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16.03.2026
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Neu-Delhi unterwirft sich Washington
Indiens Schweigen zu versenkter iranischer Fregatte unterstreicht Position als untergeordneter Verbündeter des US-Imperialismus
Nur zwei Tage nachdem die USA und Israel ihre Aggression gegen den Iran begonnen hatten, torpedierte ein US-U-Boot das iranische Kriegsschiff »Iris Dena« im Indischen Ozean. Der Angriff vom 4. März führte zum Ertrinken von rund 150 Crewmitgliedern, während die übrigen 32 Seeleute von der srilankischen Marine geborgen wurden. Nur wenige Tage zuvor hatte die Fregatte als geladener Gast an Indiens wichtigster multilateraler Marineübung »Milan Peace 2026« im indischen Hafen von Vishakhapatnam angelegt. Die »Dena« nahm an zeremoniellen Veranstaltungen teil, so an einer Parade, bei der auch die indische Präsidentin Draupadi Murmu zugegen war. Außerdem hatte sie keine scharfe Munition an Bord – so wie es das Reglement des Manövers vorschreibt.
Das Schweigen nach der Zerstörung des wehrlosen Schiffs in der eigenen maritimen Nachbarschaft hat einmal mehr Indiens Verzicht auf eine eigene unabhängige Außenpolitik und seine Annäherung an die USA und ihren Verbündeten Israel deutlich gemacht. Bemerkenswert ist, dass der indische Premierminister Narendra Modi zwei Tage vor Beginn der US-amerikanisch-israelischen Aggression gegen Iran auf Einladung des Kriegsverbrechers Benjamin Netanjahu Israel besucht hatte. In seiner Ansprache vor der Knesset bekundete Modi Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus, schwieg jedoch völlig zu Israels andauerndem Völkermord an den Palästinensern.
Die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten) hatte schon Modis Besuch in Israel abgelehnt. Dieser sei »ein Verrat an der palästinensischen Sache und legitimiert das mörderische Netanjahu-Regime«. Die CPIM sieht eine »vollständige Kapitulation« vor den USA. Angesichts der Versenkung der »Dena« kritisierte die Partei die hindunationalistische Regierung dafür, dass sie es versäumt habe, »irgendeine Sicherheitsgarantie« für die »Dena« zu bieten. Der Vorfall mache deutlich, dass Indien seinen »Status als führende Nation in Südasien verschleudert« habe.
Die US-israelische Aggression bezeichnete die CPIM als »flagrante Verletzung der nationalen Souveränität des Iran« und erklärte, dass »die USA als kriegerischer Tyrann agieren und souveräne Länder nach Belieben angreifen«. Die Partei verwies auch auf Venezuela und Kuba und forderte, dass die »indische Regierung die Angriffe auf den befreundeten Iran unmissverständlich verurteilen sollte«. Die Kommunistische Partei Indiens (Marxistisch-Leninistisch) – Liberation sprach von einem »kriminellen Raketenangriff« und rief »alle friedliebenden Menschen in Indien und der Welt dazu auf, sich mit Iran und dem iranischen Volk gegen diese militärische Aggression der USA und Israels zu stellen«. Beide Parteien prangern zudem das Schweigen der indischen Regierung hinsichtlich der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ali Khamenei an, die laut CPIML (Liberation) »auch von Kritikern der iranischen Regierung verurteilt werden muss«.
Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass die Modi-Regierung Diktate der US-israelischen Achse kleinmütig akzeptiert hat. Seit Ende der 2000er Jahre hat Neu-Delhi auf Geheiß Washingtons seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran heruntergestuft, was unter anderem den Verzicht auf ein iranisches Gaspipelineprojekt beinhaltete – ein Vorhaben, das für Indiens Energiesicherheit von entscheidender Bedeutung gewesen wäre. Seit den US-Sanktionen von 2019 sind die Exporte Irans, der früher Indiens zweitgrößter Öllieferant war, nach Indien fast auf null gesunken. Und kürzlich akzeptierte Indien auch widerstandslos das Ende einer US-Ausnahmeregelung, die es Indien »erlaubte«, den strategisch wichtigen Hafen von Chabahar im Iran zu finanzieren und zu bauen. Berichten zufolge hat Indien rund 120 Millionen US-Dollar in den Bau des Hafens investiert, der als Knotenpunkt für die Verbindung Indiens mit Zentralasien und sogar Moskau gedacht war. Unter völliger Missachtung der wirtschaftlichen Interessen Indiens wurde Chabahar jedoch bereits am ersten Tag der US-israelischen Aggression bombardiert.
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