-
08.06.2026
- → Titel
Tod und Spiele
Fußballweltmeisterschaft USA: Noch immer wird um Visa und Einreisen gerungen, während der US-Senat neue Milliarden für ICE genehmigt und Stadionarbeiter streiken wollen
Am Donnerstag startet die Fußballweltmeisterschaft, die in Kanada, Mexiko und den USA und somit erstmals in drei Ländern gleichzeitig ausgetragen wird. Neue Superlative sollen das Bild dieser WM bestimmen: Statt der bisher 32 Teilnehmer nehmen nun 48 Nationalmannschaften teil. Dem Weltfußballverband FIFA eröffnet das mehr Möglichkeiten für die kommerzielle Ausschlachtung des Turniers. Mehr Spiele, mehr TV-Rechte, mehr Sponsorenrechte, mehr Märkte und sogar mehr Ticketoptionen stehen auf der einen Seite. Gleichzeitig werden Teilnehmern aus dem globalen Süden mehr Chancen auf Teilhabe an einem Turnier eingeräumt werden, das ihnen lange systematisch verwehrt worden ist. Denn die Geschichte des Kolonialismus ist tief in die DNA der Weltmeisterschaft eingeschrieben. Und auch neokoloniale Machtstrukturen sind ein fester Bestandteil des bevorstehenden Turniers.
Die drei Ausrichterstaaten waren mit ihrer Bewerbung unter dem Slogan »United, As One« (»Gemeinsam, als Einheit«) beim 68. FIFA-Kongress am 13. Juni 2018 in Moskau erfolgreich gewesen. Doch von einer gemeinsamen Einheit und dem FIFAseitig vielzitierten Universalismus ist wenige Tage vor der Weltmeisterschaft nichts zu spüren. Seit Wochen ist vor allem ein Thema bestimmend: verwehrte Visa. Erst am Samstag morgen wurde der irakische Stürmer Aimen Hussein für beinahe sieben Stunden am Chicagoer Flughafen O’Hare festgehalten und befragt, wie Al-Dschasira berichtete. Auch sein Mobiltelefon sei nach der Ankunft inspiziert worden, wie The Guardian berichtete. Schlussendlich durfte er in die USA einreisen.
Teamfotograpf Talal Salah wurde nach zehn Stunden Befragung und ähnlicher Handykontrolle die Einreise verweigert. Ganz besonders betraf die Politik verweigerter Visa das iranische Nationalteam. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump zugesichert, dass Iran trotz des US-amerikanisch-israelischen Angriffskriegs am Turnier teilnehmen dürfe, doch wurde wochenlang um Visa gerungen. Nur Spieler und Trainerstab dürfen in die USA einreisen, offenbar jedoch mit großen Einschränkungen. Wie der Kicker berichtete, gelten die Visa nur für die Spieltage. 15 Mitgliedern der iranischen Delegation wurden Einreiseerlaubnisse verwehrt.
Währenddessen stärkte der US-Senat Präsident Trump am Freitag den Rücken. Er verabschiedete ein zusätzliches 70-Milliarden-Dollar-Paket für die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) sowie die Grenzbehörde, wie Reuters berichtete. Das vor dem Hintergrund anhaltender Proteste gegen die Schlägertruppen wie auch gegen die Zustände in Abschiebehaftanstalten. Jene in Newark im Bundesstaat New Jersey ist zum jüngsten Brennpunkt der Proteste gegen Trumps harte Einwanderungspolitik geworden. Seit Ende Mai liefern sich Demonstranten und Einsatzkräfte Auseinandersetzungen, nachdem Inhaftierte wegen der miserablen Lebensbedingungen in den Hungerstreik getreten sind. Insgesamt sind durch die Gewalt von ICE bereits acht Menschen ums Leben gekommen.
Am Sonnabend gab es auch in Los Angeles erneut Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen gegen das Vorgehen von ICE. Dort stimmten zudem die Beschäftigten des Sofi Stadium für die Möglichkeit eines Streiks während des Turniers, wie AP meldete. Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen, bei denen die Gewerkschaft kritisiert, dass die erwarteten hohen Einnahmen aus der Fußballweltmeisterschaft nicht angemessen in den Lohnangeboten des Betreibers berücksichtigt werden.
Asymmetrie und Privilegierung werden auch diese Weltmeisterschaft prägen. Denn die FIFA steht seit jeher eng an der Seite imperialer Machtverhältnisse. Das gilt für (Nicht-)Ausschlüsse von Mitgliedsverbänden (Russland ja, Israel nein) ebenso wie für die Ungleichverteilung der WM-Spiele. Von 104 WM-Partien finden 78 in den USA statt. Genau dort, wo größere Stadien stehen und höhere Eintrittsgelder verlangt werden können.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
