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Aus: Ausgabe vom 10.04.2026, Seite 1 / Titel
Nahostkonflikt

Israel bombt weiter

Die größten Angriffe auf Libanon seit Kriegsbeginn sorgen weltweit für Kritik. Iranische Regierung sieht Verletzung der Waffenruhe
Von Wiebke Diehl
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Verzweifelter Rettungsversuch: Ein Libanese versucht am Donnerstag in Beirut sein Hab und Gut aus den Trümmern zu bergen

Mehr als 250 Tote, weit über tausend Verletzte, massive Schäden an der zivilen Infrastruktur und die Gefahr, dass auch der Krieg im Iran wieder eskaliert: Das ist das Resultat der israelischen Weigerung, sich an die in der Nacht zu Mittwoch geschlossene Waffenruhe zu halten. Am Donnerstag mittag erklärte der iranische Präsident Massud Peseschkian, der ein Ende des Kriegs gegen den Libanon zur »zentralen Bedingung« für ein dauerhaftes Abkommen mit den USA erklärt hat, durch die andauernden israelischen Attacken auf den Libanon würden Verhandlungen sinnlos. Der Iran werde die libanesische Bevölkerung nicht im Stich lassen.

Zuvor hatte bereits Außenminister Abbas Araghtchi auf der Plattform X gedroht, die Waffenruhe platzen zu lassen. Der Kommandeur der Kuds-Einheit der Revolutionsgarden, Brigadegeneral Esmail Ghaani, warnte Israel vor einer harten Strafe für seine Attacken auf den Zedernstaat. Brigadegeneral Madschid Musawi, Kommandeur der Luft- und Raumstreitkräfte der Revolutionsgarden, sagte, ein Angriff auf die Hisbollah komme einem Angriff auf den Iran gleich. Irans Parlamentspräsident Mohammed Ghalibaf, der neben Araghtschi an den für Sonnabend in Pakistan anberaumten Friedensgesprächen teilnehmen soll, schrieb auf der Plattform X: Solange die USA ihre Waffenruheverpflichtungen verletzten, könne es keine Verhandlungen geben. Im Widerspruch zur iranischen Überzeugung und zu den Angaben des Vermittlers Pakistan behaupten Washington und Tel Aviv, ein Ende des israelischen Kriegs gegen den Libanon sei nicht Teil der Waffenruhevereinbarung. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte am Donnerstag erneut, die Attacken auf das Nachbarland fortsetzen zu wollen.

Die Hisbollah wirft Israels Armee vor, gezielt Märkte und Geschäfte ins Visier genommen zu haben, und reagierte ihrerseits mit Gegenangriffen auf Israel. Dessen Militär bombardiert Regionen im ganzen Land, darunter die Hauptstadt Beirut, den Südlibanon, die Bekaaebene und den Libanonberg. Dabei wurde nach israelischen Angaben auch Ali Jussuf Harschi, der persönliche Sekretär und Neffe von Hisbollah-Generalsekretär Naim Kassim, getötet. Die Hisbollah betont, sich an die Waffenruhevereinbarung gehalten zu haben, bis sie von Israel gebrochen worden sei.

Israels fortdauernder und erheblich intensivierter Beschuss Libanons stößt international auf laute Kritik. Am Donnerstag warf der ehemalige Leiter der Atomenergiebehörde, Mohammed El-Baradei, Tel Aviv auf X vor, absichtlich »jegliche Friedenschancen« zwischen Washington und Teheran »zu beseitigen« und zudem alle Versöhnungsmöglichkeiten zwischen Iran und den arabischen Golfstaaten verhindern zu wollen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte nannte die israelischen Angriffe »entsetzlich« und forderte eine unabhängige Untersuchung. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Auch UN-Generalsekretär António Guterres hatte Israels Vorgehen »entschieden« kritisiert. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron drängen auf eine Ausweitung der Waffenruhe auf den Libanon. Kritik kam zudem unter anderem aus China, Großbritannien, Spanien und verhalten auch aus Deutschland.

Derweil kündigte US-Präsident Donald Trump an, die US-Truppen bis zum Abschluss eines Friedensabkommens mit Iran in der Region zu belassen. Im Falle eines Scheiterns der Gespräche drohte er in den sozialen Netzwerken mit der »tödlichen Verfolgung und Zerstörung« eines angeblich »erheblich geschwächten Feindes«. Dann beginne »das Schießen, größer, besser und stärker als je zuvor«.

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