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28.04.2026
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Volles Rohr
Die weltweiten Rüstungsausgaben erreichen neuen Höchststand – zum 11. Mal in Folge. Die BRD steht auf Platz vier, noch vor Indien und der Ukraine
»Sie haben Geld für Kriege, aber können die Armen nicht ernähren«: Was Tupac Shakur 1993 rappte, gilt unverändert im Jahre 2026. Welche Summen seit Januar weltweit für Kriege und Kriegsvorbereitung verschwendet wurden, ist noch nicht erfasst – es dürfte eine Menge sein. Allein in den ersten sechs Tagen des Angriffs auf den Iran hat das US-Militär laut eigenen Angaben mehr als elf Milliarden US-Dollar verfeuert.
Bereits im vergangenen Jahr hatten die staatlichen Ausgaben für Militär, für Waffen und weiteres Kriegsgerät einen neuen Höchststand erreicht – zum 11. Mal in Folge. Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) veröffentlichte am Montag Zahlen, wonach die weltweiten Rüstungsausgaben 2025 rund 2.887 Milliarden US-Dollar betrugen. Das sind etwa 2.500 Milliarden Euro, was einen Anstieg von 2,9 Prozent im Vergleich zu 2024 bedeutet.
Die USA sind für rund 33 Prozent davon verantwortlich. Insgesamt entfällt mehr als die Hälfte der Rüstungsausgaben auf die Top 3 der Liste, hinter den USA sind das die Volksrepublik China und die Russische Föderation. Aber schon auf dem 4. Platz steht die Bundesrepublik. Mit rund 114 Milliarden US-Dollar Militärausgaben lag die BRD damit noch vor Indien (Platz 5), einem Land mit einer Millionenarmee, und auch vor der kriegführenden Ukraine (Platz 7).
Dass die Ausgaben fürs Militär weltweit »nur« um 2,9 Prozent anstiegen, nach einem Plus von 9,7 Prozent im Jahr 2024, führen die SIPRI-Forscher darauf zurück, dass der US-Militäretat im vergangenen Jahr etwa 7,5 Prozent kleiner war als noch im Jahr zuvor. Als Grund wird die zurückgefahrene US-Unterstützung für Kiew genannt. Die Forscher gehen aber davon aus, dass dieser Rückgang eine einmalige Besonderheit bleibt. »Die vom US-Kongress für 2026 bewilligten Ausgaben sind auf über eine Billion Dollar gestiegen, was einen erheblichen Anstieg gegenüber 2025 darstellt, und könnten 2027 weiter auf 1,5 Billionen Dollar ansteigen, sollte der jüngste Haushaltsentwurf von Präsident Trump angenommen werden«, gab SIPRI-Programmdirektor Nan Tian am Montag in einer Mitteilung zu bedenken.
Der 2025 verzeichnete Anstieg wurde also hauptsächlich durch die Hochrüstung in Europa verursacht. Insbesondere der anhaltende Aufrüstungskurs der europäischen NATO-Staaten führte demnach zum stärksten jährlichen Anstieg der Militärausgaben in Mittel- und Westeuropa seit dem Ende des Kalten Krieges. Den größten Anteil daran hat die BRD: Um satte 24 Prozent stiegen die deutschen Rüstungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr.
Ist das Ziel, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen, maßgeblich für diese Steigerung verantwortlich, so tun künstlich aufgeblasene Stückpreise ihr übriges. Für viele Kapitalisten kommen Staatsaufträge einer Gelddruckmaschine gleich. Doch manchmal wird es selbst den Kassenwarten im Haushaltsausschuss zu dreist. So berichtete Bild am Sonntag, der Ausschuss habe die Beschaffung von Dieseltanks für die Armee gestoppt, nachdem der Hersteller den Preis einfach mal mehr als verdoppelt hatte. Dazu kommentierte dpa: »Die Haushälter beobachten seit einiger Zeit einen starken Preisanstieg bei Militärgütern, die auch als Rüstungsinflation bezeichnet wird.«
Sören Pellmann, Vorsitzender der Linke-Fraktion im Bundestag, erinnerte daran, dass der deutsche Wehretat schon vor Jahren »maximal intransparent und ineffektiv« war. Mehr als 47.000 Rüstungsverträge für rund 111 Milliarden Euro seien in vier Jahren durch das Verteidigungsministerium abgeschlossen worden, jedoch könne das Ministerium nicht beziffern, »wie viele Vorhaben tatsächlich abgeschlossen und funktionsfähig in den Dienst der Bundeswehr gestellt worden sind«. Für Pellmann »ein Indikator dafür, dass hier Gelder einfach rausgehauen werden. Würde nur ein Bruchteil dieser unfassbaren Beträge in die friedliche Konfliktbearbeitung investiert, wäre die Welt ein sichererer Ort.«
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