Gong zur zweiten Runde
Von Knut Mellenthin
Die Gerüchte über die Planung eines zweiten Treffens von Vertretern der USA und Irans in den nächsten Tagen nehmen zu. Zeitpunkt und Ort stehen noch nicht fest, heißt es. Bei genauerem Hinsehen ist allerdings nicht einmal sicher, ob eine solche Begegnung zeitnah stattfinden wird.
Die iranische Führung wollte ihre Entscheidung angeblich nach einem Gespräch treffen, das am Mittwoch in Teheran zwischen Außenminister Abbas Araghtschi und dem pakistanischen Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, stattfand. Zumindest bis Donnerstag nachmittag unserer Zeit wurde jedoch weder etwas über den Inhalt dieses Gesprächs noch über eine Entscheidung hinsichtlich eines weiteren Treffens mit der US-amerikanischen Verhandlungsgruppe bekanntgegeben.
Munir war schon bei der über 20 Stunden dauernden Sitzung vom Wochenende in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad oberster Mediator zwischen den beiden Delegationen, die sich zum ersten Mal seit vielen Jahren in einem Raum gegenübersaßen. Munirs offizielle Mission am Mittwoch: die Übergabe einer US-amerikanischen Mitteilung. Offenbar war seine Aufgabe aber viel umfangreicher und anspruchsvoller. Andernfalls wäre er wohl nicht an der Spitze einer »hochrangigen Delegation« angereist, der Vertreter des Außenministeriums und der »Sicherheitsinstitutionen« seines Landes sowie »technische Experten« angehörten. Die Medien der Islamischen Republik berichteten am Mittwoch, die Delegation aus Pakistan werde mit der iranischen Seite über den Rahmen einer möglichen zweiten Runde der Gespräche diskutieren, deren Schauplatz wahrscheinlich erneut Islamabad sein werde. Bilder vom Treffen zeigen Munir in lässiger Zivilkleidung mit aufgeknöpftem Hemdkragen – ein denkbar starker Kontrast zu seinen offiziellen Fotos in Prachtuniform mit Ordensschmuck. Araghtschi und er wirken auffallend entspannt und gutgelaunt.
Munir ist erst seit Dezember vorigen Jahres Armeechef. Seine Biographie weist ihn als Mann militärischer und anderer Nachrichtendienste aus. Ihm wird, obwohl Pakistan eine parlamentarische Demokratie ist, nachgesagt, der »starke Mann« seines Landes zu sein. Donald Trump soll ihn »meinen Lieblingsfeldmarschall« genannt haben. Aber auch zu den Revolutionsgarden der Islamischen Republik habe Munir angeblich »einen guten Draht«. Darüber hinaus repräsentiert der Armeechef in seiner Vermittlerrolle offenbar auch noch das große Interesse Chinas und Saudi-Arabiens, zu denen Pakistan erstklassige Beziehungen pflegt, an einer schnellstmöglichen und nachhaltigen Beendigung des militärischen Konflikts. Dieses Interesse ist durch die anfangs der Woche verkündete US-»Blockade« der Meerenge von Hormus und damit auch des Persischen Golfs noch dringlicher geworden.
Was die anscheinend beiderseits geplante Fortsetzung des Treffens vom Wochenende Nützliches bringen soll, erschließt sich allerdings beim gegenwärtigen mageren Stand der Nachrichtenlage nicht. Zur Erinnerung: Die USA hatten dem Iran am 25. März durch Pakistan einen 15-Punkte-Vorschlag zustellen lassen. Teheran hatte am 8. April mit zehn Punkten geantwortet. Die dort entwickelten beiderseitigen Vorstellungen sind extrem gegensätzlich und lassen keinen Spielraum für Kompromisse erkennen. Trotzdem versteifte sich die iranische Seite auf die falsche Aussage, die USA hätten ihre zehn Punkte als Diskussionsgrundlage anerkannt. Trump reagierte mit der ebenso unsinnigen Behauptung, die Iraner hätten dem 15-Punkte-Vorschlag weitgehend zugestimmt. Zu den dort festgelegten Forderungen gehören die vollständige Demontage der iranischen Atomanlagen, ein zeitlich unbegrenzter Verzicht auf Urananreicherung, die Abgabe des gesamten angereicherten Urans, eine Begrenzung von Reichweite und Zahl der iranischen Raketen sowie eine Einstellung der Unterstützung für die Verbündeten Irans in der Region. Andererseits fordert Iran die Anerkennung seines Rechts auf Urananreicherung, den Rückzug aller US-Streitkräfte aus der Region, die vollständige Aufhebung aller direkten und sekundären Sanktionen sowie die Zahlung von Reparationen für die durch den Konflikt verursachten Schäden.
Es kursieren angebliche Insiderinformationen, dass die USA in der ersten Verhandlungsrunde am Wochenende ein 20 Jahre währendes »Moratorium« für die Anreicherung von Uran ins Gespräch gebracht hätten. Im Gegenzug habe Iran eine auf fünf Jahre befristete Unterbrechung der Anreicherung angeboten.
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