Aufmarsch vor Iran
Von Lars Lange
Die US-Marine hat zwei nukleargetriebene Flugzeugträger der Nimitz-Klasse in Richtung Europa und Naher Osten in Marsch gesetzt. Die in San Diego stationierte USS Abraham Lincoln, die bis vor einer Woche noch im Südchinesischen Meer operierte, passierte am Dienstag die Straße von Malakka und befindet sich auf dem Weg in Richtung Persischer Golf. Der jüngste Träger der Klasse, die USS George H. W. Bush, hat Norfolk verlassen und operiert derzeit im Atlantik, mit möglicher weiterer Verlegung in den Mittelmeerraum. Neben den Flugzeugträgern verlegte das Pentagon F-15E »Strike Eagles« von der britischen Royal Air Force Basis Lakenheath zu US-amerikanischen Stützpunkten in Jordanien, die Maschinen landeten am Sonntag in der Region. Zusätzlich werden weitere Patriot- und THAAD-Raketenabwehrsysteme in die Region gebracht.
Der Hintergrund dieses Aufmarschs? Die Kriegsdrohungen der USA gegen Iran. Erst am Dienstag berichtete das Wall Street Journal, dass US-Präsident Donald Trump Druck auf seine Berater für »entscheidende« Militäroptionen gegen Iran ausübe. Die Diskussionen reichen von begrenzten Angriffen auf Ziele der Revolutionsgarden bis zu weitergehenden Eskalationsszenarien. Trump habe jedoch noch keine Angriffe angeordnet, und seine Entscheidung bleibe unklar. Auch bei einer Pressekonferenz am Dienstag hatte er erklärt, die militärische Option sei nicht vom Tisch.
Die Truppenverlegungen der USA geschehen zu einem Zeitpunkt, da der versuchte Regime-Change in Iran vorerst gestoppt wurde. Ende Dezember waren nach einem starken Verfall der Landeswährung Rial Proteste ausgebrochen, die sich – auch aufgrund ausländischer Einmischung – schnell zu gewaltsamen Unruhen entwickelt hatten. Irans staatliches Fernsehen IRIB meldete nach Angaben von China Daily am Mittwoch eine offizielle Todeszahl von 3.117 Menschen, davon 2.427 »unschuldige Zivilisten und Sicherheitskräfte«. Die in den USA ansässige Organisation Human Rights Activists News Agency schätzt die Zahl der Todesopfer auf 4.519. Der »Oberste Führer« Irans, Ajatollah Ali Khamenei, hatte am Sonnabend erstmals öffentlich bestätigt, dass »mehrere tausend« Menschen getötet wurden und machte die USA dafür verantwortlich.
Der Vorwurf der ausländischen Einmischung wird durch die Rolle von »Starlink«-Satelliteninternet gestützt: Nach Angaben der New York Times haben Aktivisten mit US-Unterstützung seit 2022 etwa 50.000 »Starlink«-Terminals ins Land geschmuggelt, um die Regierungszensur zu umgehen. Elon Musks Unternehmen Space X machte den Dienst Anfang dieser Woche kostenlos verfügbar. Trump hatte zuvor erklärt, er werde mit Musk über den Einsatz von »Starlink« sprechen, um den Menschen in Iran zu »helfen«.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hat für den Fall eines US-Angriffs mit einer umfassenden militärischen Antwort gedroht. Anders als bei der zurückhaltenden Reaktion seines Landes auf die israelisch-US-amerikanischen Angriffe im Juni 2025 würden die Streitkräfte bei einem erneuten Angriff »mit allem, was wir haben« zurückschießen. Nach Einschätzung der brasilianischen Militäranalystin Patricia Marins verfügt Iran über beträchtliche Vergeltungskapazitäten: mehr als 5.000 Seeminen, Antischiffsraketen mit Reichweiten bis 1.700 Kilometer, U-Boote und Tausende ballistische Mittelstreckenraketen. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Ölexporte fließt, könnte damit blockiert werden. Während des 12-Tage-Kriegs im Juni hatte Teheran seine Marine weitgehend zurückgehalten und kaum maritime Fähigkeiten verloren.
Gleichzeitig mehren sich derzeit Hinweise auf russische Unterstützungsflüge in Iran. Laut Flightradar24 landeten in der ersten Januarwoche mindestens fünf russische Il-76-Transportflugzeuge in Teheran, zudem wurden Anflüge belarussischer Maschinen desselben Typs registriert. Dem britischen Abgeordneten Tom Tugendhat zufolge würden Waffen und Munition geliefert, während größere Mengen iranischen Goldes ausgeflogen würden. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zudem über die Ankunft russischer Iskander-Kurzstreckenraketensysteme. Nicht bestätigen lassen sich hingegen Berichte über die Landung von bis zu 16 chinesischen Militärtransportflugzeugen des Typs Y-20 innerhalb von rund 56 Stunden. Die Angaben stützen sich auf offene Quellen und Medienberichte, wurden bislang jedoch weder offiziell bestätigt noch durch belastbare Flugdatensätze verifiziert.
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