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24.04.2026
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Der Kampf um die Schule
Briefe aus Blauland
Lieber Freund, die Leute hier in Sachsen-Anhalt sind manchmal ziemlich komisch. Da müssen Bund und Länder erst 4,8 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um sie endlich dazu zu bringen, ihre geliebten Braunkohletagebaurestlöcher zu klimapositiven Seenlandschaften zu fluten und 0,13 Prozent der Arbeitsplätze im Land zu erhalten. Genauso viele (oder eher extrem wenige) Leute – rund 1.300 Personen – arbeiten nämlich noch im Kohlegeschäft.
Trotzdem sind die Braunkohle und der Ausstieg aus der Förderung hier ein echtes Herzensanliegen. Und der angeblich wirtschaftsschädliche Klimaschutz eben nicht. Deshalb kam Fridays for Future hier nie so richtig gut an. Nicht beim damaligen Ministerpräsidenten und erst recht nicht auf der Straße: zu links-grün versiffte Ideale, zu viel verpasster Lernstoff.
Nun aber sollen die Kids plötzlich doch einen Tag lang nicht zur Schule gehen müssen. Das neue Schlagwort aus dem Bildungsministerium heißt Praxislerntag. Alle 7.- bis 9.-Klässler, die nicht das Gymnasium oder die Förderschule für geistige Entwicklung besuchen, dürfen – es ist kein Zwang – einmal pro Woche in die Betriebe gehen, um wertvolle Einblicke in Ausbildungsberufe zu gewinnen. Umgekehrt können die Betriebe schon mal die interessantesten Kandidatinnen und Kandidaten für eine spätere Ausbildung anwerben.
Wenn es also um die persönliche Zukunft geht, kann die Schule freitags ausfallen. Wenn es um unser aller Schicksal geht (und das des Planeten), ist Kunstunterricht wichtiger. So bekommt man sehr gut egoistische Karrieristen ohne jeden Gemeinschaftssinn herangezogen. Und den Lehrermangel kaschiert. Schon heute stehen 16,4 Prozent Seiteneinsteiger vor der Tafel, etwa jeder Dritte von ihnen hat nicht mal studiert, geschweige denn Lehramt.
Die rechten »Alternativen« übrigens gehen Lehrermangel und Praxistag in ihrem »Regierungsprogramm« mit dem Flammenwerfer an, indem sie kurzerhand die Schulpflicht aufheben. Wer der politischen Eignung der Lehrkräfte misstraut, darf gern selbst seine Kinder daheim unterrichten. Damit dürfte sich auch dieses ominöse, links-grün indoktrinierte Phantasiegebilde namens Klimawandel erledigt haben. Dann ist ja alles gut!
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