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15.04.20263 Leserbriefe
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Welche Blockade?
Tanker passieren trotz US-Sperre Meerenge
Sie ist in Kraft, die Seeblockade, die Donald Trump aka Doctor Jesus über die Gewässer des Mittleren Ostens mit großer Geste verhängt hat. Unklar ist nur noch, was sie blockiert. Schien die Frage am Montag zunächst geklärt, nachdem die US-Streitkräfte Trumps Anweisung, die gesamte Straße von Hormus für alle komplett zu sperren, ignoriert und mitgeteilt hatten, sich lieber auf die Blockade iranischer Häfen zu beschränken, so erweckten die Operationen der US-Militärs bis zum Dienstag mittag den Eindruck, die U. S. Navy blockiere erst einmal sich selbst. Jedenfalls konnten diverse Schiffe die Straße von Hormus passieren, und zwar nicht bloß solche, die nichts mit Iran zu tun hatten, sondern auch Tanker, die aus iranischen Häfen kamen oder von den USA schon zuvor mit Sanktionen belegt worden waren. Ein Beispiel: Die »Rich Starry«, ein chinesischer, wenn auch unter anderer Flagge fahrender Spezialtanker, seit 2023 auf einer US-Sanktionsliste, durchquerte die Meerenge unbehelligt.
Was ist da los? Schiffahrtsexperten weisen darauf hin, dass im Persischen Golf Tausende Schiffe, darunter Hunderte große Handelsschiffe, kreuzen, von denen viele zudem ausgefeilte Täuschungsmanöver aller Art anwenden. Mit nur 15 Kriegsschiffen vor Ort sei die US-Marine womöglich heillos überfordert. Andere spekulierten, die USA würden Schiffe vielleicht erst lange nach dem Verlassen des Persischen Golfs abfangen – in sicherer Entfernung von iranischen Drohnen und Raketen. Unabhängig davon drängte sich aber eine andere Frage auf: Würden die USA es wagen, chinesische Schiffe wie die »Rich Starry« zu kapern? Die Frage liegt nahe, denn China ist seit längerer Zeit der mit Abstand wichtigste Käufer iranischen Öls. Brächte die U.S. Navy chinesische Tanker auf, dann entfachte sie damit einen neuen Konflikt, und zwar einen mit der Weltmacht China. Unterließe sie es aber, dann bliebe die Blockade wohl so löchrig, wie sie es bis Dienstag mittag zu sein schien – sehr peinlich für den Menschen- und Weltenretter im weißen Kittel, pardon: im Weißen Haus.
Neuer US-Zoff mit China wäre dabei auch aus einem anderen Grund fatal. Beijing betätigt sich zur Zeit äußerst aktiv als Mittler zwischen den arabischen Golfstaaten und Iran. Soll der Krieg irgendwann in einen halbwegs verlässlichen Frieden überführt werden, dann werden beide Seiten irgendwie miteinander auskommen müssen. Die Volksrepublik hat bereits vor drei Jahren die Annäherung zwischen Riad und Teheran diplomatisch begleitet. Nach Beginn des Waffenstillstands bat Saudi-Arabien China ausdrücklich, auch im jetzigen Konflikt mit Iran zu vermitteln. Als Präsident Xi Jinping am Dienstag forderte, in der Welt dürfe nicht das Gesetz des Dschungels gelten, saß neben ihm der Kronprinz von Abu Dhabi, der Sohn des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Ob Doctor J. es sich mit Blick darauf wirklich leisten kann, Schiffe aus China zu kapern? Nun, bei Trump weiß man freilich nie.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 14. Apr. 2026 um 21:50 UhrZunächst wäre es wünschenswert, wenn Medien die Politik von Donald Trump stärker an konkreten Maßnahmen statt an Ankündigungen messen würden. Im Fall der verkündeten Blockade zeigt sich bislang vor allem eine Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher Umsetzung. Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus ist unbestritten: Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels passiert diesen Engpass, und insbesondere China ist auf stabile Energieimporte aus der Region angewiesen. Ein konsequentes Vorgehen der United States Navy auch gegen chinesische Tanker würde jedoch das Risiko einer direkten geopolitischen Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und China erheblich erhöhen – ein Szenario, vor dem Experten seit Längerem warnen. Dass entsprechende Schiffe bislang offenbar passieren konnten, deutet entweder auf operative Grenzen oder auf politische Zurückhaltung hin. Gleichzeitig zeigen Berichte über weiterhin laufende Öltransporte – auch über Drittstaaten wie Pakistan, dass sowohl mit den Vereinigten Staaten kooperiert als auch enge Beziehungen zu China pflegt –, wie schwierig eine lückenlose Durchsetzung einer solchen Blockade in der Praxis ist. Die dominierende Rolle traditioneller Seemächte wie der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs ist zwar weiterhin Realität, zeigt jedoch zunehmende strukturelle Schwächen – von Überdehnung bis hin zu Instandhaltungsproblemen. Gleichzeitig baut China seine Marinekapazitäten in hohem Tempo aus und modernisiert sie konsequent. Die Richtung ist klar: Die jahrzehntelange maritime Dominanz des Westens wird nicht abrupt enden, aber sie gerät sichtbar unter Druck und verliert Schritt für Schritt an Selbstverständlichkeit.
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Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 15. Apr. 2026 um 14:53 UhrIch habe keine Vorstellung, woher und wie Sie Ihre ständig verwechselbaren Vorträge/Einlassungen/Konkretionen begründen. Da fällt mir ein, dass ich vorhin an den Wechsel vom Mythos zum Logos erinnert ward, weil die Kindergartengruppe von nebenan zur U-Bahnstation unterwegs war. Für alle ein zauberhafter Anblick. Und nun zurück zum Logos: Ich empfehle Helmut Seidel. Und mit ihm voran zum Erkenntnisinteresse! Falls da noch etwas verblieben ist.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 15. Apr. 2026 um 17:55 UhrDer Verweis auf »Logos« ist interessant – umso mehr hätte ich mich über eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den angesprochenen Punkten gefreut.
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