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Rassistische Ausschreitungen

Pogrom in Belfast

Nordirland. In Reaktion auf einen Mordversuch an einem 40jährigen Mann setzten Vermummte Wohnhäuser von Migranten in Brand

Von Dieter Reinisch
Foto: PA Wire/dpa
In der Lendrick Street in Belfast werden Fahrzeuge in Brand gesetzt (9.6.2026)

In Brand gesteckte Autos und Häuser, Wurfgeschosse und islamfeindliche Parolen: In der Nacht zum Mittwoch kam es in Belfast und an anderen Orten Nordirlands zu schweren rassistischen Ausschreitungen. Wie in den vergangenen Jahren auch wurden die Übergriffe auf Migranten von loyalistischen Paramilitärs koordiniert. Anlass war ein brutaler Angriff eines Sudanesen, der einen 40jährigen Mann mit einem Küchenmesser schwer verletzte und nun wegen versuchten Mordes angeklagt ist. Über die Hintergründe ist bisher wenig bekannt.

Die Unruhen begannen, nachdem sich rund 200 Personen zu einem zunächst friedlichen Protest versammelt hatten. Eine Gruppe von Vermummten verließ später den Protest und fing an, Häuser von Migranten anzugreifen.

Sky News berichtete, dass mehrere Bewohner aus brennenden Wohngebäuden evakuiert wurden, während sich in einigen Stadtteilen maskierte Personen versammelten. Auch ein Bus der Verkehrsbetriebe brannte aus. In den sozialen Medien zirkulieren Videos, in denen vermummte Jugendliche Wohnungstüren von Häusern eintreten, in denen migrantische Familien leben, Fenster einschlagen und Brandsätze in die Häuser werfen.

Pastor Jack McKee sagte der BBC, er habe gesehen, dass Menschen aus ihren Häusern vertrieben wurden, »weil sie schwarz sind«. Er berichtete, dass einige Mitglieder seiner Gemeinde, »die seit 20 Jahren zu uns gehören«, aus ihren Häusern vertrieben, ihre Häuser angegriffen, Fenster eingeschlagen und Nachbarhäuser niedergebrannt wurden. Anselme Shima lebt seit 13 Jahren mit seiner Frau und drei Kindern im loyalistischen Osten von Belfast: »Ich bin am Boden zerstört, entsetzt. Ich wusste nicht, wie ich meine Kinder schützen konnte.«

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Laut Informationen von junge Welt soll es sich bei den Pogromen um organisierte Übergriffe loyalistischer Paramilitärs wie der UVF und der UDA handeln. Auch Mitglieder extrem rechter und faschistischer Gruppierungen sollen, wie in den Jahren zuvor bei ähnlichen migrantenfeindlichen Angriffen und Protesten in Nordirland, an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein.

Viele Geschäfte schlossen vorzeitig, der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt, Behörden ließen Straßen sperren, um die Unruhen unter Kontrolle zu bringen, berichtet Anadolu Agency.

Die Aufstachelung zu den schweren Krawallen erfolgte über ein weithin auf Social Media geteiltes Video, das die Tat des sudanesischen Mannes dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen, wie das Opfer schwer an Rücken, Gesicht und Augen verletzt wird. Zu sehen ist, wie der Angreifer mit einem Messer auf einem blutüberströmten Mann sitzt und ihn mit einem Messer traktiert. Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen, den Angreifer von seinem Opfer zu trennen. Der Angriff ereignete sich in der Kinnaird Avenue, einer überwiegend katholisch-nationalistischen Wohngegend im Norden Belfasts.

Bereits am Dienstag musste sich der mutmaßliche Täter der Messerattacke von Montag abend wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der 30jährige Angeklagte aus dem Sudan wurde außerdem wegen Besitzes einer Stichwaffe in der Öffentlichkeit sowie wegen Morddrohungen angeklagt. Der Angeklagte war 2023 aus Paris nach Nordirland gereist und hatte dort als Flüchtling eine gültige Aufenthaltserlaubnis bis 2028, wie der irische Sender RTÉ berichtet.

Wie die nordirische Polizei mitteilte, werde das Opfer des Angriffs im Krankenhaus behandelt und befinde sich weiterhin in einem ernsten Zustand. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 1, Titel

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