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Guatemala

Schmerzhafte Lücke

Guatemalas Regierung hat auf US-Druck Verträge mit kubanischer Medizinbrigade beendet. In armen Regionen gibt es keinen Ersatz

Foto: Cristina Chiquin/Reuters
Wer wird diese Frau und ihr Kind betreuen, wenn die kubanischen Ärzte nicht mehr da sind? (Quiché, 20.2.2026)

Die sozialdemokratische Regierung von Bernardo Arévalo in Guatemala hat Anfang des Jahres die Verträge mit der kubanischen Medizinbrigade beendet. Am Dienstag sprach Sonia Gutiérrez Raguay den Ärzten aus Kuba bei einer offiziellen Veranstaltung im Parlament in Guatemala-Stadt ihren Dank aus. Allein im Jahr 2025 hätten kubanische Ärzte 2.529.222 Patienten behandelt, überwiegend in den »abgelegensten, am meisten verarmten, meist indigenen Gemeinden des Landes«, sagte die linke Abgeordnete von der Partei Winaq. Laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums habe in den Regionen, in denen kubanische Mediziner tätig sind, die »Kindersterblichkeit nachweislich abgenommen«. Trotzdem wurden in dem »Land Lateinamerikas mit der höchsten chronischen Unterernährung bei Kindern« die Programme beendet, betonte Gutiérrez. Arévalo verstehe leider »das Konzept der internationalen Solidarität nicht«. Klar sei aber auch, dass es sich um eine »politische Entscheidung gehandelt hat, auf Druck aus den USA«, so die Parlamentarierin.

Nazario Fernández, Kubas Botschafter in Guatemala, erinnerte daran, dass die Kooperation mit Guatemala 1998 nach dem Hurrikan »Mitch« begann, der in Mittelamerika große Schäden angerichtet hatte. »24 Stunden nach der Katastrophe trafen die ersten kubanischen Ärzte in Guatemala ein«, so Fernández. Zusätzlich zum Einsatz der medizinischen Brigaden im Land hätten 1.100 Guatemalteken seit 1999 an der »Escuela Latinoamericana de Medicina (Abkürzung Elam; jW) in Havanna ein kostenloses Medizinstudium erhalten«. Der Botschafter ging auch auf die aktuelle Verschärfung der Blockade und der militärischen Drohungen gegen Kuba seitens der USA ein: »Kuba ist ein friedliches Land, aber seine Souveränität wird immer verteidigt.« Fernández erinnerte an die »mehr als sechs Millionen Kubaner, die mit ihrer Unterschrift für das Vaterland ihre Verteidigungsbereitschaft erklärt haben«.

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Verschiedene Wortmeldungen aus dem Publikum machten am Dienstag deutlich, dass es trotz anderslautender Aussagen aus dem Gesundheitsministerium keinen Ersatz für die Kubaner gibt. Das gelte etwa für »die 57 Ärzte, die bisher das Land verlassen haben«, mahnte die guatemaltekische Ärztin Alma Zacarías, die an der Elam studiert hatte. Zacarías widersprach auch der Darstellung des Ministeriums, dass Guatemala in der medizinischen Entwicklung Fortschritte gemacht habe und die Hilfe Kubas nicht mehr benötige. In einer Pressemitteilung der Behörde vom Februar hatte es geheißen, das Land setze auf »eigene Kräfte«. Es gebe »einen strategischen Plan, die kubanischen Ärzte zu ersetzen«. »Vielleicht gibt es heute mehr Ärzte als 1998, aber sie sind fast alle in den großen Städten«, wandte Zacarías ein. Als Beispiel nannte sie den armen Landkreis Ixcán im Norden des Departamento Quiché. Aktuell »gibt es dort 22 Ärzte, 15 von der kubanischen Ärztebrigade und sieben, die an der Elam studiert haben.«

Unklar ist, wann genau die verbliebenen Mediziner das Land verlassen sollen. Die kubanische Brigade zählte Anfang des Jahres 421 Mitglieder, 333 von ihnen Ärzte, in der Regel Fachärzte, hieß es in guatemaltekischen Medien. Mitglieder der Brigade bestätigten gegenüber jW, nicht zu wissen, wann ihr Einsatz genau ende. Von seiten des Gesundheitsministeriums hieß es auf jW-Nachfrage: »Im Laufe des Jahres«. Mehrere Besucher der Abschiedsveranstaltung wandten sich direkt an die kubanische Ärztebrigade. Eine Frau aus dem Departamento Quetzaltenango sagte, es sei »gar nicht in Worten zu ermessen, was ihr besonders für die indigene Bevölkerung getan habt«. Von Kuba habe sie auch gelernt, dass die »Revolution die Liebe zur Menschlichkeit ist (…). Was machen wir jetzt ohne euch?« Eine weitere Besucherin aus einer abgelegenen Region sagte, sie und ihre Kinder fragten sich, wer sie jetzt betreuen werde, wenn die Kubaner weg sind. »Die Antwort ist: niemand.« Ihrer Ansicht nach müsste politisch etwas passieren. Es werde Zeit, dass sich die »Völker Lateinamerikas erheben«. »Warum wird Trump kein Einhalt geboten?«

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.05.2026, Seite 6, Ausland

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