Schwierig durchzusetzen
Von Lars Lange
Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen in Islamabad am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, die US-Marine werde damit beginnen, sämtliche Schiffe zu blockieren, die die Straße von Hormus passieren wollen. Das US-Zentralkommando Centcom ruderte kurz darauf zurück: Die Blockade gelte ausschließlich für Schiffe, die iranische Häfen am Arabischen Golf und am Golf von Oman anlaufen oder verlassen – nicht für den gesamten Transitverkehr, wie Reuters berichtete. In Kraft treten sollte die Maßnahme am Montag um 16 Uhr MESZ. Trump ergänzte, dass auch Schiffe, die bereits iranische Durchfahrtgebühren entrichtet hätten, keinen sicheren Transit mehr erhielten.
Die Durchsetzung der US-Blockade könnte sich als schwierig erweisen. Mehr als 60 Prozent der Schnellboote des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), das für die Kontrolle der Meerenge zuständig ist, sind trotz sechswöchiger US-israelischer Luftangriffe noch einsatzfähig, berichtete das Wall Street Journal. Während die konventionelle iranische Marine nach US-Angaben mit über 155 versenkten Schiffen weitgehend zerstört wurde, operiert die IRGC-Flotte weiterhin aus unterirdischen Hangars entlang der zerklüfteten Felsenküste der nur rund 30 Kilometer breiten Meerenge.
Die asymmetrische Strategie Irans geht dabei weit über Schnellboote hinaus. Seit 2022 soll Iran mindestens 1.000 hochentwickelte unbemannte Unterwasserfahrzeuge in Dienst gestellt haben, darunter torpedobestückte Drohnensysteme von über fünf Metern Länge. Ergänzt wird dieses Arsenal durch Hochgeschwindigkeitsoberflächendrohnen sowie weitreichende Antischiffsraketen. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge liegt derzeit bei unter 15 Prozent des normalen Aufkommens – die verbliebenen Durchfahrten erfolgen mehrheitlich nach den von Iran kontrollierten Transitrouten nahe der Insel Larak, faktisch also unter iranischer Kontrolle. Wenn sich ein Militärschiff der Straße nähert, werde dies als Bruch der vergangenen Mittwoch vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe gewertet und entsprechend behandelt, erklärten die IRGC derweil.
Die bekannten Lagebilder zeichnen eine ernüchternde Bilanz der US-Marinekapazitäten am Golf. Der Trägerverband um die »USS Abraham Lincoln« verfügt derzeit über drei Zerstörer, jener um die »USS George H. W. Bush« über vier – wobei der letzte Verband erst kürzlich Gibraltar passiert hat und sich noch im Mittelmeer befindet. Der frühere NATO-Oberbefehlshaber James Stavridis nannte in einem CNN-Interview als Mindestanforderung für eine funktionierende Blockade zwei Trägerkampfgruppen und mehr als 20 Zerstörer, verteilt auf beide Seiten der Meerenge.
Aber wäre Washington tatsächlich bereit, chinesische Schiffe zu entern oder zu beschlagnahmen? Chinas Außenminister Wang Yi machte Bejings Position unmissverständlich klar: Eine Blockade der Straße von Hormus diene nicht den gemeinsamen Interessen der internationalen Gemeinschaft, erklärte er am Sonntag gegenüber dem emiratischen Kronprinzen Scheich Khaled bin Mohammed bin Zayed Al-Nahyan bei dessen Besuch in der Volksrepublik. China wies zudem Berichte über Waffenlieferungen an Iran als haltlose Verleumdungen zurück – nachdem Trump vergangene Woche Sonderzölle von 50 Prozent auf Importe aus Ländern angedroht hatte, die Iran militärisch beliefern.
Die Gebiete, in denen die USA realistischerweise die internationale Schiffahrt terrorisieren könnten, liegen weit von der Straße von Hormus entfernt: etwa in der Arabischen See oder im Indischen Ozean – außerhalb der Reichweite iranischer Raketen und Drohnen. Doch auch diese Option hat ihren Preis: Das Abfangen legal operierender Schiffe in internationalen Gewässern allein aufgrund ihrer Handelsbeziehungen mit Iran käme faktisch einer Form von Piraterie gleich – und würde China, Indien und andere Mächte direkt herausfordern, deren Volkswirtschaften zu den größten Abnehmern iranischen Öls gehören. Ungeachtet dessen treibt Washington mit den kontinuierlichen Munitionslieferungen per C-17-Transportflugzeugen die logistischen Vorbereitungen für eine weitere Eskalation voran.
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