Kein Ende des Krieges
Während die israelische Armee mit schweren Luftangriffen im Libanon selbst gegen die von US-Präsident Donald Trump verkündete zweiwöchige Waffenruhe im Krieg gegen den Iran verstößt, ist sich die Presse in Israel lagerübergreifend weitgehend einig darin, dass es sich nur um eine vorübergehende Ruhephase im Konflikt mit der Islamischen Republik handelt:
»Dies ist nicht das Ende des Krieges mit dem Iran, sondern vielmehr eine Pause zwischen zwei Phasen«, schreibt so die der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahestehende Jerusalem Post. Der Waffenstillstand löse die Kernprobleme zwischen Israel und dem Iran nicht, da die Fähigkeiten und Absichten Teherans weitgehend unberührt geblieben seien. »Israel muss daher weiterhin bereit sein zu handeln, falls die Abschreckung versagt«, fordert das rechtskonservative Blatt, den »strategischen Druck« auf die Islamische Republik auch durch erneute Angriffe aufrechtzuerhalten.
»Der derzeitige Waffenstillstand sollte als vorübergehend und an Bedingungen geknüpft verstanden werden«, heißt es in der ebenfalls dem Likud nahestehenden rechten Israel Hajom. Israel bereite sich bereits auf die nächste Phase der Militäroffensive vor, beruhigt die im Land meistgelesene Tageszeitung ihre bellizistische Leserschaft.
Die konservative, der Opposition zuneigende, auflagenstarke Jediot Acharonot sieht Israel »zwischen Eskalation und Zurückhaltung schwanken, ohne dass ein klar definiertes Endziel vorliegt«. Diese Unklarheit der Regierung untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit.
»Was mit großspurigen Versprechungen eines entscheidenden Sieges begann, endete mit einem brüchigen Waffenstillstand. Israel hat seine strategischen Ziele nicht erreicht«, urteilt die liberale Haaretz und warnt, Israel könne trotz deutlicher militärischer Erfolge auf dem Schlachtfeld geschwächt aus dem Konflikt hervorgehen. »Taktische Erfolge können eine schlüssige politische Strategie nicht ersetzen. Ohne eine solche Strategie dürften diese Errungenschaften mit der Zeit an Bedeutung verlieren«, so das offen regierungskritische Blatt.
Das Waffenstillstandsabkommen sei für keine der beiden Seiten ein Sieg, sondern spiegle ein strategisches Unentschieden wider, urteilt die Zeitung der Kommunistischen Partei Israels, Zo Haderekh. »Wir müssen uns von der Kontrolle unserer grausamen und blutrünstigen Führer befreien, an Zivilisten und Menschenleben denken und nach einem Friedensabkommen streben«, fordert dort die Vizevorsitzende der Demokratischen Front für Frieden und Gleichberechtigung, Hadasch Noa Levy. (nb)
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