sind. Dass sie sich »jeder menschenverachtenden Haltung, wie sie besonders durch rassistische, nationalistische und rechtsextreme Bewegungen zum Ausdruck kommt«, widersetzt.

Tobias Pflüger ist im Vorstand der Informationsstelle Militarisierung e. V. und war stellvertretender Parteivorsitzender sowie verteidigungspolitischer Sprecher der ­Linke-Fraktion im Bundestag

Aktionstage: ­www.stoppramstein.de

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  • Leserbrief von Manfred Pohlmann (31. März 2026 um 11:36 Uhr)
    Ramstein, Büchel und die Terror-Agentur U.S. Army Europe and Africa »Sword of Freedom« (!) in Böblingen als Agenturen für Putsche, Kriege und Regime-Change-Aktionen haben eine lange Tradition. Sämtliche dieser Art gehen zurück auf die 1963 etablierte »School of the Americas« in Fort Gulick in der Panamakanalzone. Der Putsch in Chile 1973 und der in Panama 1989 wurden im Fort Gulick in der Panamakanalzone ausgeheckt. An diese Ereignisse sollten wir anknüpfen, weil dort die Blaupause nicht nur für die mittel- und südamerikanischen »Einsätze« geschaffen wurde, sondern dort auch in den 70ern jährlich rund 1500 Offiziere aus Mittel- und Südamerika korrumpiert und fitgemacht wurden für die Einsätze in ihren Herkunftsländern. De Severac, ein französischer Militärexperte, der sich in Fort Gulick einmal umsehen durfte, schätzte die angetroffenen Pentagon-Kader so ein: »Diese Offiziere sind alle proamerikanisch (gemeint ist US-hörig, J. M.) eingestellt, und in ihren Ländern steht ihnen eine glänzende Zukunft bevor.« (Revue Militaire Générale, Paris, Nr. 3/1971, zit. nach Instruction 37/57, J. Mader, Militärverlag der DDR, Berlin 1974, S.11)
    Hochinteressant sind die Schwerpunkte, nach denen dieses Putsch- und Terror-Curriculum aufgebaut ist. Direkt aus dem Safe in Fort Gulick (Vgl. a. a. O. Mader S. 14f.) gelangte es 1973 nach dem Putsch in Chile in »falsche« Hände. Der Begriff Whistle Blower war noch nicht en vogue. Wichtig für uns sind einzelne Inhalte in den Instructions. Wir lesen in Nr 5/57: »Zum Dritten stellt der Staatsstreich, was das Wichtigste ist, das Ergebnis einer sorgfältigen Planung unter einer kompetenten Führerschaft dar. Er ist in der Tat die ästhetisch am meisten befriedigende und humanste Art aller militärischen Operationen.« Staatsstreichen die Adjektive »ästhetisch« und »human« zu verpassen, war schon damals zynisch. Die Instruktion Nr. 1/57 lässt aufhorchen: »Die ganze Weisheit beim Staatsstreich besteht darin, dass er einen plötzlichen, entschlossenen Schlag gegen das Herz der Regierung darstellt, einen Dolchstoß, der gleich beim ersten Stoß bis zum Heft eindringt.« Das bedeutet nicht gleich in die Körper der ganzen Regierung, sondern nur ein paar führende Persönlichkeiten: Instruktion Nr. 9/57 »Es gibt wahrscheinlich keinen besseren Weg, dieses Ziel zu erreichen als durch ein oder zwei geschickte Morde.« Das gelänge umso besser, wenn vorab das Zielland vom CIA mit Agenten durchsetzt ist: Instruktion Nr. 18/57 »Es ist selbstverständlich wünschenswert, dass der Geheimdienst der Regierung bis zu den höchsten Stellen durchsetzt wird.« Wie in Chile wäre es nach Instruktion Nr. 48/57 wichtig, »daß alle Regierungsanhänger ohne Verzögerung ausgerottet und beseitigt werden und es ist wahrscheinlich besser, in einer solchen Operation lieber zu rücksichtslos als zu nachgiebig zu sein«, denn wenn »das Rückgrat des Widerstandes gebrochen ist, werden die fliehenden Verteidiger ein leichtes Ziel bieten (…) Je schneller die (…) Truppen die Fluchtwege kontrollieren können, desto reicher wird wahrscheinlich die Ernte sein.« In diesem Sinne sollten die anglikanischen Prediger der USA in das traditionelle Thanksgiving-Gebet die »reiche Ernte« von Feindpolitiker:innen und das Body-Counting der vietnamesischen Leichen aus dem Vietnamkrieg in ihr Gebet für die US-Führungsclique unbedingt mit einbeziehen! So geht Imperialismus, ästhetisch, human und mit Gottes Segen.
  • Leserbrief von Artur Pech aus Schöneiche bei Berlin (31. März 2026 um 10:49 Uhr)
    Nach der von der UNO-Vollversammlung beschlossenen Definition gilt »die Erlaubnis eines Staates, sein Territorium (…) für Aggressionshandlungen gegen einen dritten Staat verwenden zu lassen« als Aggression. (siehe: https://zeitschrift-vereinte-nationen.de/suche/zvn/artikel/die-definition-des-begriffs-aggression) Demnach wurde die Bundesrepublik Deutschland mit der Erlaubnis der Nutzung von Ramstein für Angriffe auf den Iran zum Aggressor. Dagegen zu kämpfen, dass muss unser Beitrag zur Verteidigung des Völkerrechts sein.

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