Die nächsten Enthauptungsschläge
Von Lars Lange
Binnen 24 Stunden hat Israel drei der ranghöchsten Funktionäre Irans getötet. Ali Laridschani, Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates und zuletzt faktisch mächtigster Mann im iranischen Sicherheitsapparat, kam in der Nacht zum Dienstag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben. Das am 28. Februar gleich zu Kriegsbeginn getötete Staatsoberhaupt Ali Khamenei hatte Laridschani noch vor seinem Tod persönlich damit beauftragt, das Überleben der Islamischen Republik unter militärischem Druck zu sichern. Ebenfalls am Dienstag wurde Gholamresa Soleimani, Kommandant der paramilitärischen Organisation Basidsch, in einem Zeltlager getötet – sein Hauptquartier war zu diesem Zeitpunkt bereits zerstört. In der darauffolgenden Nacht meldete der israelische Verteidigungsminister Israel Katz die Tötung von Irans Geheimdienstminister Esmail Khatib.
Eine erkennbare Wirkung auf die iranische Führungsfähigkeit bleibt jedoch aus. Der getötete Revolutionsführer Khamenei hatte für jede Schlüsselposition bis zu vier Nachfolgeebenen festgelegt und alle Amtsträger angewiesen, mögliche Nachfolger namentlich zu benennen. Außerdem haben die Attentate zu keiner Erhebung der Bevölkerung gegen einen vermeintlich geschwächten Regierungsapparat geführt. Wohl um das zu befördern, erklärte Katz, dass Premier Benjamin Netanjahu und er die Tötung hochrangiger iranischer Regierungsvertreter durch die Armee ohne spezielle Genehmigung erlaubt hätten.
Teheran antwortete auf die Tötung Laridschanis mit dem Abfeuern von Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen auf Israel. Im Wohngebiet von Holon, südlich von Tel Aviv, schlugen die Geschosse ein und töteten zwei Menschen. Außenminister Abbas Araghtschi bekräftigte, die Islamische Republik sei ein robustes politisches System, das nicht vom Schicksal einzelner Personen abhänge.
Irans neuer »Oberster Führer« Modschtaba Khamenei wies derweil Deeskalationsvorschläge zurück, die Vermittlerstaaten nach Teheran übermittelt hatten. Nach Angaben eines hochrangigen iranischen Vertreters, der anonym bleiben wollte und von Reuters zitiert wurde, bestand Khamenei darauf, dass die USA und Israel zunächst »in die Knie gezwungen« werden müssten, bevor Gespräche möglich seien. Washington und Tel Aviv setzen jedoch auf Eskalation und bombten am Mittwoch das größte Gasfeld der Welt, South Pars/North Dome, vor der iranischen Küste in Brand. Die iranischen »Revolutionsgarden« reagierten darauf mit Evakuierungsaufforderungen für mehrere Ölanlagen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.
Parallel dazu weitete Israel seine Angriffe auf den Libanon aus. In den frühen Morgenstunden des Mittwoch trafen israelische Luftangriffe Beirut – die schwersten auf das Zentrum der Hauptstadt seit Jahrzehnten. Im Stadtteil Baschura wurde ein zehnstöckiges Gebäude, das Israel als Hisbollah-Stützpunkt bezeichnete, nach kurzer vorheriger Warnung an die Bewohner, vollständig zerstört. In zwei weiteren zentralen Stadtteilen wurden Wohngebäude ohne vorherige Warnung getroffen, mindestens zehn Menschen kamen dabei ums Leben.
Israel führt gleichzeitig eine Bodenoffensive im Süden des Landes durch und gibt an, Hisbollah-Stellungen anzugreifen. Zudem räumte die israelische Armee ein, eine Woche nach Kriegsbeginn aus einem Panzer auf einen Stützpunkt der UN-Friedensmission UNIFIL geschossen zu haben – drei ghanaische »Blauhelmsoldaten« waren dabei verletzt worden. Tel Aviv bezeichnete den Vorfall als Irrtum. Ein hochrangiger Vertreter des UN-Kinderhilfswerks erklärte unterdessen, dass Israel seit dem Einstieg der Hisbollah auf seiten Irans in die Verteidigung der Region täglich so viele Kinder getötet oder verwundet hat, wie in einer Schulklasse sitzen – laut dem Gesundheitsministerium in Beirut konkret 111 bzw. 334 Kinder seit dem 2. März.
Die Straße von Hormus bleibt für den regulären Schiffsverkehr weitgehend gesperrt. Iran kontrolliert die Durchfahrt de facto. Die wenigen Schiffe, die die Straße passieren, tun dies demnach entlang der iranischen Küste – offenbar mit Duldung Teherans. Der Brand auf dem Flugzeugträger »USS Gerald R. Ford«, der am 12. März im Wäschereibereich des Schiffs ausgebrochen war und mehr als 30 Stunden lang anhielt, zwingt den Träger nun zu Reparaturen: laut dem US Naval Institute in der US-Basis auf der griechischen Insel Kreta. Es ist bereits der zehnte Monat, in dem die »Ford« ununterbrochen im Einsatz ist – ein Umstand, der laut dem Militärportal The War Zone die gesamte Einsatzplanung der US-Marine unter Druck setzt. Damit verbleibt nur die »USS Abraham Lincoln« in der Kriegsregion, aber auch dieser US-Flugzeugträger hatte sich zuletzt in Richtung Oman entfernt.
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