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Editorial der Ausbildungsbeilage

Es hat sich ausgebildet

Schrottreife Schulen, armselige Ausbildungen und unbrauchbare Universitäten kennzeichnen das Bildungssystem der BRD: Ausbaden muss es die Jugend

Foto: Martha Roschmann
Krone: Hierzulande nur noch als vergoldeter Stahlhelm erhältlich (BRD, 2024)

Lohnarbeit ist furchtbar. Die absolute Mehrheit weiß das – spürt es. Dennoch dreht sich alles um sie, spätestens mit der Schulreife. »Sei schön fleißig, dann wird mal was aus dir«, werden angehende Lohnabhängige schon in jungen Jahren auf Leistung getrimmt. Stete Bewertung gewöhnt sie zudem an eine Konkurrenz, die fortlaufend Verlierer produziert. Gleichzeitig gelten Schulzeit, Ausbildung und Studium gemeinhin als die schönsten Lebensabschnitte. Mag sein. Schön sind sie weniger und weniger.

Ganz unabhängig vom Elan der Jugend türmen sich die Mängel des Bildungswesens zu Hürden gelingender Erwerbsbiographien: schrottreife Schulen, armselige Ausbildungen und unbrauchbare Universitäten. Die Ursache ist hinlänglich bekannt: Das Geld fehlt, wird für anderes auf den Kopf gehauen. Allein auf Schulgebäude entfiele mit 67,8 Milliarden Euro fast ein Drittel des »Investitionsrückstands« der geschröpften Kommunen, ermittelte die Kreditanstalt für Wiederaufbau vergangenes Jahr.

Das zeichnet die Insassen der Bildungsfabriken. »Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nimmt erstmals nach der Coronapandemie wieder zu«, mahnte die Bosch-Stiftung in ihrem »Schulbarometer 2026«. Betroffen sei demnach jeder vierte Schüler – wenig überraschend desto häufiger, je ärmer die Familie ist. Das schlage durch auf die Benotung, die wiederum auf das Wohlbefinden. Ein Teufelskreis und eine Geißel der Jugend: Schulische Leistung hängt maßgeblich vom Reichtum des Elternhauses ab. Bildung ist eine Klassenfrage.

Diesen Umstand greift Gudrun Giese mit Blick auf die riesigen Lücken im Schulsystem auf. Gerade dort, wo Armut grassiert, fehlen die Mittel, um ihre Folgen zu lindern. Rohrkrepierer sind die halbherzigen Förderprogramme. Das Resultat: Mehr als 64.000 junge Menschen verließen 2025 ohne berufsqualifizierenden Abschluss die Schule. Für eine auskömmliche Finanzierung des Schulwesens ist hierzulande im Grunde jeder. Das aber ignorieren die Herrschenden wie üblich geflissentlich.

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Staat und Kapital legen die Misere, namentlich den Fachkräftemangel, lieber den Jugendlichen selbst zur Last: Zu dumm oder zu faul seien die Azubis. Damit kaschieren sie, entlarvt Jonas Schwabedissen das »Märchen vom Fachkräftemangel«, den zentralen Widerspruch des Bildungswesens: Zwecks Ausbeutung muss fähige Arbeitskraft reproduziert, zwecks Profit rigoros an ihr gespart werden. Letztlich diktiert das Monopolkapital ein System, das herausragende Spezialisten erzeugt und am Rest herausragend spart.

Dass dieses Diktat nicht unumstößlich ist, weist Benedikt Hopmann am Beispiel der Ausbildungsumlage nach. Der Ansatz ist ebenso einfach wie vernünftig: Um ausreichend Nachwuchs zu fördern, zahlen jene, die nicht ausbilden, ein in einen Fonds, aus dem jene, die ausbilden, subventioniert werden. Das wirkt hervorragend, wie Baugewerbe und Pflege zeigen. Trotzdem ringen Gewerkschaften seit rund 100 Jahren um entsprechendes Recht – erfolgreich zuletzt in Berlin, dessen Gesetz allerdings verpuffen dürfte.

Karriere verspricht derweil nicht mal die beste Berufsbildung. 2025 waren 3,3 Prozent aller Hochschulabsolventen erwerbslos, 0,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Schneller und günstiger als sie erledigt künstliche Intelligenz heute klassische Jobs der Wissensindustrie, hält Ralf Wurzbacher fest. Selbst dort, wo der studierte Mensch noch gebraucht wird, ist er vor der Willkür der Bosse nicht sicher. Dem jüdischen Assistenzarzt André Lerner kündigte man, weil er eine Kufija getragen hat, erzählt er im Interview mit jW.

Das wachsende Heer Aussortierter, Überflüssiger und Geschasster mag die Jugend verunsichern, Volkswirte sorgen und Politiker Dementi anstimmen lassen. Eine freut sich: die Bundeswehr. Die soll wachsen, wurde dafür fürstlich ausgestattet und wirbt mit geldwerten Vorteilen für den Dienst an der Waffe. Darum erinnert Jakob Reimann an eine Losung Bertolt Brechts: »Die Stimme, die euch kommandiert, ist die Stimme eures Feindes.« Das gilt für den Offizier wie für jeden anderen Chef.

Die Fotos dieser Beilage stammen aus der Serie »The Best of Days« von der Berliner Fotografin Martha Roschmann
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Erschienen in der Beilage vom 10.06.2026, Seite 1, Inland

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