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Aus: Ausgabe vom 17.03.2026, Seite 1 / Titel
Libanon

Neues Gaza

Israel droht Libanon mit weitflächiger Zerstörung – auch der zivilen Infrastruktur. Bodenoffensive angekündigt. Trump sucht Verbündete gegen Iran
Von Wiebke Diehl
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Zwölf Tote: Das Gesundheitszentrum in Bordsch Kalawai am Montag nach einem israelischen Angriff

Man werde »im Libanon machen, was wir in Gaza gemacht haben«. Mit diesen Worten zitierte das Nachrichtenportal Axios am Wochenende einen israelischen Militär, der zugleich ankündigte, Israel plane die größte Bodenoffensive im Libanon seit dem letzten großen Krieg 2006. Ziel seien die Besetzung aller Gebiete südlich des Litani-Flusses sowie die Zerstörung jeglicher Infrastruktur der Hisbollah. Außenminister Israel Katz drohte der Regierung mit enormen Schäden an der Infrastruktur und mit der Übernahme der Kontrolle über libanesische Gebiete, sollte Beirut die Hisbollah nicht entwaffnen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ergänzte, man werde den Iran und die Hisbollah »zermalmen«.

Wie Netanjahu ebenfalls erklärte, hat sich Tel Aviv vorgenommen, die Zerschlagung der schiitischen Organisation in die eigene Hand zu nehmen. In diesem Zusammenhang ist auch die Ankündigung einer »begrenzten« Bodenoffensive gegen Hisbollah-Positionen im Süden des Landes vom Montag zu verstehen. Tatsächlich werden aber vor allem Zivilisten zum Opfer der israelischen Angriffe. Hunderttausende mussten seit der Intensivierung des Krieges gegen den Libanon im Windschatten der US-amerikanisch-israelischen Aggression gegen Iran bereits fliehen. Israel greift nicht nur tagtäglich zivile Infrastruktur an, darunter auch die Libanesische Universität in Beirut, wobei zwei Professoren getötet wurden, sondern setzt auch international geächteten weißen Phosphor gegen die Zivilbevölkerung des Zedernstaats ein. Zugleich ist es der israelischen Armee in den vergangenen Tagen nicht gelungen, stabile Positionen entlang der Grenze zu errichten und nennenswerte Vorstöße zu realisieren. Grund ist der starke und anhaltende Widerstand von Hisbollah-Kämpfern, deren Kampffähigkeit man laut der israelischen Zeitung Jedioth Ahronoth unterschätzt habe. Die Hisbollah wehrt nicht nur Vorstöße ab, sondern beschießt zugleich israelische Ortschaften und Städte.

Die libanesische Regierung steht unter enormem Druck Washingtons, die Hisbollah zu entwaffnen, und hat einen entsprechenden Beschluss, bei dem es sich faktisch um die Übernahme eines US-Plans handelt, bereits im vergangenen Sommer gefasst. Als Druckmittel nutzen die USA und einige europäische Staaten insbesondere die schwierige wirtschaftliche Lage Libanons. Nachdem die Hisbollah kurz nach der Ermordung des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei Raketen auf Israel abgefeuert hatte, verbot ihr die Regierung in Beirut jegliche militärische Aktivitäten. Naim Kassem, Generalsekretär der Hisbollah, betonte allerdings in einer am Freitag anlässlich des »Jaum Al-Kuds« (Jerusalem-Tag) gehaltenen Rede, der Libanon steuere ohne den Widerstand auf die »Vernichtung« zu. Die Regierung habe versagt, das Land und seine Bürger zu schützen. Das Wort »Kapitulation« stehe nicht im »Wörterbuch« der Hisbollah. Man werde sich »in dieser existentiellen Schlacht« verteidigen und sei auf eine langanhaltende Konfrontation vorbereitet.

Derweil droht US-Präsident Donald Trump seinen NATO-Verbündeten mit einer »sehr schlechten Zukunft«, sollten sie Washington im Iran-Krieg nicht beistehen. Dennoch herrscht weiterhin große Zurückhaltung gegenüber dem Ansinnen Washingtons, militärisch gegen die Kontrolle Irans über die Straße von Hormus vorzugehen. Auch die EU und Deutschland lehnen eine Ausweitung der »Aspides«-Mission im Roten Meer oder gar ein Eingreifen der westlichen Allianz ab. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte am Montag, dies sei »nicht der Krieg der NATO«.

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