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jW-Maigalerie

»Bei der Parole fängt es an«

»Wir sehen rot: Im Widerstand gegen ihre Kriege.« Ab dem 24. Juli ist das Rote Atelier zurück in der Berliner Maigalerie. Ein Gespräch mit dem Gauna

Foto: jW
Es stimmt: Tatsächlich ist viel rot zu sehen (Berlin, 22.7.2026)

Als das Rote Atelier 2025 eine »Wir sehen rot«-Ausstellung in der Berliner Maigalerie organisierte, lautete das Motto: »Internationale Kämpfe im deutschen Kontext«. Dieses Jahr lautet es: »Im Widerstand gegen ihre Kriege«. Braucht es mehr Fokus auf die Kämpfe hierzulande?

Die Militarisierung hat schon 2025 eine Rolle gespielt, aber mit der Vorbereitung der Wehrpflicht und den weiteren Rüstungsausgaben wurde eine neue Qualität des Säbelrasselns erreicht. Der Internationalismus bleibt dabei dennoch aktuell. Auch dieses Jahr werden wir unsere Einnahmen spenden. Letztes Jahr haben wir einen Teil an die Kommunistische Partei Palästinas gespendet und den anderen Teil an 3ezwa, eine Antirepressionsorganisation in Deutschland. Dieses Jahr nutzen wir das Geld für Kuba und den Solifonds der DFG-VK für Schüler, die sich entschieden haben, ihre Musterungsbescheide nicht auszufüllen.

Ist die Linke dieser neuen Qualität gewachsen?

Nicht mal im Ansatz. Aber es gilt, die kleinen Keime zu unterstützen. Darum sind die meisten von uns nicht nur Gestalter*innen, sondern darüber hinaus Teil linker Bewegungen. In unseren Bündnissen oder Organisationen übernehmen wir oft die Propagandaarbeit. Für uns stellt sich vor allem eine Frage: Wie können wir Medien nutzen, können Plakate, Flyer, Websites oder Kampagnen so gestalten, dass sie unsere Szene verlassen? Ohne gute Gestaltung keine gute Aktion – ohne gute Aktion keine gute Gestaltung.

Die Friedensbewegung war schon mal größer. Wo können und müssen Linke mit ihrer antimilitaristischen Propaganda anknüpfen?

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Parolen wie »Meine Söhne geb’ ich nicht« sind immer noch geläufig. Neulich hat Disarstar sie aufgegriffen und in eine moderne Form gebracht. Verändert hat sich vor allem die Geschwindigkeit. Es geht um kurzlebige Trends, um schnelle Antworten, um Plakativität, die trotzdem nicht abschrecken darf. Schwarzer Block und brennende Bullenautos finden wir vielleicht privat nett; Massen bringen die nicht auf die Straße. Dasselbe gilt für die KPD-Ästhetik der 1920er. Wir wollen zwar die ganze Arbeiterklasse erreichen, aber je breiter die Zielgruppe ist, desto beliebiger werden die Botschaften. Man muss sich überlegen: Wo arbeite oder lebe ich, welche Themen bewegen die Menschen dort und welche Sprache sprechen sie?

»Mehrzweckeier« könnte Jugendwort des Jahres werden. Schaden solche Witze dem politischen Anliegen oder sind sie genau das, was es heute braucht?

Letzteres. Ich fand es genial, ein super Beispiel für den Streisand-Effekt (wenn der Versuch, eine Information, Parole o. ä. zu unterdrücken, zu deren stärkerer Verbreitung führt, jW). Daran sollte man anknüpfen und die Parole mit Inhalt füllen. Aber solche Momente kann man nicht bewusst schaffen. Man muss so etwas erkennen und dann nutzen. Wenn man sich die Schulstreiks anschaut und dazugehörige Accounts in den sozialen Medien, dann stellt man einen Output fest, der von humoristischen bis zu erklärenden Videos reicht. Von diesen jungen Leuten kann man sehr viel lernen.

Bei uns in der Redaktion gab es den Vorbehalt, dass derlei Infantilisierung es den Gegnern der Bewegung leicht machen würde, das Anliegen zu verunglimpfen.

Australische Fußballfans machten zuletzt mit einer plumpen Parole gegen Trump international Schlagzeilen: »Aussie boys are on a bender, Donald Trump is a sex offender« (etwa: »Australische Jungs sind auf Sauftour, Donald Trump ist ein Sexualstraftäter«, jW). Und wir müssen uns dabei fragen: Wie nutzen wir den bürgerlichen Medienapparat, der uns nicht wohlgesonnen ist? Wenn Schüler wegen der Parole »Merz leck Eier« Geldstrafen zahlen müssen, öffnet das uns einen neuen Korridor, um Repression zu thematisieren. Bei der Parole hört es nicht auf, bei der Parole fängt es an. Und wenn es eine in die Breite schafft, muss man dort anknüpfen.

Was erwartet denn die Leute dieses Jahr bei »Wir sehen rot«?

Eine interdisziplinäre Ausstellung, bei der es um mehr als Propaganda geht. Über 40 Leute stellen aus, also noch mal bedeutend mehr als vergangenes Jahr. Die Ausstellung selbst läuft drei Wochen lang. Am Eröffnungswochenende haben wir ein Programm organisiert. Am Samstag liest beispielsweise Olivier David aus seinem neuen, unveröffentlichten Buch »Die Armen liefern die Leichen«. Ab 17 Uhr zeigen wir im Kino Babylon antimilitaristische Kurzfilme, die teilweise extra für unsere Ausstellung produziert wurden. Am Sonntag hält der Schweizer Grafiker Richard Frick, der lange mit dem kubanischen Grafikkollektiv Ospaaal zusammengearbeitet hat, einen Vortrag über das Plakat im Widerstand. Am Sonntag nachmittag lassen wir die Vernissage mit dem Chor der Naturfreunde ausklingen und singen gemeinsam Arbeiter*innenlieder. Soweit das Rahmenprogramm. Ausgestellt werden Malereien, Grafiken, Fotografien, Videoinstallationen und Illustrationen. Und natürlich können wieder Soli-Plakat-Boxen erworben werden. Wer nicht zur Ausstellung kommen kann, aber Gestaltungsfragen hat, kann uns immer per Mail kontaktieren. Wir helfen gern.

→ »Wir sehen rot: Im Widerstand gegen ihre Kriege«, jW-Maigalerie, Torstr. 6, 10119 Berlin, 24.7.–9.8.

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→ rotesatelier.de

Der Gauna ist Grafiker und ­Mitglied des ­Roten Ateliers

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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