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Sorge vor der Invasion

Kuba: Vorwände für einen US-Angriff gibt es schon genug und die Drohungen aus Washington werden konkreter

Von Michel Torres Corona
Foto: jW

Es war fast Mitternacht, als mich ihre Nachricht erreichte. Sie hat einen Sohn, der gerade ein Jahr alt geworden ist, und macht sich Sorgen. Sie erzählt mir, es gehe das Gerücht um, eine militärische Aggression stehe unmittelbar bevor. Sie schickte mir einen Screenshot von dem Tweet eines Schwachkopfes – einer von denen, die es in den sozialen Medien wie Sand am Meer gibt –, der verkündet: »Morgen beginnt die Invasion Kubas.«

Sie erzählt mir, dass viele Menschen nervös sind, dass, wenn Trump angekündigt habe, sich im Weißen Haus zu verschanzen, irgend etwas passieren würde. Und sie selbst ist natürlich am nervösesten, denn sie hat Angst, nicht um sich selbst, sondern um ihren Sohn. Krieg ist noch viel furchterregender, wenn so ein kleines und zerbrechliches Wesen völlig von einem abhängig ist.

Ich versuche, ihr ohne Panikmache zu antworten, aber ihr auch das Gefühl zu vermitteln, dass ich ihre Ängste ernst nehme: Eine Invasion ist unwahrscheinlich, doch die letzten Monate haben gezeigt, dass alles möglich ist. Ich versuche, sie zu beruhigen, indem ich ihr erkläre, dass Kuba relativ sicher ist, solange Trump das Kapitel Iran nicht abgeschlossen hat – sei es mit einem Sieg oder einem demütigenden, als solchen verschleierten Rückzug. Dennoch besteht die Bedrohung.

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Wie wir wissen, mangelt es in den USA nie an Kriegsgründen, unabhängig von der politischen Ausrichtung der Regierung: Ob Demokraten oder Republikaner, US-Präsidenten wussten stets, wie sie ihre Bombenangriffe und Interventionen rechtfertigen konnten, und nutzten dafür jedes ihnen zur Verfügung stehende Mittel. Und was Kuba betrifft, haben sie bereits diverse Vorwände angehäuft. Manche sind geradezu lächerlich. Sie könnten diese aber jederzeit hervorholen, wenn es ihnen gerade zupass käme: War Maduro nicht der Chef des Cartel de los Soles, des Sonnenkartells, über das sie dann später selbst sagten, dasselbe existiere überhaupt nicht? Die Wahrheit ist für den imperialistischen Diskurs völlig irrelevant. Und deshalb hat meine Freundin Angst – um Kuba, um sich selbst und um ihren Sohn.

Hegseth, dieser pathetische Kriegsminister, erklärte es in einer öffentlichen Anhörung vor dem Kongress: Kuba sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA. Die Insel sei eine Enklave der »finsteren Mächte der neuen Achse des Bösen«: China und Russland. Die jüngsten Vorwände, die sie ihrem »Rechtfertigungsdossier« im Hinblick auf eine zukünftige (und noch hypothetische) Militäraktion beigefügt haben, sind besonders beschämend: Das Medienunternehmen Axios, ein offensichtliches Sprachrohr des US-Außenministeriums, »ließ durchsickern«, dass die kubanische Armee über 300 Drohnen verfüge, die bereit seien, US-amerikanisches Territorium anzugreifen.

Welches Land der Welt besitzt heutzutage keine Drohnen zur Verteidigung oder versucht, solche zu beschaffen? Kann Kuba die Doktrinen der modernen Kriegführung wirklich ignorieren? Hat Kuba nicht das Recht, sich auf seine Verteidigung vorzubereiten, insbesondere angesichts der fast täglichen Bedrohung durch die größte Militärmacht, die die Menschheit je gekannt hat? Haben Trump und seine Kumpanen, die für mehr als hundert außergerichtliche Tötungen in internationalen Gewässern – angeblich von Drogenhändlern – verantwortlich sind, die moralische Autorität, die Kubanische Revolution zu verurteilen oder in Frage zu stellen?

Natürlich nicht. Aber selbst wenn ihre Vorwände noch so absurd klingen mögen, eine Invasion ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Deshalb hat meine Freundin Angst, obwohl ich versuche, sie zu beruhigen. Es gibt keine Geheimnisse oder Gebiete mehr, die man verstecken kann: Der Völkermord in Gaza wurde live im Fernsehen und auf allen digitalen Kanälen übertragen. Wir alle haben in Echtzeit miterlebt, was geschieht, wenn ein Volk von einer weit überlegenen Armee bombardiert wird. Wir haben allen Grund zur Sorge – aber wir haben auch allen Grund, uns nicht nur zu verteidigen, sondern auch sicher zu sein, dass wir selbst in einem solch schlimmen Szenario die Oberhand behalten werden.

→ Michel Torres Corona ist kubanischer Journalist, Direktor des Verlags Nuevo Milenio und Moderator der wöchentlichen Fernsehsendung »Con Filo«.

→ Übersetzung aus dem Spanischen von Renate Fausten

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.05.2026, Seite 6, Ausland

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→ Leserbriefe
  • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 29. Mai 2026 um 00:17 Uhr
    Diese Widerwärtigkeiten um Familie Dogru würden sogar ihre Nachbarn betreffen können? Also noch weit über Sippenhaftung hinaus? Der DJV stellt sich tot? Was Herrn Dogru erstaunt: die internationale Solidarität. Brian Eno ist dabei. Und wer war vor zehn Jahren in Habana? Mick Jagger hat die mehr als eine halbe Million Menschen auf Spanisch begrüßt! Wenn die Rolling Stones von Herrn Eno angerufen werden und gegen The White Madhouse für die Kubanischen eintreten, dann werden sie legendär. Nicht nur in ganz Lateinamerika. Dazu drei, vier Konzerte in London, Paris, Berlin-Pankow usw. …
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