Bombenhagel auf Infrastruktur
Von Knut Mellenthin
Mehr als 2.000 Iraner wurden seit dem 28. Februar getötet, als die USA und Israel nach gründlichen Vorabsprachen und Planungen ihren zweiten gemeinsamen Angriffskrieg gegen die Islamische Republik begannen, ohne sich die Mühe zu machen, einen vorgeblichen Grund für diesen Überfall zu erfinden. Die iranischen Behörden nennen oft keine Gesamtzahl der Toten, sondern beschränken sich auf Kinder bis fünf Jahre (17), Kinder und Jugendliche bis 18 (214) und Frauen (244). Das waren die offiziellen Zahlen am Sonnabend. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 831 Kriegsverletzte stationär in Krankenhäusern, 25.175 waren bis dahin behandelt und entlassen worden. Die von den iranischen Medien an diesem Tag veröffentlichte Statistik wies eine Summe von 93.233 durch Luftangriffe beschädigten Einheiten, darunter 71.454 Wohngebäude und 20.779 kommerzielle Einheiten, auf. Erwähnt wurden außerdem 600 zerstörte oder beschädigte Schulen und 295 medizinische Einrichtungen, darunter 17 Zentren des Halbmonds.
Beispielsweise so, wie am Dienstag beim Angriff auf eine Pharmafabrik, von der es in Israel hieß, dort seien Stoffe für ein angebliches Chemiewaffenprogramm der Islamischen Republik hergestellt worden. Von einem solchen war allerdings bisher noch nicht die Rede gewesen, und Informationen dazu, geschweige denn Beweise, hat Israel auch jetzt nicht präsentiert. Das iranische Außenministerium erklärte dazu, der angegriffene Industriekomplex, eines der größten Unternehmen des Landes auf diesem Gebiet, produziere pharmazeutische Rohmaterialien, die teilweise für die Behandlung von Krebspatienten benötigt werden.
Nur selten sind die vorgeschobenen Lügen so offensichtlich wie bei den israelischen Luftangriffen auf Anlagen der zivilen Atomindustrie Irans am Freitag voriger Woche. Ziele waren eine Fabrik für die Herstellung sogenannter gelber Kuchen, der ersten Stufe der Uranverarbeitung, in Jazd, und eine Produktionsstätte für sogenanntes Schweres Wasser in Khondab. Die israelische Luftwaffe behauptete, sie habe auch den Schwerwasserreaktor in Arak angegriffen, eine »Schlüsselanlage der Plutoniumproduktion für die Herstellung von Atomwaffen«. Nun produziert aber Iran erstens kein Plutonium – das hat auch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) nicht behauptet – und zweitens ist der halbfertige Reaktor aufgrund des Wiener Abkommens von 2015 völlig aus dem Spiel: Er muss irgendwann neu konstruiert werden, und bis dahin ist er durch das Ausgießen des Reaktorkerns mit Beton stillgelegt.
Israel hat mehrfach Irans Erdöl- und Erdgasproduktion angegriffen. Dazu äußerte sich US-Präsident Donald Trump kritisch, warum auch immer, und Israel verzichtet einstweilen auf eine Fortsetzung. Zuvor hatte die israelische Luftwaffe am 8. März Öllager und Raffinerien am Rande Teherans angegriffen und dadurch umweltschädigende Brände ausgelöst. Am 18. März folgte ein Angriff auf den iranischen Teil des größten Gasfelds der Welt, von dem etwa zwei Drittel zu Katar und ein Drittel zur Islamischen Republik gehören. Das Ölministerium in Teheran teilte mit, dass mehrere Anlagen beschädigt worden seien. Journalisten schätzten aufgrund von Satellitenaufnahmen, dass die größte zum Komplex gehörende Raffinerie komplett zerstört sei und eine andere ebenfalls Zeichen schwerer Beschädigungen zeige.
Es scheint, als würden den Aggressoren nicht nur die militärischen, sondern mit der Verlängerung ins Unendliche auch die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Ziele knapp werden. Als »Beifang« werden auch kulturelle, historische und religiöse Gebäude und Anlagen nicht ausgelassen. Iranische Behörden gaben die Zahl der beschädigten Objekte Ende März mit »mehr als 120« an. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, UNESCO, und Wissenschaftler aus vielen Ländern, einschließlich der westlichen Welt, gehen aufgrund von Fotos, Satellitenaufnahmen und anderen Informationen davon aus, dass diese Zahlenangabe plausibel ist. Unter den beschädigten Gebäuden sind vier der 29 iranischen Stätten, die die UNESCO zum Weltkulturerbe zählt.
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