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Aus: Ausgabe vom 08.04.2026, Seite 11 / Feuilleton
Sachsen-Anhalt

Schwarze Romantik

Briefe aus Blauland
Von Bernhard Spring
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Es wird dunkel auf Sachsen-Anhalts Bühnen

Lieber Freund, Du hast es sicher schon mitbekommen: Wir hier in Sachsen-Anhalt lieben das Theater. Nicht nur das im Landtag, auf den Marktplätzen und in den Teeküchen der Büros. Auch die wahren Bretter, die die Welt bedeuten, haben es uns angetan: Zwischen Arendsee und Zeitz kommen pro Jahr 234 Theaterbesuche auf 1.000 Einwohner, bundesweit sind es nur 172. Unsere Bühnenlandschaft vom Anhaltischen Landestheater Dessau bis zum Märchenteppich in Halle ist recht vielfältig. Dieter Hallervorden, der Theater in einer Kirche macht, zeigt die Richtung an: unterhaltsam, kontrovers, provokant.

Und genau das ist der AfD ein Dorn im Auge. Sie möchte statt dessen nach ihrem möglichen Sieg bei der Landtagswahl im Herbst ein nationales Programm auf die Bühne bringen. Weg mit den »linksliberalen Vielfaltsideologien« und dem »bunten Agitprop-Repertoire mit Regenbogen-Willkommens-Trallala«, so AfD-Landtagsmitglied Hans-Thomas Tillschneider. Bereits in der Vergangenheit kam es zu Anfeindungen. Besonders die Diskussion um einen Auftritt der linken Band Feine Sahne Fischfilet in Dessau 2018 und die Diffamierung des Bauhauses als »Irrweg der Moderne« im vergangenen Jahr durch Tillschneider sorgten bundesweit für Aufsehen. Das rechte »Vorfeld« der AfD organisierte derweil in Halle eine eigene kleine Buchmesse (ausgerechnet zum Jahrestag der Reichspogromnacht). Umfassend widmet sich die AfD in ihrem Entwurf für ein Regierungsprogramm der Kultur. Diese soll einen »Beitrag zur deutschen Identitätsfindung« liefern. Wer sich dem verweigert, würde nicht weiter mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Früher nannte man das Gleichschaltung.

Welche Stücke die AfD aber auf Sachsen-Anhalts Bühnen sehen möchte, ist unklar. Schon Goethes Dramen waren nicht auf die Förderung eines Nationalbewusstseins ausgelegt. Realismus, Naturalismus, Neue Sachlichkeit: Das gesamte moderne Theater bietet mehrheitlichen keinen Ansatz zum kulturellen Nation Building. Von Brecht und seinen Nachfolgern ganz zu schweigen.

Es gäbe nur zwei Wege: Flachs und Flausen à la »Feuerzangenbowle«-Musicals oder zurück zur schwärmerischen Romantik. Die hat es Tillschneider angetan: Die Romantik sei »für uns Deutsche eine enorm wichtige Epoche. Es ist die Epoche, in der wir zu uns gefunden haben.« Nun stellt sich die Frage, wie gut Tillschneider und Freunde die Literatur der Romantik kennen. Ob sie wissen, dass die Romantik neben allem Schwärmerischen auch einen starken Hang zum Irrationalen und Unheimlichen hatte? Sieht sich die AfD vielleicht genau deshalb dort beheimatet?

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