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Panzer statt Pädagogen
Brandenburg will bei Kriegsindustrie »aufholen«, kann aber Kernunterricht an Schulen nicht mehr gewährleisten
Der Osten bleibt wirtschaftlich zurück? Brandenburg setzt jetzt zum Sprung an, um den Abstand zu westdeutschen Bundesländern zu verringern. Am Donnerstag veröffentlichte die in Potsdam erscheinende Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) ein Interview mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), in dem er ein »Ungleichgewicht« zwischen Ost- und Westdeutschland konstatierte: »Die Rüstungsindustrie in Nordrhein-Westfalen oder in Bayern hat viel mehr Arbeitsplätze als die in Ostdeutschland. Das ist eine Tatsache, die historisch begründet ist. In der DDR gab es diese Industrie im wesentlichen nicht, weil die meisten Rüstungsgüter aus der damaligen Sowjetunion importiert wurden. Diesen Rückstand wollen wir aufholen.«
Am selben Tag erreichte ihn ein offener Brief des Landeselternrates Brandenburg, in dem es heißt: »Schon heute zeichnet sich ab, dass an vielen Schulen die Unterrichtsversorgung nach den Sommerferien nicht vollständig gewährleistet werden kann.« Am Vortag hatte Landesbildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) in einem MAZ-Podcast erklärt, in den vergangenen Jahren sei angesichts des Lehrermangels immer das Ziel gewesen, die sogenannte Stundentafel abzusichern: »Wir wissen, dass wir dieses Ziel im neuen Schuljahr nicht mehr überall erreichen werden.« Die Stundentafel gibt vor, wie viel Unterricht Schüler pro Fach erhalten sollen, damit ihre Leistungen vergleichbar mit denen von Schülern in Bundesländern bleiben. Die Vorgaben dafür macht die Kultusministerkonferenz. Hoffmann erläuterte, die »größten Bauchschmerzen« bereite ihm die Aussicht, dass die Abschlüsse Brandenburger Schulabsolventen nicht mehr in anderen Bundesländern anerkannt werden könnten.
Sie haben aber bereits heute gute Chancen, ins heimische Tötungsgewerbe einzusteigen. Das entwickelt sich vergleichsweise stürmisch: Die Bundeswehr baut in Holzdorf im Südwesten des Landes am zukünftig größten Hubschrauberstützpunkt Europas und gab am 3. Dezember 2025 bekannt, dass dort erstmals das von Israel gelieferte »Arrow 3«-Raketenabwehrsystem (das im Krieg gegen Iran wenig überzeugend funktionierte) stationiert worden sei. Das setze »einen strategischen Meilenstein«, weil Deutschland bisher »schutzlos« gegenüber solchen Waffensystemen »großer Reichweite wie der neuen russischen Rakete ›Oreschnik‹« gewesen sei. Die »Arrow«-Lieferung war mit rund vier Milliarden Euro der bisher größte israelische Rüstungsexport. Die Brandenburger Landesregierung steuerte 100 Millionen Euro für Straßen und Bahn bei, insgesamt sollen 700 Millionen Euro in den Aufbau des Stützpunktes fließen.
Das reicht Landesvater Woidke aber nicht. Er bemüht sich, in Brandenburg an der Havel ein Joint Venture von Heidelberger Druckmaschinen mit dem israelischen Drohnenbauer Ondas anzusiedeln. Das Neue: Das System soll den Drohnenlenker ausmachen können. Aus dem heutigen Mercedes-Werk in Ludwigsfelde, von wo die Produktion des Lieferwagens vom Typ »Sprinter« nach Polen verlagert wird, sollen künftig Radpanzer rollen. Auf eine entsprechende Frage der MAZ antwortete Woidke: »Ich sehe momentan keine roten Linien. Wir versuchen, möglichst Arbeitsplätze zu schaffen, die dauerhaft sind. In Brandenburg sollen Dinge produziert werden, die für die Bundeswehr in Deutschland relevant sind, aber auch exportiert werden können.« Großen Wert lege er dabei auf die Zusammenarbeit mit Israel.
Bei solchem Eifer zur Durchsetzung deutscher Staatsräson bleiben Schüler und Schulen unwichtig und unbezahlbar. Seit Monaten protestieren dagegen Schüler, Lehrer und Gewerkschaften im Land. Sie setzen offensichtlich ihre Prioritäten falsch.
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Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 12. Juni 2026 um 12:45 UhrOder: Mit unserem Erkenntnisinteresse und unserem Anliegen vom Sinn des Lebens = der Erhaltung der Art liegen die meisten von uns inzwischen falsch, wenn sie/wir für die Verbesserungen der Möglichkeiten und der Wahrscheinlichkeiten (1.: Klimmarettung) im eigenen Leben tagtäglich unterwegs sind, denn: Mein und Dein Blickwinkel sind schon aus allgemeinhistorischer Überlieferung eindeutig falsch. Warum Kinder und Studierende finanzieren, deren Wege bereits und spätestens übermorgen im Sande verlaufen? Sozialer Wohnungsbau – wofür? Rentenversicherungen sind von Natur aus Auslaufmodelle. Was Kranke und Alte betrifft – das Einsparpotential ist enorm! – Bringen wir es auf den Punkt: Aus anderer Sicht gilt: Klimarettung = Reduzierung der Weltbevölkerung. Oder wie viel Personal werden zwei Millionen deutsche Millionärsfamilien dank KI ab 2027 noch einstellen? Das Versinken in Armut der Vielen ist vorausschauende Notwendigkeit laut Regierungsinteresse und -grundsatz. Warum auch nicht? Gesetz ist, dass diese Feingeistigen in ihren Kreisen verbleiben. Damit anderen nie ein Licht aufgeht.
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Reinhard Hopp aus Berlin 11. Juni 2026 um 21:16 UhrSeinen biologischen Vater kann man sich nicht aussuchen; seinen (politischen) »Landesvater« schon. Man könnte sich sogar von ihm befreien. Warum tut man/frau es aber dennoch nicht? Was würde Freud wohl dazu sagen?
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Wolfgang Schlenzig aus Berlin-Mariendorf 12. Juni 2026 um 13:44 UhrMan kann die Landesregierung nicht mal so eben loswerden. Wenn wir imperative Mandate hätten, die auch für die exekutive Administration gelten würden, wäre das was anderes. Aber so was gibt es auf dieser Ebene nicht. Herr Hopp muss also diese Mannschaft bis 2029 ertragen. Es sei denn, auch aus dem Regierungslager gäbe es Stimmen bei einem Misstrauensantrag. Aber was wäre dann? Eine AfD-Regierung! Wir müssen uns alle gewahr sein, dass die Chancen dafür sehr gut stehen.
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Wieland König aus Neustadt in Holstein 12. Juni 2026 um 11:33 UhrJa, Herr Hopp, sie stellen die richtige Frage. Und es gibt auch eine recht einfache Antwort, die aber allen echten Linken sehr weh tut. Danke an Frau Wagenknecht für ihre egozentrische Personalpolitik des BSW der jüngsten Zeit, wo sie sich mit »verdienten Altkadern« eindeckte, um damit gleich den beginnenden Erfolg des BSW zu verderben. Und dann für ihren unbedingten Willen, mit dem BSW in die Landesregierung zu wollen. Das hat sie geschafft, aber der mit BSW-Parteibuch losreitende Kreuzritter Krumbach hat es auch auf ein Regierungssesselchen geschafft und den bisher erfolglosen SPD-Landesvater wieder mit ins Amt gehievt. Aber dann, als die Pfründe gesichert waren, hat er (und auch andere BSW-ler) schnell das Parteibuch des BSW weggeworfen und brav alle Kapriolen der chronischen SPD-Führung in Brandenburg mitgemacht. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das BSW von ehemals 16 Prozent auf zwischenzeitlich 3 Prozent abgestürzt ist. Vielleicht lag das nicht nur an Auszählungsfehlern. Aber bitte keine Kritik. Wir lösen die Probleme im Vorwärtsschreiten (aber auch das hatten wir schon mal). Sie sehen, lieber Herr Hopp, es gibt gravierende Fehler, die durchaus hausgemacht sind.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
